Reisen mit Baby: Ab wann? Wohin? Wieso? Elementare Tipps und gute Gründe

Die Elternzeit für eine längere gemeinsame Auszeit nutzen – oder einfach einen ersten gemeinsamen Familienurlaub machen: So oder so wirft Babys erste Reise eine Unmenge an Fragen und Unsicherheiten auf. Vorfreudige Aufregung weicht schnell Zweifeln. Ab wann kann man überhaupt mit Baby verreisen? Welche Destinationen kommen in Betracht? Und was spricht überhaupt dafür, eine Reise mit Baby anzutreten? Grundlegende Fragen, die einer konkreten Reiseplanung vorausgehen, werden hier beantwortet.


ELTERNZEIT IST REISEZEIT?


Viele Paare nutzen die Elternzeit für eine längere Reise. Und es scheint auch zu verlockend: raus aus dem Alltag, weg von den Erwartungen der Verwandtschaft, traute Dreisamkeit mit dem neuen Baby genießen und noch einmal Freiheit schnuppern, bevor man wieder im festen Griff von Erwerbsarbeit und später der Schule steckt.

So hatten auch mein Mann und ich bereits zu Beginn meiner Schwangerschaft geplant, in den ersten drei Monaten nach der Geburt unserer Tochter eine größere Reise zu machen. Als unsere Kleine dann da war und es an die Reiseplanung ging, sahen wir uns mit mehr Fragen und Unsicherheiten konfrontiert, als wir uns je hätten vorstellen können. Welche Destinationen kommen in Betracht? Welche Impfungen und Dokumente werden benötigt? Welche Verkehrsmittel eignen sich besonders gut? Was gehört alles ins Gepäck? Und ganz grundsätzlich: Ist sicheres Reisen mit einem so kleinen, vulnerablen Geschöpf überhaupt möglich?


REISEN MIT BABY – AB WANN?


Zunächst einmal stellten wir fest, dass es unterschiedliche Altersgrenzen oder -schwellen gibt, ab denen man mit Baby verreisen kann.

  • Fluggesellschaften nehmen Babys in der Regel schon im zarten Alter von zwei Wochen mit.

  • Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) empfiehlt Flugreisen frühestens ab einem Alter von vier bis sechs Wochen, wenn diese unbedingt erforderlich sind und auch dann erst nach Konsultation einer Kinderärztin oder eines Kinderarztes, da die kindliche Lunge zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch nicht gänzlich entwickelt ist. Grundsätzlich sollten aber auch gesunde Babys unter drei Monaten gar nicht fliegen, um keine unnötigen Risiken einzugehen.

  • Je nach Reisedestination (und Risikobereitschaft der Eltern) kommt unserer Erfahrung nach aber noch ein anderer Faktor hinzu: der Impfstatus. In den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt waren wir gefühlt ständig bei der Kinderärztin, um die empfohlenen Grundimmunisierungen durchführen zu lassen. In der Regel sind alle Impfungen für Babys nach vier bis fünf Monaten abgeschlossen. Allerdings kann dieser Plan nicht immer eingehalten werden, etwa wenn Infekte, Fieber oder andere unvorhersehbare Ereignisse auftreten. Unsere Tochter war erst mit sechs Monaten vollständig geimpft. Deshalb sind wir vorher nur innerhalb Deutschlands verreist, da uns das zu heikel war.

Als wenig risikofreudige Mutter hat sich für mich die Altersschwelle unserer Tochter für eine internationale Flugreise deshalb immer weiter nach oben geschoben.


REISEN MIT BABY – DER BESTE ZEITPUNKT


Aus meiner Erfahrung kann ich heute sagen, dass der beste Reisezeitpunkt zwischen dem vollendeten dritten und fünften Lebensmonat liegt. Warum? Im Alter von drei Monaten haben Babys sich an das Leben außerhalb des Mutterleibs gewöhnt und akklimatisiert. Die ganz vulnerable Phase ist also vorbei. Gleichzeitig sind sie vor Vollendung des fünften Lebensmonats noch so wenig agil, dass das Reisen relativ einfach ist. Die Babys haben noch lange nicht angefangen zu krabbeln und sind motorisch auch noch nicht so weit, dass sie nach allem greifen. Man kann also auch im Restaurant oder Café noch gemütlich mit Baby auf dem Schoß sitzen und selbst essen, ohne dass das Kleine dabei unablässig versucht, nach der elterlichen Gabel zu greifen oder den Tisch abzuräumen.

Eine enorme Erleichterung war außerdem, dass unsere Tochter zu diesem Zeitpunkt noch ein voll gestilltes Baby war (die WHO empfiehlt in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließliches Stillen) und wir deshalb nicht vor der Frage standen, wie bzw. wo wir Fläschchen, Brei oder andere Beikost zubereiten sollten und auch unser Gepäck dadurch nicht belastet wurde.


REISEN MIT BABY – WOHIN?


Theoretisch eignet sich jedes Reiseland weltweit als mögliche Destination für Babys erste Reise. Zu berücksichtigen sind dabei allerdings folgende Punkte:

  • Bei jeder Reise außerhalb Deutschlands (auch ins EU-Ausland) wird ein Kinderreisepass benötigt.

  • In manchen Ländern muss bei Einreise zudem der Mutterpass vorgelegt werden.

  • Für einige Auslandsreisen werden zusätzliche Impfungen erforderlich sein.

  • Die hygienischen Standards und Gesundheitssysteme weisen weltweit große Diskrepanzen auf. Es gibt Eltern, die das wesentlich gelassener sehen, als andere.

