Wochenbett Erfahrungen: ein ehrlicher Bericht über die erste Zeit nach der Geburt

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Wochenbett. Offiziell sind damit die ersten acht Wochen nach der Entbindung gemeint. Das Wochenbett ist ein Ausnahmezustand. Nicht nur der Körper, sondern vor allem auch die Psyche müssen nach der Geburt eines Kindes einiges verarbeiten. Deshalb ist für viele eine Auszeit so wichtig. Die ersten Tage, Wochen und Monate nach der Entbindung werden aber vermutlich ganz anders, als ihr es euch vorgestellt habt. Ich gehörte zu den Schwangeren, die von purem Babyglück auf rosaroten Wolken träumen. Ich habe mich auf mein Wochenbett gefreut. Sehr gefreut. Dann habe ich lange damit gehadert, dass es überhaupt nicht so wurde, wie ich es erwartet (und erhofft) hatte. In diesem Beitrag berichte ich von den Herausforderungen, die das Wochenbett für mich bereithielt und möchte gleichzeitig damit einen Einblick in das geben, was euch erwarten könnte. Die Betonung liegt auf „könnte“.


Mein erstes Wochenbett: alles neu

Die ersten drei Tage verbrachte ich im Krankenhaus. Das war auch wirklich gut so, denn meine physische Verfassung war – zu meiner großen Überraschung – nicht die beste.

Während der Schwangerschaft hatte ich täglich Yoga praktiziert, lange Spaziergänge unternommen, mich gesund ernährt und mehrmals die Woche an meinen Zustand angepasste Workouts gemacht. Im Kreißsaal sagte die Hebamme zu mir, mein hohes Fitness-Level habe sich bei der Geburt wirklich bezahlt gemacht. Darauf war ich ziemlich stolz. Umso schlechter konnte ich damit umgehen, dass ich plötzlich so schwach war und Hilfe benötigte. In den ersten zwei Tagen im Krankenhaus schaffte ich es körperlich nicht einmal, die fünf Schritte von meinem Bett zum Bad allein zu bewältigen. Mein Mann musste mich jedes Mal stützen.

Ich hatte angenommen, dass nach meiner einfachen, gänzlich komplikationslosen Schwangerschaft nun auch Geburt und Wochenbett leicht werden würden. Dem war nicht so.


Psychische Veränderungen im Wochenbett: Emotionen im Ausnahmezustand

Sehr schnell wurde mir klar, dass ich nicht nur mein Baby zur Welt gebracht hatte. Ich habe gleichzeitig mit meinem Kind auch Liebe, Angst und Glück geboren. Ich glaubte zuvor, diese Emotionen schon erlebt zu haben – doch eine solche Liebe hatte ich noch nie gefühlt. Die Liebe zum eigenen Kind ist so intensiv, allumfassend, ausfüllend und bedingungslos, dass sie mit nichts zu vergleichen ist.

Ebenso die Angst. Ich hatte eine wahnsinnige Angst um mein Neugeborenes. Stets und ständig habe ich überprüft, ob mein Baby noch atmet. Mit klopfendem Herzen habe ich 10.000 Mal kontrolliert, ob sich ihre Brust hebt und senkt. Stundenlang verbrachte ich nur damit, ihrem Atem zu lauschen.

Dann hatte ich Angst, mein winziges Baby zu verletzen. Wenn ich sie anfasste, war ich äußerst behutsam. Eine Kinderkrankenschwester auf der Wochenstation lachte, sah mich freundlich an und sagte voller Wärme: “Ihr Baby ist viel stärker, als Sie glauben. Denken Sie doch nur, welchen Weg es genommen hat bei der Geburt!” Dieser Satz war ganz wichtig für mich und ich dachte im Lauf der nächsten Wochen immer wieder daran zurück.

Trotzdem war die Sorge, ich könne meinem Baby wehtun, in den ersten Wochen sehr hinderlich beim Stillen, Wickeln und Ankleiden.

