Wochenbett Besuch

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Gerade habt ihr euer wundervolles Baby zur Welt gebracht und seid nun im Wochenbett. Eure Hormone feiern ausschweifende Feste, zu denen ihr nicht immer eingeladen seid und ihr fühlt Emotionen so tief, intensiv und verzehrend, wie ihr es nie für möglich gehalten hättet. Und jetzt kündigt sich auch noch Besuch an. Besuch im Wochenbett? Oft genug ein heikles Thema. Erwartet ihr nur Besuch, auf den ihr euch freut, werdet ihr wohl kaum diesen Beitrag lesen. Doch auch gewünschter Besuch sollte sich an einige Regeln halten, um Stress bei euch und eurem Neugeborenen zu vermeiden.

Außerdem erhaltet ihr Tipps, wie ihr Besuch ablehnt, diplomatisch Nein sagt und euch gegen übergriffige Kommentare und ebensolches Verhalten zur Wehr setzt.

 

Besuch nach der Geburt

Die ersten Tage und Wochen nach der Geburt sind eine unglaublich besondere Phase. Ihr und euer Neugeborenes braucht jetzt ganz viel Ruhe und vor allem Zeit: zum Heilen, Erholen und Ankommen in der Welt außerhalb von Mamas schützendem Bauch.

Besuch kann in diesem vulnerablen Stadium ein massiver Stressfaktor sein – je nachdem, wer zu Besuch kommt und wie der Besuch sich benimmt.

 

Grundsätzlich gilt: Ihr allein als Mama entscheidet, wie ihr die erste Zeit nach der Geburt gestalten möchtet. Ihr entscheidet, ob ihr während des acht Wochen andauernden Wochenbetts überhaupt Besuch haben möchtet, wer wie lange kommen darf und zu welchen Bedingungen. Es ist eure Zeit. Eure Schwangerschaft, eure Entbindung, euer Neugeborenes, euer gemeinsamer Stillstart, euer Wochenbett.

 

Übrigens ist es ebenso legitim, eure vor der Entbindung gefasste Meinung zu ändern: Ihr habt allen verkündet, während der ersten drei Tage im Kranken- oder Geburtshaus auf der Wöchnerinnenstation eure Ruhe haben zu wollen – sobald ihr aber in der Situation seid, wünscht ihr euch eure eigene Mutter oder beste Freundin an eurer Seite? Ruft sie an, bestellt sie ein. Oder ihr habt bereits Besuch eingeladen, der drei Wochen nach der Geburt zu euch kommen soll, merkt aber dann, dass ihr gar nicht bereit dafür seid. Eine Einladung könnt ihr auch rückgängig machen. In jedem Fall werden jene, die euch nahe stehen und euer Wohl sowie das eures Babys im Blick haben, Verständnis für euren Sinneswandel aufbringen. Und die Meinung aller anderen sollte euch ohnehin gleich sein.

Vergesst nicht: Euer Wohl und das Wohl eures Neugeborenen werden für sehr lange Zeit dasselbe sein! Gerade in einer Stillbeziehung – aber auch unabhängig davon und darüber hinaus – lebt ihr beide in Symbiose. Geht es euch nicht gut, geht es eurem Neugeborenen nicht gut. Egoismus gibt es nicht im Wochenbett. Indem ihr euch schützt, schützt ihr gleichzeitig euer Baby. Und dieser Schutz kann erfordern, Nein zu den anderen, ihren Erwartungen und ungefragten Ratschlägen zu sagen.

Besuch im Wochenbett

Alle wollen euer Baby sehen – am liebsten während es ein Neugeborenes ist, also innerhalb der ersten 28 Lebenstage. Großeltern, Verwandte, Freund*innen. Und eigentlich ist das ja etwas sehr Schönes: Viele Menschen in eurem Umfeld haben der Geburt eures kleinen Wunders entgegengefiebert und freuen sich darauf, es nun bald kennenzulernen und auf der Welt willkommen zu heißen. Wie wundervoll ist es doch, dass eurem Baby auch von anderen Liebe und Wärme entgegengebracht wird.

Unabhängig von diesem begrüßenswerten, geradezu romantischen Grundtenor verhält es sich dann doch leider so, dass es im Wochenbett (und auch darüber hinaus) zweierlei Art von Besuch gibt: positiven und negativen.

