Reisen mit Kleinkind Tipps: Kindgerechtes Reisen

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Ist Reisen mit Baby oder Kleinkind überhaupt möglich? Natürlich ist es das! Aber ist das nicht nur stressig für die Eltern und eine Tortur fürs Kind? Nein. Zumindest dann nicht, wenn ihr kindgerecht reist. Gemeinsam mit eurem Kind die Welt zu entdecken, ist etwas Wunderbares und Bereicherndes. In diesem Beitrag berichte ich von unseren Erfahrungen und wie kindgerechtes Reisen funktioniert, damit die große Elternzeitreise oder der nächste gemeinsame Urlaub für die ganze Familie zu einem unvergesslich schönen Erlebnis werden.

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UNSERE ERSTE REISE MIT BABY


Vor der Geburt unserer Tochter sind wir viel und weit gereist. Dann kam die Pandemie und setzte unserer liebsten Beschäftigung, dem Entdecken der Welt, zunächst ein jähes Ende. Während meiner Schwangerschaft reisten wir gar nicht, schmiedeten aber ambitionierte Pläne für eine große Elternzeitreise. Mehrere Monate wollten wir mit unserem kleinen Baby in Neuseeland verbringen. Um vorwegzugreifen: Dazu ist es nie gekommen. Reisen mit Kind bedeutete für uns – schon vor der ersten Buchung – vor allem eines: Die Welt wurde kleiner. Oder anders gesagt: Die Auswahl und damit die Anzahl der zur Verfügung stehenden Länder reduzierte sich drastisch. Reiseziele wie Nepal, Bhutan, Kenia oder Chile sind vorerst von unserer Wunschliste gestrichen.

Als ich unsere Neugeborenes im Arm hielt, wurde mir klar, dass mich die erste Reise mit ihr viel Mut kosten würde. Ja, allein die nicht einmal zehnminütige Fahrt von der Klinik nach Hause bereitete mir Angst.

Und Neuseeland? Keinesfalls wollten wir unserem winzigen Mädchen einen solch langen Flug zumuten. Aus einem Ehepaar erprobter Weltreisender wurden Angsthasen-Eltern. Die erste Reise war verglichen mit dem, was wir vorher so gemacht hatten, lächerlich – aber der erste Schritt auf dem Weg, uns die Welt als kleine Familie neu zu erschließen. Als unser Baby drei Monate alt war, wagten wir uns auf eine Fahrt in den Spreewald. Von diesem ersten Urlaub mit Baby berichte ich hier.

Zuvor sah ich mich mit einer Reihe Fragen konfrontiert: Ab wann kann man überhaupt mit Baby verreisen? Welche Reiseziele kommen in Betracht? Was muss man bei einer Autofahrt mit Baby beachten? Die Ergebnisse meiner Recherchen und eigene Erfahrungen habe ich hier und hier zusammengetragen.

Zwei ultimative Wahrheiten über das Reisen mit Kindern lernte ich schon bei unserer kleinen Expedition in den Spreewald:

  1. Eine Reise mit Baby ist kein Urlaub.

  2. Eine Reise mit Baby kann nur dann entspannend sein, wenn man sich dem Kind und dem Rhythmus des Kindes anpasst.

Der erste Urlaub mit Baby im Spreewald.


FLIEGEN MIT BABY: EIN ERSTER TESTLAUF


So klein unsere erste Reise als Familie auch war, zeigte sie uns doch, dass gemeinsames Reisen möglich ist. Sie lehrte vor allem mich, dass viele Ängste nur in meinem Kopf existieren.

 

“Reisen mit Kind ist möglich. Es erfordert eine ganz andere Art der Vorbereitung und Planung, aber es ist machbar.”

 

Nach dem Spreewald griffen wir die Idee einer größeren Elternzeitreise wieder auf. Zunächst legten wir Kriterien für das Reiseland fest:

  • Flugdauer: max. 10 h

  • Amts- bzw. Verkehrssprache: Englisch

  • keine besonderen Impfungen erforderlich (bspw. gegen Cholera, Dengue-Fieber, etc.)

  • keine extremen klimatischen Bedingungen (nicht tropisch oder subtropisch, keine außergewöhnlich hohe Luftfeuchtigkeit)

  • gute Infrastruktur

  • medizinische Versorgung entsprechend westlicher Standards

Die Wahl fiel auf Kanada. Hinsichtlich des Fluges hatten wir Bedenken. Zu oft hatten wir, bevor wir Eltern wurden, erlebt, wie Babys im Flugzeug geschrien und geweint haben. Was, wenn unsere Tochter das Fliegen hasste?

 

“Maßgebend war für uns, dass es unserer Kleinen auf unseren Reisen immer gut ging.”