Einen großen Teil der Zeit im Wochenbett verbrachten wir mit dem empfohlenen nackte-Haut-Kontakt. Mein Neugeborenes lag einfach nur auf meiner Brust. Und das war sie: die absolute Glückseligkeit – viel schöner, als ich es mir je hätte vorstellen können. Nie habe ich ein solches Glück empfunden, wie jenes, das mich nun durchströmte.


Körperliche Veränderungen nach der Geburt: Was wirklich passiert

Bauch, Bauchnabel und Linea Nigra

Mein Bauch war direkt nach der Entbindung noch recht groß. Das war mir vorher klar. Er hatte nun etwa die Größe, wie im fünften oder sechsten Schwangerschaftsmonat. Allerdings war er während der Schwangerschaft sehr fest gewesen – und jetzt war er weich. Weich und leer und irgendwie autonom. Ich fühlte mich unwohl mit diesem Bauch, der nicht mehr zu mir zu gehören und sich unabhängig von mir zu bewegen schien.

Für die Rückbildung der Gebärmutter und Entlastung des Beckenbodens sollen Wöchnerinnen sich mehrmals täglich auf den Bauch legen. In den ersten Tagen war das Drehen in die Bauchlage für mich äußerst unangenehm und ich hatte jedes Mal das Gefühl, alles in meinem Bauch würde durcheinander geschüttelt und aus mir heraus fallen.

Nach einigen Tagen hatte ich mich daran gewöhnt und nach wenigen Wochen war mein Bauch schon wieder deutlich flacher. So flach wie vorher ist er auch zwei Jahre später nicht, obgleich ich sonst sehr schlank bin. Interessanterweise ist mir das aber völlig egal. Und er sieht auch sonst irgendwie anders aus. Ich liebe es, denn er sieht deshalb so aus, weil er das erste Zuhause meines Kindes war.

Während der Schwangerschaft hatte sich mein Bauchnabel nach vorne gewölbt – ein kleiner, unbedenklicher Nabelbruch, der keinerlei Beschwerden verursachte. Im Wochenbett schmerzte der Bauchnabel plötzlich eine Zeit lang. Das ging von selbst vorüber und auch der Bruch hat sich ohne Zutun geschlossen. Mein ehemals schöner Bauchnabel allerdings sieht heute ganz anders aus, als vor der Schwangerschaft. Irgendwie alt und schrumpelig. Hübsch anzusehen ist er wahrlich nicht mehr.

Die Linea Nigra, eine dunkle Linie, die sich in der Schwangerschaft bildet und senkrecht vom Bauchnabel bis zum Schambein verläuft, ist bei mir auch zwei Jahre nach der Entbindung noch immer sichtbar. Bei manchen Frauen verschwindet sie schon nach wenigen Wochen. Ich hoffe, dass mir meine erhalten bleibt.


Alles läuft: Blut, Milch und Tränen – über Wochenfluss und körperliche Erschöpfung

Es klingt gleichzeitig ein wenig dramatisch und etwas platt, doch es ist wahr: alles läuft. Sämtliche Körperflüssigkeiten laufen unkontrolliert aus der Wöchnerin heraus: Blut, Milch und Tränen. Schweiß natürlich ebenso, wie auch – ja – Urin.

  1. Beginnen wir mit dem Wochenfluss. Nach der Geburt löst sich die Plazenta und hinterlässt an der Innenwand der Gebärmutter eine Wunde, die etwa so groß ist, wie eure beiden Handflächen. Gerade in den ersten Tagen kommen(größere Klumpen geronnenes Blut, sogenannte Koagel, aus euch heraus. Wenn ihr euch bewegt oder aufsteht, kann das Blut schwallartig fließen. Der Wochenfluss verändert sich alle paar Tage in Konsistenz, Intensität und Farbe. Es ist wichtig, dass ihr diesen durch eure Hebamme kontrollieren lasst. So lässt sich überprüfen, ob die Wunde in der Gebärmutter adäquat verheilt.