Positiver Besuch ist von euch wirklich gewünschter Besuch, der noch darüber hinaus die emotionale Intelligenz besitzt, echte Unterstützung zu leisten – beispielsweise gesundes und nahrhaftes Essen mitzubringen, den vollen Sack aus dem Windeleimer zu entsorgen, Wäsche zusammenzulegen, euch zu sagen, wie unfassbar großartig ihr das macht und wie wunderschön euer Baby ist. Nach spätestens einer Stunde geht dieser Besuch unaufgefordert.

Negativer Besuch dagegen ist solcher, den ihr nicht unbedingt wollt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei wohl um die Großeltern eures Babys oder um andere Verwandte. Vielleicht habt ihr diesen Besuch schon ein paar Wochen hinauszögern können, nun seid ihr mehr oder weniger bereit oder wollt es einfach hinter euch bringen. Außerdem ist es die Art von Besuch, der nur ein Geschenk für euer Neugeborenes hat (gern ein völlig unpassendes, da nicht altersgerecht, nicht benötigt oder aus anderen Gründen ungeeignet) und euch nicht mal eine Kleinigkeit, wie beispielsweise Stilleinlagen, mitbringt. Dann hockt dieser Besuch drei Stunden in eurer Wohnung, will mit Heißgetränken versorgt werden und ihr habt eure liebe Mühe, ihn zum Gehen zu bewegen.


 

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Wochenbett Besuch: Der Großeltern-Konflikt

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Der Umgang mit Besuch im Wochenbett

Wochenbettbesuch – Stress vermeiden

Besuch im Wochenbett – auch, wenn dieser von euch gewünscht ist – kann schnell zu Stress führen. In dieser Phase ist eure Sensibilität erhöht, worauf ihr selbst und Außenstehende insbesondere Rücksicht nehmen solltet.

Denn Stress gilt es unbedingt zu vermeiden; dieser kann bei euch und eurem Baby auch physische Symptome auslösen. So ist gerade am Anfang, wenn die Milchproduktion sich an die Bedürfnisse eures Neugeborenen noch anpasst, die Gefahr eines stressbedingten Milchstaus besonders hoch. Ein Milchstau wiederum kann zu einer schmerzhaften Mastits führen, die mit Antibiotikum zu behandeln ist – im schlimmsten Fall stationär im Krankenhaus.

Ihr wisst, Wochenbettbesuch nervt euch nur? Dann solltet ihr diesen zum Selbstschutz ablehnen.

Wochenbettbesuch ablehnen: Grenzen setzen

Niemand hat aufgrund eines Verwandtschaftsverhältnisses oder anderer vermeintlicher Gründe „das Recht darauf“, euer Baby zu sehen oder gar zu halten, wenn ihr es nicht möchtet. Ihr seid die Mutter und ihr allein entscheidet.

 

Wobei es sinnvoll ist, diesbezüglich mit eurem Partner oder eurer Partnerin in Kommunikation zu treten und zu bleiben und ihm*ihr gegenüber eure Bedenken zu äußern. Rein emotionale Beweggründe sind in dieser besonderen Situation völlig statthaft. Beispielsweise reicht es, zu sagen: “Ich möchte das nicht. Das fühlt sich für mich falsch an. Ich fühle mich dabei nicht wohl.”

Gegenüber Außenstehenden (alle anderen Personen als euer Partner*eure Partnerin) genügt ein schlichtes “Nein”. Liefert ihr eurem Nein eine Begründung nach, öffnet ihr damit Raum für Gegenargumente und Diskussion.

Grenzen setzen & diplomatisch Nein sagen

– zu unerwünschtem Besuch sowie zu ungebetenen Ratschlägen und Meinungen:

  • “Unsere Hebamme hat empfohlen, dass Besuch noch ein wenig warten muss. Wir melden uns, sobald sich das ändert.”

  • “Ich verstehe, dass das für euch damals gut funktioniert hat. Für uns passt das nicht; wir sind gerade dabei, unseren eigenen Weg zu finden.”

  • “Nein. Wir schätzen deine Besorgnis/dein großes Interesse. Aber nein.”

  • “Danke für das Angebot. Ich komme gern zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurück.”

