Reisen mit Baby – im Auto
Sei es der Weg vom Geburts- oder Krankenhaus nach Hause oder ein Roadtrip mit Baby – jede Autofahrt stellt Eltern vor Herausforderungen. Eine Fahrt mit dem eigenen Auto mag auf den ersten Blick komfortabler und vielleicht sogar sicherer erscheinen, als eine Reise mit Zug, Bus oder Flugzeug. Das täuscht, denn es gibt so einiges zu beachten und eine sorgfältige Planung ist entscheidend. Hier erfahrt ihr, ab wann und wie ihr euer Baby im Auto mitnehmen könnt, wie Autofahren mit Baby sicher und entspannt ist und was ihr tun könnt, wenn das Baby schreit beim Autofahren.
AUTOFAHREN MIT BABY – AB WANN?
Babys dürfen von Geburt an im Auto transportiert werden. Allerdings sollten Autofahrten in der besonders vulnerablen Phase der ersten drei Lebensmonate nur unternommen werden, wenn sie unvermeidbar sind und so kurz wie möglich gehalten werden.
BABY IM AUTO – WIE?
Es versteht sich von selbst, dass die Kleinen immer nur in einer dafür vorgesehenen Autobabyschale mitfahren dürfen – auch, wenn die Strecke nur 500 m betragen sollte. Diese ist gemäß § 21 StVO stets so anzubringen, dass Babys bis zu einem Alter von 15 Monaten entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden. Hintergrund ist die noch nicht richtig ausgebildete Nackenmuskulatur, die bei einem möglichen Unfall so vor Fliehkräften besser geschützt ist. Der ADAC testet regelmäßig entsprechende Produkte und ist hier eine gute Informationsquelle.
SICHERES AUTOFAHREN MIT BABY
Eine Babyschale ist zwar obligatorisch für jede Autofahrt, hat aber den entscheidenden Nachteil, dass durch die halbsitzende bzw. halbliegende Position die empfindliche Wirbelsäule der Kleinsten enorm belastet wird. Auch der Atmung ist das alles andere als zuträglich. Kurzum: Bei langen Autofahrten (≥ 2 h) besteht die Gefahr irreversibler Gesundheitsschäden.
Es gibt allerdings auch spezielle Kinderwagenaufsätze, Babywannen oder -wiegen mit Gurtsystem, in denen Babys liegend im Auto transportiert werden können. Diese sind für längere Roadtrips deutlich besser geeignet.
Da Babyautoschalen Segen und Fluch zugleich sind, gilt:
Die Autofahrt sollte alle 90 Minuten für eine 60minütige Pause unterbrochen werden, in der das Baby auf einer geraden, festen Unterlage in Rücken- und Bauchlage entspannen kann.
Bei einer reinen Fahrtdauer von mehr als fünf Stunden ist eine Zwischenübernachtung zu empfehlen.
Das Baby darf nicht zu warm angezogen werden (keine Jacken oder Wollwalkanzüge), da es zum einen zu Überhitzung kommen kann und zu viel Stoff bei einem Unfall dazu führt, dass das Baby mit dem Gurt nicht richtig im Sitz gehalten werden kann. Auch hierzu informiert der ADAC ausführlich.
Sobald die Fahrt vorbei ist, muss das Baby umgehend aus der Autoschale genommen werden. Auch, wenn das Kleine eingeschlafen ist und durch das Herausnehmen höchstwahrscheinlich geweckt wird, darf es keinesfalls weiter in der Babyschale gelassen werden.
TIPPS FÜR EINE ENTSPANNTE AUTOFHART MIT BABY
Zeitmanagement
Zeitpunkt für die Abfahrt nach Möglichkeit an Babys Rhythmus ausrichten, damit das Baby idealerweise während der Fahrt schläft.
Pausen vorher planen (Park zum Picknicken, Raststätten mit Spielecken für Babys und Wasserkocher für die Eltern).