  2. Die Milch fließt – auch, wenn das Baby gerade nicht an der Brust trinkt. Ich musste die Stilleinlagen mehrmals täglich wechseln. Manchmal auch die Shirts. Deshalb hatte ich auch immer eine große Packung Einwegstilleinlagen, obgleich ich diese überhaupt nicht mag – aber mein Mann kam mit dem Waschen der wieder verwendbaren Stilleinlagen oft einfach nicht hinterher.

  3. Obwohl ich sonst nie weine, brach ich im Wochenbett immer wieder in Tränen aus. Tränen des Glücks, Tränen der Angst, Tränen der Überwältigung. Hormone sind eine Naturgewalt.

  4. In den ersten Tagen hatte ich keinerlei Gefühl dafür, ob meine Blase voll oder leer war. Meine Hebamme hatte mir schon vor der Entbindung den Hinweis gegeben, spätestens alle drei Stunden zur Toilette zu gehen – auch ohne Drang. Zweimal habe ich es vergessen und bis zu fünf Stunden verstreichen lassen. In beiden Fällen hatte ich keine Chance, den Urin zu halten.

  5. Außerdem lief mir der Schweiß in Strömen. Da ich sonst eigentlich nie schwitze, war auch das recht merkwürdig. Da ich vergleichsweise wenig Wassereinlagerungen hatte, habe ich allerdings gar nicht so viel geschwitzt, wie andere Wöchnerinnen.


Meine körperliche Erschöpfung habe ich eingangs bereits erwähnt. Alles strengte mich unglaublich an; ein paar Schritte zur Toilette zu gehen, mich zu waschen… Vielleicht war ich auch deshalb so konsequent, wie es in unserer Kultur leider viel zu selten geworden ist und blieb einfach im Bett.


Schmerzen aller Art und Probleme mit dem Beckenboden

Geburtsverletzungen

Glücklicherweise hatte ich keine Geburtsverletzungen. Viele Frauen sind allerdings davon betroffen und berichten, dass infolgedessen die Toilettengänge schmerzhaft wären und das Tragen der Wochenbinden sehr unangenehm sei.

Die Geburtsverletzungen selbst sollen binnen weniger Tage verheilen.


Milcheinschuss & Nachwehen

Noch während der Schwangerschaft bildet euer Körper das Kolostrum; die erste Milch für euer Neugeborenes. Zwei bis fünf Tage nach der Entbindung folgt der Milcheinschuss. Bei mir verlief dieser vollkommen schmerzfrei. Ich bemerkte lediglich, dass meine Brüste um einige Körbchengrößen zulegten.

Die sogenannten Nachwehen sind die Kontraktionen, die dazu führen sollen, dass die Gebärmutter auf ihre ursprüngliche Größe zurückgeht. Bei mir waren diese ein wenig unangenehm, aber nicht nennenswert.

Aber auch hier haben mir Mütter berichtet, dass sowohl Milcheinschuss als auch Nachwehen sehr schmerzhaft sein können.


Beckenboden

Innerhalb der ersten 36 Stunden nach der Entbindung hatte ich Schmerzen, die ich nicht zuordnen konnte. Erst später konnte ich dies meiner Hebamme beschreiben und sie wusste sogleich, was es war: der berühmte Beckenboden, mit dem ich mich vor meiner Schwangerschaft tatsächlich noch nie beschäftigt hatte.


Milchstau & Mastitis

Etwa vier Wochen nach der Entbindung bemerkte ich Rötungen, Verhärtungen und ein Druckgefühl an der Brust – ein Milchstau. Das kann während der gesamten Stillzeit passieren, tritt jedoch häufig gerade in den ersten Wochen und Monaten auf. Die Ursachen für einen Milchstau sind vielfältig. Wichtig ist, diesen so rasch und sorgfältig wie nur möglich zu behandeln.