  • “Danke, dass du mich unterstützen möchtest. Deine Hilfe kann ich gerade wirklich gut gebrauchen. Aber statt dass du mit meinem Neugeborenen spazieren gehst, würde es mir viel mehr helfen, wenn du mir eine warme Mahlzeit vorbeibringen oder unsere Wäsche waschen könntest.”

 
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Fragt der Wochenbettbesuch danach, das Baby halten zu dürfen, ist ein klares “Nein” ausreichend. Sucht ihr nach einer diplomatischeren Variante, könntet ihr sagen: “Heute nicht, dafür bin ich noch nicht bereit. Vielleicht beim nächsten Mal.” Anstatt “nächstes Mal” könnt ihr auch “in ein paar Wochen” einsetzen. Wichtig ist, den Zeitpunkt offen zu lassen.

Ich habe es so knapp sieben Monate hinausgezögert, bis die Großeltern mein Baby das erste Mal halten durften. Als es dann soweit war, habe ich verlangt, dass sie zuvor auf der Couch Platz nahmen, weil ich besorgt war, sie könnten meine Kleine fallen lassen. Dieses erste Halten dauerte auch nur zwei Minuten; danach hat mein Mann es beendet und unser Baby selbst genommen.

Sobald ihr Eltern geworden seid, werden plötzlich ganz viele Leute eine Meinung zu eurer Elternschaft, eurem Baby und dem Drumherum haben. Und natürlich werden alle glauben, ihre Ansichten seien wichtig und gefragt. Manche Äußerungen sind vielleicht so unhöflich, dass ihr sie nicht überhören könnt oder wollt. Dafür gibt es diese Strategien:

Übergriffige Kommentare – und wie ihr damit umgeht

  1. Bittet die Person, das soeben Gesagte zu wiederholen. Damit gebt ihr eurem Gegenüber sowohl die Möglichkeit, die eigene Aussage zu reflektieren, als auch sich dafür zu entschuldigen.

  2. “Bitte sprich nicht so mit mir. Ich verdiene es, respektvoll behandelt zu werden.”

  3. “Ich werde deine Äußerung nicht mit einer Antwort würdigen.”

Vergesst nicht: Wenn euch jemand beleidigt oder respektlos behandelt, hat das nichts mit euch zu tun, sondern nur mit der Person, die sich unangemessen verhält. Es ist meist ein Spiegelbild von Unsicherheit und geringem Selbstwertgefühl.


 

Wenn ihr erst einmal verstanden habt, wie wenig die Meinungen und Äußerungen anderer mit eurem Leben zu tun haben, wird euch vielleicht auch klar, dass es eure Entscheidung ist, ob ihr euch angegriffen fühlt oder nicht. Wer sich durch die Kommentare von Außenstehenden beleidigt fühlt, ist leicht manipulierbar. Überlegt euch, wessen Meinung euch tatsächlich wichtig ist, wen ihr um Rat fragen würdet. Die Ansichten aller anderen können euch völlig gleichgültig sein.

 

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Wochenbettbesuch – Reizüberflutung beim Baby

Euer Baby benötigt sehr viel Zeit, das Verarbeiten von äußeren Reizen zu erlernen – noch als Kleinkind wird es Sinneseindrücke nicht so regulieren können, wie Erwachsene. Euer Kleines ist der Umgebung und den Stimulationen, denen ihr es aussetzt, völlig ausgeliefert.

Besuch kann leicht eine Reizüberflutung auslösen und bei eurem Neugeborenen negative Emotionen, wie Angst oder Wut, hervorrufen. Typische Ursachen sind:

  • intensive Reize, wie laute Geräusche, starke Gerüche oder helles Licht (Neugeborene mögen leicht abgedunkelte Räume)

  • Hektik in der bekannten Umgebung oder eine neue, fremde Umgebung

  • weitergereicht werden von einer Person zur nächsten

Euer Baby zeigt euch sofort, wenn es mit zu vielen Sinneseindrücken kämpfen muss. Typische Signale sind:

  • Kopf wegdrehen

  • aufgebrachtes Weinen

  • Gähnen

  • plötzliches Einschlafen

  • hektische Bewegungen mit Ärmchen und Beinchen, Ballen der Händchen zu Fäusten

Überstimulation kann für euer Baby auch aus Situationen entstehen, die für euch nicht gleich nachvollziehbar sind. Deshalb müsst ihr als Bezugsperson die Signale eures Babys beachten und darauf reagieren. Das könnt ihr tun, um euer Kleines zu beruhigen:

  • Verändert die Umgebung; geht in einen abgedunkelten, ruhigen Raum.

