Der erste Urlaub mit Baby: Ein Erfahrungsbericht
Urlaub mit Baby? Gar eine Elternzeitreise? Unsere Erfahrungen mit dem ersten Urlaub mit Baby waren so ganz anders, als wir es erwartet hatten. Ganz anders, als die sorglose Leichtigkeit, die in den sozialen und anderen Medien vermittelt wird. Vorstellung und Realität prallen aufeinander und klaffen auseinander. Urlaub mit Baby wohin? Geeignetes Reiseziel dringend gesucht. Endlich: Die erste Reise mit Baby. Die Herausforderung: Eine alles andere als optimale Schlafsituation. Das Learning: Nie, wirklich niemals nur eine Babytrage mitnehmen.
Hier teile ich unsere Erfahrungen mit dem ersten Urlaub mit Baby.
GESCHEITERTE REISEPLÄNE
Schon im ersten Trimester meiner Schwangerschaft hatten mein Mann und ich darüber gesprochen, die Elternzeit für Reisen nutzen zu wollen. Groß waren unsere Pläne. Schnell waren Australien und Neuseeland als erste Reiseziele auserkoren. Gerade Neuseeland ist für uns nach den großartigen Erfahrungen, die wir dort erleben durften, zum ewigen Sehnsuchtsort geworden. Im dritten Trimester bekamen wir deutliche Bedenken. Eine solche weite Reise ist doch eine viel zu große Zumutung für unser Neugeborenes. Wohin stattdessen? Zwei Kriterien musste unser Zielland erfüllen: Amtssprache Englisch und ein gutes Gesundheitssystem. Da ist die Auswahl plötzlich übersichtlich. Kanada schien perfekt. Zumindest bis zur Geburt unserer Kleinen. Danach nicht mehr. Ein viel zu langer Flug, auf dem wer weiß was passieren könnte. Wohin im Urlaub mit Baby? Vielleicht nach England? Ja, los! Die Planung unserer Reise war in vollem Gange, doch es zeigte sich schnell, dass wir mit Buchen einfach zu spät dran waren. Eine Unterkunft auf den Silly-Inseln etwa muss aufgrund der hohen Nachfrage ein Jahr im Voraus gebucht werden. Naja, Bedenken hatten wir ja ohnehin und Entschlussfreude konnte man uns in jenen Tagen sicher nicht attestieren. Es wurde also nichts mit England.
EIN UNERWARTETES REISEZIEL
Und wo waren wir nun? Im Spreewald. Ja, die erste Reise mit Baby war kein monatelanger Aufenthalt im Südpazifik, sondern eine Woche in der Lausitz. Urlaub mit Baby in Deutschland. Ich war enttäuscht. Und zwar von mir selbst. Noch während der Schwangerschaft hatte ich von mir das Bild der coolen Mama entworfen, die mit ihrem Baby die Welt erkundet, mit ihrem Kleinen in der Trage mit leichtem Fuß und ebenso leichtem Herzen durch Nebelwälder wandert, Berge erklimmt und Furten überquert. Hat nicht geklappt. Ich bin keine coole Mama, ich bin eine ausgesprochen ängstliche Mutter. Spreewald. Und dieser erste Urlaub mit Baby war für mich sicher kein Urlaub. Es war alles andere als erholsam. Ich war froh, als wir endlich wieder zu Hause waren in gewohnter Umgebung.
EINE FRAGE DES ZEITPUNKTS?
Genau das war eigentlich der springende Punkt. Gewohnheiten. Ja, das klingt äußerst verkrampft. Aber frischgebackene Eltern müssen sich unserer Erfahrung nach erstmal an das Elternsein gewöhnen. Oder besser gesagt, man muss erstmal in den neuen Alltag finden, Strukturen entwickeln, einen festen Rahmen, innerhalb dessen man sich gut bewegen und dann eben auch Neues ausprobieren kann. Für mich hat dieser Prozess etwa sechs Monate gedauert. Davor fiel es mir schon schwer, pünktlich zu Terminen zu kommen.
Ich hielt mich bislang für einen echten Reise-Profi. Aber egal, wie viele Länder ich auf unterschiedliche Arten bereist habe, wie viele Kulturen ich auch kennenlernen durfte – ein Urlaub mit Baby ist einfach eine ganz andere Liga. Und mir scheint es, als würden mir all meine Erfahrungen hier nicht weiterhelfen.