 

Also buchten wir einen Testflug. Und so kam auch ich zu meinem ersten innerdeutschen Flug. Als unsere Kleine acht Monate alt war, besuchten wir meine beste Freundin und ihre Familie in Nordrhein-Westfalen und verbrachten anschließend noch ein paar Tage in einem nahegelegenen Wellness-Hotel. Danach flogen wir wieder nach Hause.

Warum ein innerdeutscher Testflug? Für den Fall, dass der Hinflug katastrophal geworden wäre, hätten wir so die Möglichkeit gehabt, mit Zug oder Mietwagen zurückzufahren und nicht noch einmal in ein Flugzeug steigen zu müssen.

Aber alle Bedenken waren umsonst: Unsere Tochter ist eine ausgezeichnete Flugzeugpassagierin. Wäre doch nur alles so leicht, wie Fliegen mit Baby!

Nun spielen hier sicherlich zwei Faktoren hinein: Zum einen haben wir großes Glück, ein Kind zu haben, dem Fliegen gar nichts ausmacht. Zum anderen habe ich mich auf jede unserer Flugreisen akribisch vorbereitet. Die wichtigsten Tipps habe ich hier zusammengetragen:


ZWEIMAL WELLNESS-HOTEL MIT BABY: ZWEI WELTEN


Unsere beiden Hotel-Aufenthalte in Deutschland hätten übrigens unterschiedlicher nicht sein können. Beides waren Wellness-Hotels, keine auf Kinder eingestellten Familienhotels.

Im Spreewald war alles schwierig. Das Personal war unfreundlich und unflexibel. Man kam uns nicht entgegen, löste Probleme nicht, die wir hatten und ich war sehr erleichtert, als wir endlich wieder zu Hause waren.

Das Wellness-Hotel in Nordrhein-Westfalen dagegen war ein Traum. Ohne, dass wir darum gebeten hatten, stand schon bei unserer Ankunft ein Windeleimer im Zimmer. Unsere Kleine erhielt bereits Beikost und die Hotelküche richtete ganz nach unseren Wünschen kleine Mahlzeiten für sie her. Alle waren hilfsbereit und wir fühlten uns schlichtweg willkommen.

 
 

SO GEHT KINDGERECHTES REISEN


Kindgerecht reisen heißt, Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder nehmen. Das bedeutet, langsam zu reisen, die Unternehmungen um die Schlafenszeiten drum herum zu planen, viele und lange Pausen zu machen, Spielplätze bzw. -gelegenheiten zu recherchieren und Ausflüge zu verkürzen oder abzubrechen, wenn es für den Nachwuchs zu anstrengend oder zu reizüberflutend wird.

 

Man kann eben nicht mehr noch diese Sehenswürdigkeit mitnehmen oder noch diese Attraktion machen, nur, weil man eben gerade mal da ist, in jenem Teil der Welt.

 

“Kindgerechtes Reisen bedeutet, dass das Kind den Takt vorgibt. Im Idealfall reagieren Eltern nicht nur flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Kinder, sondern kennen ihre Kleinen so gut, dass sie proaktiv richtige Entscheidungen für die ganze Familie treffen, bevor die Kleinen an ihre Belastungsgrenze kommen.”

 

Das klingt vielleicht schwer, aber in Wahrheit ist es leicht. Schwer ist es für mich auf Reisen dann, wenn eine unvorhergesehene Situation auftritt, unsere Tochter sich nicht wohlfühlt und wir nicht eine rasche Lösung parat haben. Wenn es meinem Kind gut geht, geht es mir auch gut. Sie ist mein Kompass auf Reisen – und natürlich nicht nur da.

Kindgerecht reisen ist anders. Wir sind in der Regel mindestens drei Nächte am selben Ort geblieben, um schnelle Umgebungswechsel zu vermeiden. Auf diese Weise sieht man mehr von einer Gegend und gleichzeitig Dinge, die man ohne Kind nie entdeckt hätte.

Gleichzeitig planen wir nur noch etwa ein Viertel der Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, die wir geplant hätten, bevor wir Eltern wurden. Unsere Reisen sind zwar noch immer lang, aber die Strecken, die wir in den Ländern zurücklegen, viel kürzer. Auf diese Weise sieht man viel weniger, als zuvor.

Und manche Dinge kann man eben gar nicht mehr machen – oder zumindest nicht mehr zu zweit als Paar. Surfen am Pacific Rim in Kanada? Nur für meinen Mann, nicht für mich. Unsere Kleine und ich gingen derweil am Strand spazieren. Als unsere Tochter 20 Monate alt war, verbrachten wir einige Wochen im Winter in Island. Auf eine der begehrten Gletscherhöhlen-Touren musste mein Mann allein gehen. Unser Kind und ich hockten derweil nicht wartend in unserer Unterkunft, sondern verbrachten die Zeit am Diamond Beach – keine spektakuläre Höhle aus Eis, aber dennoch einer der eindrucksvollsten Orte, an dem ich auf dieser Welt je gewesen bin. Und so toll alles klang, was mein Mann bei seiner Rückkehr erzählte: Ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.