Unterhaltungsprogramm
Mobile in Babys Sichtfeld anbringen
Musik (Kinder- oder Schlaflieder)
Bücher zum Vorlesen (durch Elternteil oder Mitfahrer*in, der/die hinten neben dem Baby sitzt)
weiches Spielzeug (Verletzungsgefahr) oder Kuscheltiere
Sonnenschutz
Je jünger das Baby, desto weniger mag es helles Licht. Abhilfe schaffen Fensterblenden oder getönte Scheiben.
keine Snacks
Bei Babys, die den sechsten Lebensmonat vollendet haben und bereits Beikost bekommen, mag es verlockend sein, Snacks während der Fahrt anzubieten. Dies ist ausgesprochen gefährlich, da Babys nur in einer aufrechten Sitzposition Nahrung zu sich nehmen dürfen. In einer Babyschale kann es schnell passieren, dass sich euer Kleines verschluckt – das ist in dieser Situation lebensgefährlich, da wertvolle Zeit verloren geht, wenn ihr erst anhalten und das Baby aus der Babyschale nehmen müsst, bevor ihr helfen könnt.
Baby schreit beim Autofahren
Wenn euer Baby beim Autofahren schreit, kann dies verschiedene Ursachen haben:
Überprüft, ob es eurem Baby zu warm oder zu kalt ist. Legt dafür drei Finger in den Halsausschnitt am Nacken eures Kleinen. Ist die Babyhaut hier kalt, friert euer Kleines höchstwahrscheinlich. Ist die Haut dort warm und gar feucht, ist es eurem Baby zu warm. Auch ein gerötetes Gesichtchen deutet darauf hin, dass es eurem Baby zu heiß ist.
Hat euer Baby möglicherweise Hunger oder Durst? Wie lange liegt die letzte (Milch)Mahlzeit zurück? Bei hohen Außentemperaturen im Sommer wird euer Baby mehr Flüssigkeit benötigen und häufiger trinken wollen.
Hat es euer Baby bequem? Ist irgendwo eine Falte in der Kleidung, die unangenehm drückt?
Muss die Windel gewechselt werden?
Braucht euer Baby etwas Beruhigung oder Abwechslung? Im ersten Fall wäre Singen einen Versuch wert, im zweiten ein Mobile, das an der Babyschale befestigt werden kann, oder ein Stoffball mit Glöckchen o. ä.
Hilfe, mein Baby hasst Autofahren
Wenn objektiv betrachtet alles in Ordnung ist, euer Baby aber immer noch weint und schreit, fährt es vermutlich einfach nicht gern Auto.
Nicht alle Babys mögen Autofahren. Manche hassen es regelrecht. Und dagegen könnt ihr nichts tun – nur hoffen, dass es (wie alles andere auch) eine Phase ist.
Es gibt Babys, die weinen, wenn sie in die Autobabyschale gesetzt werden und hören wieder auf, sobald die Fahrt losgeht. Andere fahren eine Weile lang problemlos mit und beginnen nach einer bestimmten Zeit, zu weinen oder gar zu schreien.
Es kann auch sein, dass ein sehr junges Baby nichts gegen das Autofahren einzuwenden hat und mit zunehmendem Alter eine Abneigung dagegen entwickelt.
Dagegen tun könnt ihr nichts. Ihr müsst selbst abschätzen, was ihr eurem Kind zumuten könnt und was nicht. Im extremsten Fall könnt ihr so lange keine Autofahrten unternehmen, bis euer Baby (oder später Kleinkind) das Autofahren toleriert – oder bis die Abneigung soweit gesunken ist, dass es für alle Beteiligten zumutbar ist. Denn wenn euer Baby sich nicht gut fühlt und die ganze Zeit schreit, ist das purer Stress für alle, die mit im Auto sitzen. Manche Babys neigen dazu, so sehr zu weinen, dass sie sich erbrechen – fatal, wenn sie dann in einer Babyautoschale angeschnallt sind.
Während unsere Tochter so klein war, kam es häufiger vor, dass sie sich zwar problemlos in den Sitz setzen und anschnallen ließ, nach einer Weile aber anfing zu weinen und zu schreien. In diesen Fällen musste ich rasch einen Parkplatz suchen und mit meinem Baby zu Fuß nach Hause laufen. Natürlich war das in diesen Situationen vor allem mental anstrengend, aber nun mal nicht anders machbar. Unser Auto hat mein Mann dann irgendwo eingesammelt.
Trotzdem haben wir, als unsere Kleine gerade ein Jahr alt war, einen Roadtrip durch West-Kanada gemacht. Dies war möglich, da wir uns bei der Planung und Durchführung der Fahrtstrecken ganz an den Bedürfnissen unseres Kindes orientiert hatten.