Inzwischen haben wir zwei (kleine) Reisen mit Baby gemacht, die allerdings völlig unterschiedlich verliefen. Bei unserem ersten Familienurlaub war unsere Kleine gerade mal drei Monate alt. Ein ideales Alter für Babys erste Reise. (Warum? Die Antwort gibt es hier: Reisen mit Baby.) Allerdings war ich nicht bereit dafür, die Sicherheit der gewohnten Umgebung zu verlassen. Beim zweiten Familienurlaub war das winzige Mädchen dann schon neun Monate alt. Nun war ich bei Weitem nicht mehr so ängstlich und fühlte mich bereit für kleine Abenteuer (freilich in wesentlich geringerem Maßstab, als ich es mir während der Schwangerschaft vorgestellt hatte). Aber dafür hatte ich ein Baby, das bereits krabbeln und sich hochziehen konnte, nach allem, was auch nur annähernd in Reichweite war, zu greifen versuchte und natürlich seine Umgebung auch viel genauer wahrnahm und wesentlich mehr mitkriegte. War bei der ersten Reise meine Ängstlichkeit die Herausforderung, war es ein halbes Jahr später die enorme Agilität meines Babys.
Den idealen Zeitpunkt für den ersten Urlaub mit Baby zu finden, ist also sehr individuell und abhängig davon, wie gelassen ihr seid.
ES GEHT LOS: DER ERSTE URLAUB MIT BABY
Für den Spreewald sprachen die geringe Entfernung zu unserem Wohnort mit einer Fahrtdauer von unter 90 Minuten und die Möglichkeit, aufgrund dieser geringen Distanz ohne geplante Pausen mit dem eigenen Auto anreisen zu können. (Warum das für eine Fahrt mit Baby so wichtig ist, lest ihr hier: Reisen mit Baby – im Auto?) Unmittelbar vor und nach der Fahrt habe ich unsere Kleine gestillt und während der Fahrt saß ich hinten neben ihr. Beim kleinsten Anzeichen eines Problems hätte ich meinem Mann sofort Bescheid geben können, damit er anhält. Glücklicherweise verliefen Hin- und Rückfahrt reibungslos.
Ein weiterer Vorteil des eigenen Autos lag darin, dass ich alles mitnehmen konnte. Und damit meine ich wirklich alles. Naja, fast zumindest – aber dazu später. Ich habe die gesamte Kleidung, die unserer Tochter zu diesem Zeitpunkt gepasst hat, eingepackt. Natürlich haben wir für die Woche nicht alles benötigt. Außerdem viel zu viele Windeln und noch mehr Feuchttücher, weitere Wickelutensilien, die gesamte Hausapotheke, Krabbeldecke, Kuscheldecke, Nestchen – sogar den Kinderwagen, den ich vorher und nachher so gut wie nicht verwendet habe. Natürlich hatte ich eine Babytrage dabei. Aber leider eben nur eine. Ich besitze fünf und habe aus irgendwelchen Gründen nicht daran gedacht, wenigstens zwei einzupacken. So passierte es ausgerechnet in diesem Urlaub: Eine Windelexplosion bemerkenswerten Ausmaßes zog die Babytrage in Mitleidenschaft – und meine einzige lange Hose, was aber nicht dramatisch war, da mein Mann mir eine von sich auslieh. Wir konnten die Babytrage mit Handwaschmittel reinigen und am nächsten Tag weiter verwenden, aber diese Erfahrung war überflüssig und lästig. Und wo wir dabei sind: Wechselkleidung für Mama sollte auch auf der Packliste stehen.
UNVORHERGESEHENE PROBLEME
Vor unserer Anreise hatte ich im Hotel angerufen und gefragt, ob ein Beistellbett zur Verfügung stünde. Dies bejahte die Dame am Telefon. Bei unserer Ankunft stellten wir ernüchtert fest, dass es sich nicht um ein Beistellbett, sondern um ein Reisebett handelte. Diesem Bettchen sah man an, dass es schon so einiges mitgemacht hatte. Hinzu kam, dass die Matratze weich war. Sehr weich. Um meine Tochter nachts alle zwei Stunden zum Stillen herauszuholen und wieder reinzulegen, hätte ich mich jedes Mal sehr tief hinunterbeugen müssen. Nach der Geburt hatte ich lange gebraucht, um wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen und zu diesem Zeitpunkt war ein solches Szenario undenkbar. Letztlich schlief unser Baby zwischen uns im großen Bett.