KANN JEDES KIND REISEN?


Nun, zumindest wir können es mit unserer Tochter. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Sie reagiert nicht mit Stress oder Unruhe, wenn wir vom gewohnten Tagesablauf abweichen, beispielsweise wenn es keine festen Essenszeiten gibt.

  • Sie kann überall schlafen: im Bett, im Flugzeug, im Auto – am liebsten aber in der Babytrage (und das ist noch immer so). Gerade unterwegs schwöre ich auf die Najell Rise*.

  • Sie ist leicht zufriedenzustellen: Nach einer längeren Autofahrt oder ausgedehnten Wanderung müssen wir ihr nur die Möglichkeit geben, sich zu bewegen, zu spielen und zu entdecken – schon ist sie wieder ausgeglichen. Ansonsten: Hauptsache, bei Mama sein.

  • Wir kennen unsere Tochter und ihre Bedürfnisse. Wir wissen, in welchen Situationen sie sich nicht wohlfühlt und wovor sie eine Scheu hat. Auf all das stellen wir uns bedingungslos ein. Das heißt, wir beobachten sie aufmerksam, reagieren auf Gemütsänderungen, stellen unsere eigenen Bedürfnisse immer – und ich meine immer – hinten an und wir achten darauf, dass Fremde ihr nicht zu nahe kommen. Sie hasst es, von fremden (naja, auch von bekannten) Menschen berührt zu werden. Schon deshalb würden wir Reiseländer, in denen die Einheimischen kein westliches Distanzverhalten haben, grundsätzlich meiden, wo sie noch so klein ist. Da aber auch bei uns die Leute häufig keinen Respekt vor den Grenzen von Babys oder Kleinkindern haben, mussten wir schon die eine oder andere deutliche Ansage machen.


ELTERNZEITREISE KANADA


Nachdem wir nun wussten, dass unser winziges Mädchen keinerlei Probleme mit dem Fliegen hatte, traten wir unsere Reise nach Kanada an.

Sechs Wochen lang erkundeten wir Alberta und British Columbia mit einem Wohnmobil. Diese Entscheidung war die beste, die wir treffen konnten. So ermöglichten wir unserer Kleinen, die bei Reiseantritt 12 Monate alt war, eine feste Umgebung. Immer dasselbe Bett, immer derselbe Essensplatz. Nur die Welt vor dem Fenster änderte sich alle drei bis sieben Tage.

Glatt lief natürlich trotzdem nicht alles. Im Gegenteil. Gerade der Anfang war so holprig, dass wir ernsthaft überlegten, das ganze Projekt abzubrechen und zurück nach Hause zu fliegen.

Aber die Widrigkeiten, denen wir uns gegenüber sahen, zeigten uns auch, was wir im Stande sind, gemeinsam als Familie zu meistern.

reisen mit kleinkind

Kanada mit Kleinkind: Ein früher Morgen am Moraine Lake, Alberta.


KINDGERECHT REISEN: ERFAHRUNGEN


“Auf unseren Reisen als Familie habe ich gelernt, dass man sich als Mutter bzw. als Eltern nicht auf alles vorbereiten kann, weil man gar nicht mit allem rechnen kann. Bei unseren Reisen mit Kind habe ich immer ein bisschen Angst im Gepäck. Aber die Angst ist wichtig; denn sie sorgt dafür, dass ich aufmerksam bleibe.”

 

Übrigens ist jede Reise, egal ob klein oder groß, wieder neu. Gerade Babys und Kleinkinder entwickeln und verändern sich so schnell, sodass sich die Tagesabläufe auch zu Hause ohnehin ständig ändern. All unsere Reisen mit Baby bzw. Kleinkind waren unterschiedlich. Jedes Mal hatten wir einen anderen Tagesablauf. Manchmal brauchten wir auch eine Weile, bis wir unseren Reise-Rhythmus fanden.

 

“Reisen mit meiner kleinen Tochter sind für mich immer (noch) eine Mutprobe. Aber es ist für mich wichtig, dieses Wagnis jedes Mal neu einzugehen, denn sonst macht irgendwann das Leben Angst. Auch das Leben zu Hause.”

 

Alle Informationen und Tipps zu den Themen Elternzeitreise, Reisen mit Baby im Wohnmobil und Kanada mit Kleinkind findet ihr hier.

 

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