  • Nicht überall sind die gewohnten Produkte, wie etwa Babynahrung und Hygieneartikel, verfügbar. Auch hierauf reagieren Eltern unterschiedlich flexibel.

  • Interessant zu wissen: In Deutschland (und sicherlich auch andernorts) gibt es Hotels, die sich auf Eltern mit Babys und kleinen Kindern eingestellt haben. Diese finden sich leicht über den Suchbegriff “Babyhotel” bei Google oder einer anderen einschlägigen Suchmaschine. Umgekehrt gibt es Hotels, in denen Kinder unerwünscht sind und Restaurants, in denen sie keinen Zutritt haben – eine gleichermaßen absurde wie diskriminierende Realität.

  • Achtung: Reisen in Malaria-Gebiete (u. a. Kenia, Madagaskar, Brasilien, Tansania, Papua Neuginea, São Tomé und Príncipe) sollten grundsätzlich ausgeschlossen werden, da die Erkrankung bei Babys und Kleinkindern häufig einen schweren Verlauf nimmt und eine hohe Sterblichkeitsrate hat.

Egal, für welche Destination ihr euch entscheidet: Hier findet ihr eine Checkliste für die Baby-Reiseapotheke als PDF zum Ausdrucken. Eine Baby-Packliste als PDF zum Ausdrucken gibt es hier.

 
najell trage erfahrungen
 

GRÜNDE FÜR DAS REISEN MIT BABY


  1. Babys und Kleinkinder haben keine Erwartungen.

    Für eure Kleinen zählt nur eins: Sie wollen bei euch sein. Dafür machen sie alles mit. Es ist ihnen völlig egal, ob ihr gemeinsam den ganzen Tag am Strand verbringt oder Berge besteigt.

  2. Eine Reise mit Baby ist eine Lehrmeisterin.

    Reisen mit Baby und/oder Kleinkind birgt durchaus einige Herausforderungen. Unser erster Urlaub mit unserer dreimonatigen Tochter war nicht schön, nicht erholsam, nicht entspannend. Aber er war lehrreich.

    Auf Reisen mit Widrigkeiten umzugehen, flexibel sein zu müssen und unerwartete Probleme zu lösen ist etwas ganz anderes, wenn ihr dabei die Verantwortung für einen kleinen Menschen tragt, der sich ganz und gar auf euch verlässt.

    Mit Baby ist das Reisen noch vergleichsweise leicht. Mit Kleinkind wird es schon schwieriger. Jede Reise mit Baby ist eine Vorbereitung auf eine Reise mit Kleinkind. Je früher ihr anfangt, desto geübter seid ihr.

    Wenn ihr mit euren Kleinkindern viel reist, werden sie schnell lernen, mit Unbekanntem umzugehen und spätere gemeinsame Reisen werden stressfreier und harmonischer werden.

  3. Weil ihr das Reisen liebt.

    Auf einer unserer Reisen sprachen mein Mann und ich über Länder, die wir als nächstes besuchen wollen. Ich gab zu bedenken, was wir beachten müssten, damit unsere Tochter auch Freude am Urlaub habe. Er pflichtete mir zwar bei, fügte aber hinzu: “Wir machen das ja auch für uns.” Ja, es ist tatsächlich so simpel: Wir reisten mit Baby, wir reisen jetzt mit Kleinkind, weil wir das Reisen einfach lieben. Es gehört zu uns, zu unserem Leben, zu unserer Partnerschaft einfach dazu.

    Warum sollten wir damit aufhören, nur, weil wir jetzt ein Kind haben? Fraglos passen wir die Destinationen, Unterkünfte, Aktivitäten – einfach alles – an unsere Tochter an. Aber das Reisen an sich werden wir nicht aufgeben.

  4. Reisen mit Baby und/oder Kleinkind verschiebt die Grenzen des Möglichen.

    Bei jeder Reise, bei der ihr eure Komfortzone verlasst, sammelt ihr neue Erfahrungen und erlebt, dass mehr möglich ist, als ihr euch zuvor vorstellen konntet. Vielleicht bemerkt ihr, dass ihr eurem Baby mehr zutrauen könnt, als ihr dachtet – möglicherweise ist es in Ordnung, den Mittagsschlaf mal ein wenig zu verschieben. Eventuell findet ihr euren Mut – tut Dinge, die ihr zu Hause niemals wagen würdet. Mit meinem Baby habe ich im Pazifik geplantscht, obgleich im mich mit meiner Kleinen zuvor nicht ins heimische Schwimmbad getraut habe.

    Eure Welt wird größer. Auch zu Hause.

  5. Reisen mit Babys ist kostengünstig.

    Das klingt zwar geizig und egoistisch, ist aber ein nicht von der Hand zu weisender Fakt. Die Preise für Transport und Übernachtungen steigen in der Hauptsaison, in der naturgemäß auch die Schulferien liegen, rasant an.

    In den meisten Hotels, Pensionen oder Airbnbs zahlt man für Babys und Kleinkinder gar nichts oder nur einen geringen Aufpreis. Für Kinder bis zu zwei Jahren muss im Flugzeug kein eigener Sitzplatz gebucht werden – für die ganz Kleinen berechnen Fluggesellschaften in der Regel etwa 10% der Kosten eines regulären Flugtickets. Eintrittspreise für Museen, Sightseeing-Touren oder andere Aktivitäten werden für Kinder unter drei Jahren meist nicht erhoben und wenn doch, sind sie lächerlich günstig.

    In Summe ist eine Reise mit Baby oder Kleinkind in etwa so teuer wie ein Urlaub zu zweit.

 
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Reisen mit Baby – im Auto