Bei mir kamen zudem schnell Schüttelfrost und sehr hohes Fieber hinzu: Die Brust entzündete sich – ich hatte eine Mastitis. Das Anlegen war nun unglaublich schmerzhaft; noch viel schlimmer jedoch waren die damit einhergehenden Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen, die eine Mastitis verursacht, spielen wahrlich in ihrer eigenen Liga.

Mit einer Mastitis ist nicht zu spaßen – sucht umgehend eure Gynäkologin oder euren Gynäkologen auf. Wartet am Wochenende oder Abend nicht ab, sondern begebt euch in die Notaufnahme. Eine Mastitis muss mit Antibiotikum behandelt werden. Keine Sorge: Ihr könnt weiterhin stillen; die Medikamente sind natürlich für stillende Mamas geeignet; wenngleich die Situation natürlich für niemanden ideal ist.

Meine Mastitis war so schwer und traf mich zu einem Zeitpunkt, als mein Körper ohnehin durch die Entbindung noch geschwächt war, sodass ich eine Woche lang stationär im Krankenhaus aufgenommen werden musste. Natürlich war ich nicht allein im Krankenhaus – mein Baby war die ganze Zeit über bei mir.


Weitere Schmerzen

Manche Frauen klagen über das sogenannte Stillrheuma, wobei es sich primär um Gelenkschmerzen handelt. Glücklicherweise habe ich das gar nicht erlebt.

Eine Freundin hatte eine Notsectio. Die Kaiserschnittnarbe selbst schmerzte bei ihr auch zwei Jahre später noch, wenn Druck – etwa durch Kleidung – darauf ausgeübt wurde; so konnte sie etwa sehr lange keine Jeans tragen. Das Gewebe um die Narbe herum blieb bei ihr teilweise taub.


 
 


Haarausfall nach der Geburt – völlig normal, aber belastend

Ich hatte schon gehofft, ich würde verschont. Doch etwa vier Monate nach der Entbindung ging es auch bei mir los: Haarausfall. Der erhöhte Östrogenspiegel während der Schwangerschaft hatte dazu geführt, dass mir sehr lange kaum Haare ausgefallen sind. Schnell hatte ich mich an meine prächtige Löwenmähne gewöhnt. Doch es war nicht von Dauer. Da nun so viele Haare in einem so kurzen Zeitraum von einigen Wochen ausfielen, sah ich aus, wie eine alte Frau. Sobald die Haare nachwachsen, pegelt sich das alles wieder ein.


Tipps: Gesellschaftliche Konventionen haben keinen Platz im Wochenbett!

  1. Es heißt Wochenbett. Jede Frau sollte nach der Entbindung mehrere Wochen im, am oder um das Bett herum verbringen, um sich zu erholen – wenn sie das möchte und es ihr guttut. Einen Menschen in sich zu tragen und zu gebären, den eigenen Körper mit jemand anderem zu teilen – das ist die größte körperliche Leistung, zu der ein Mensch fähig ist.

  2. Besuch muss auf Einladung warten. Ich habe in den ersten zwei Wochen niemanden reingelassen. In den ersten sechs Monaten durfte niemand mein Baby halten (außer Hebamme und Kinderärztin). Mein Mann hat diese Entscheidungen, die meine waren, in Gänze mitgetragen. Ihr wollt keinen Besuch, wisst aber nicht, wie ihr am besten Nein sagt? Eine kleine Anleitung dazu gibt es hier.

  3. Kuscheln ist ein Wunder. Nehmt euch Zeit dafür! Es hilft beim Stillen, reguliert die Nervensysteme von Mutter und Kind, macht glücklich und ich wusste so immer, wie es meinem Baby ging.

  4. Wir müssen ehrlicher über das Wochenbett sprechen. Erfahrungen teilen, Tabus brechen, Mütter stärken. Wie habt ihr euer Wochenbett erlebt? Lasst uns gern in den Kommentaren daran teilhaben!


 

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