Es war Ende September, die Nächte waren angenehm kühl. Draußen. In unserem Zimmer gab es eine zentral gesteuerte Heizung, die permanent über 22 °C heizte. Unnötig zu erwähnen, dass Babys bei 16 bis 18 °C schlafen sollen. Ich hatte nur einen warmen Winterschlafsack für unsere Kleine. Der Halbsack, den wir für heiße Sommernächte verwendet hatten, war schon längst weggeräumt. Wir legten den Hotelangestellten unser Problem dar und baten darum, die Heizung auszuschalten. Aber nein, da könne man nichts tun. Das Fenster permanent offen lassen wollten wir auch nicht, da das Hotel doch etwas abgeschieden und unser Zimmer im Erdgeschoss war. So verbrachten mein Mann und ich die Nächte wachend und stets überprüfend, ob unser Baby noch atmet.
Ich hatte immer wieder überlegt, den Urlaub abzubrechen, weil das Stresslevel so hoch war. Irgendwie haben wir es durchgezogen.
ENTSPANNUNG FEHLANZEIGE
Das Hotel, das mein Mann ausgesucht hatte, war ein Wellnesshotel. Das ist die Art von Kurzurlaub, die wir immer mal gern gemacht und sehr genossen haben. Massagen, Saunieren, im Pool schwimmen und im Ruhebereich entspannen – wir lieben es! Jeder von uns hatte zwei Massagen gebucht. Für mich waren diese Massagetermine die ersten Male, in denen ich getrennt von meinem Baby war. Ich konnte es kaum aushalten. Da war keine Entspannung, da war kein Genuss, da war nur die Sorge, dass meine Kleine mich brauchen könnte und ich nicht da wäre. Ich habe sie so sehr vermisst. Sobald die Masseurin fertig war und den Raum verlassen hatte, habe ich die Zeit nicht zum Nachruhen genutzt, sondern bin sofort aufgesprungen, in Schuhe und Bademantel geschlüpft und zurück zum Zimmer geeilt, um das winzige Mädchen in meine Arme zu schließen.
FAZIT
Die Diskrepanz zwischen den Erwartungen, die man in der Schwangerschaft entwickelt und der Realität, die man als Mutter erlebt, kann bemerkenswert groß sein.
Urlaub mit Baby in Deutschland klingt zwar langweilig, ist aber für ängstliche Eltern eine gute Einstiegsvariante in das Metier Reisen mit Baby.
Es ist durchaus möglich, einen Urlaub mit Baby in einem Hotel zu machen, das nicht auf die Kleinsten unserer Gesellschaft eingestellt ist. Ihr müsst nicht in eines der speziellen Familienhotels fahren, wenn diese nicht euren Vorstellungen entsprechen. Ich habe erst vor Kurzem erfahren, dass es in Deutschland Hotels, die auf Eltern und ihre Kinder spezialisiert sind, überhaupt gibt. Im Nachhinein hätte ich für den ersten Urlaub mit Baby eine solche Unterkunft gewählt. Wir hatten einfach Pech, ein Hotel zu erwischen, das nicht gerade serviceorientiert war.
Das Problem mit Beistellbett bzw. Reisebett war auch mein Verschulden, da ich gar nicht wusste, was es für unterschiedliche Arten von Babybetten gibt. Beim zweiten Urlaub habe ich mich genau erkundigt, was das Hotel tatsächlich zur Verfügung stellen kann.
Entspannung ohne Baby ist für mich keine Entspannung.
Urlaub mit Baby ist kein Urlaub. Als Mama macht man genau die gleichen Dinge, die man auch zu Hause erledigt. Es ist eben nur woanders, ohne den Komfort der gewohnten Umgebung. Naja, für Papa war es ein bisschen Urlaub. Er musste schließlich nicht kochen.
Mamas, packt nicht nur für euer Baby ein – nehmt auch für euch selbst genügend mit! Vor allem Wechselkleidung…