  • Reduziert visuelle Reize, wie sich bewegende Objekte oder Personen, aber auch Spielzeug.

  • Sprecht oder singt leise und sanft.

  • Haltet euer Baby im Arm und versucht, ob leichtes hin und her wiegen eine positive Wirkung zeigt.

Um eine Reizüberflutung bei eurem Baby zu vermeiden, solltet ihr Regeln für den Besuch im Wochenbett und auch darüber hinaus aufstellen.

BESUCHSREGELN WOCHENBETT

Besuchsregeln Wochenbett

Irgendwann (spätestens nach den acht Wochen Schonfrist) wird es soweit sein, dass auch Menschen, bei denen es euch vielleicht nicht so angenehm ist, zu Besuch kommen oder Kontakt mit eurem Baby haben. Aber egal, wer kommt oder wohin ihr mit Baby geht: Dafür könnt und solltet ihr Regeln aufstellen, die letztlich auch dem Schutz vor Infektionen dienen:

  • nicht unangemeldet vorbeikommen

  • nur kommen, wenn keine Symptome ansteckender Krankheiten vorliegen

  • kein Parfum auftragen (Babys sind äußerst geruchsempfindlich)

  • nach Betreten der Wohnung zuerst Hände waschen

  • Baby nicht im Gesicht berühren

  • Baby nicht küssen

  • Baby nicht hochnehmen

  • nicht ungefragt bzw. ohne Erlaubnis fotografieren (Weist auch darauf hin, dass eine Fotoerlaubnis dennoch das Teilen von Bildern in Social Media ausschließt. Die Gründe und Gefahren lest ihr hier.)

  • Dauer des Besuchs im Vorfeld bestimmen (30 Minuten sind zunächst sinnvoll; sofern es für euch in Ordnung ist, könnt ihr den Besuch einladen, länger zu bleiben.)

  • sinnvolle Gastgeschenke (keine Kuscheltiere, sondern eine vorgekochte Mahlzeit, frisches Obst, Stilltee, Windeln, Babyöl – oder was auch immer ihr gerade benötigt)

 



Tipps gegen übergriffiges Verhalten

Ihr bekommt Besuch im Wochenbett und wollt den zutiefst privaten Raum des eigentlichen Wochenbettes, eures Schlafzimmers, geschützt halten? Empfangt den Besuch im Wohnzimmer. So vermeidet ihr prüfende Blicke und fremde Gerüche an dem Ort, wo ihr euch die meiste Zeit mit eurem Baby aufhaltet. Außerdem eliminiert ihr die Gefahr, dass sich jemand mit seiner Bushose auf euer Bett setzt oder gar einfach euer Baby aus seinem Bettchen reißt.

Ihr wollt euer Kleines nicht herumreichen wie einen Wanderpokal? Nehmt es in die Babytrage oder ins Tuch und lasst es dort. Egal, ob im Wochenbett oder danach, ob zu Hause oder unterwegs. Das schönste und weichste Tragetuch – wunderbar auch für den nackte-Haut-Kontakt in den ersten Wochen – ist übrigens dieses hier von Najell*.

Von mehr als einer Mama habe ich gehört, wie ihr (auch schlafendes) Baby einfach von den Großeltern aus seinem Bettchen oder Kinderwagen genommen wurde. Es passierte zu Hause genauso wie unterwegs – einmal sogar im Krankenhaus, als das Kleine noch keine 24 Stunden alt war. Jedes Mal ging es so schnell, dass die schockierte Mutter das nicht verhindern konnte. Natürlich stört das nicht jede Mama. Wenn ihr das aber nicht wollt, könnt ihr dies leicht verhindern, indem ihr euer Kleines in die Trage nehmt, solange ihr noch allein seid.

Liebe Mamas, vergesst nicht, euer Wochenbett gehört euch und eurem Baby. In diesem Beitrag ging es zwar um den eher anstrengenden Wochenbettbesuch und Besuchsregeln – aber Besuch im Wochenbett kann auch wundervoll sein!

 

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Die ersten Wochen mit Baby: Tipps fürs Wochenbett & Säuglingspflege