Island mit Kindern im Winter: 10 Tipps für euren Roadtrip
Eine Reise nach Island mit Kindern im Winter? In diesem Beitrag erfahrt ihr praktische Tipps für euer Familienabenteuer: von der Ankunft am Flughafen über Unterkünfte, Ausflugsziele bis hin zum Wetter. Und natürlich die Polarlichter samt Hinweisen zum Fotografieren derselben. Außerdem erfahrt ihr, welche Produkte für eure Kinder ihr in Island nicht bekommt und wie ihr eure Kleinen am besten durch das Schneegestöber transportiert.
1. FLUG NACH ISLAND: KEINE ANKUNFT IN REYKJAVÍK
Wenn ihr mit dem Flugzeug nach Island reist, werdet ihr nicht in Reykjavík landen. Der internationale Flughafen von Island befindet sich in Keflavík (KEF), etwa 50 km südwestlich von der Hauptstadt entfernt.
Reykjavík Airport (RKV) ist inländischen Flügen sowie ein paar Verbindungen nach Grönland vorbehalten.
So kommt ihr vom Flughafen nach Reykjavík:
Mietwagen: Für maximale Flexibilität fahrt ihr selbst und für maximale Sicherheit gibt es einen Kindersitz (oder mehrere, je nach Bedarf).
Taxi zu eurem Hotel in Reykjavík: Für den Transfer gibt es einen Fixpreis, aber keine Kindersitze in den Fahrzeugen!
Flybus ins Stadtzentrum: Die günstigste Option. Tickets können vorher online gekauft werden oder bei Ankunft direkt am Schalter. Für einen Aufpreis werdet ihr direkt zu eurem Hotel in Reykjavík gebracht. Personen ab 16 Jahre sind Vollzahler, Kinder von sechs bis 15 Jahren zahlen 50% des Preises und Kinder bis fünf Jahre fahren kostenfrei.
2. ÜBERNACHTEN IN REYKJAVÍK
Wollt ihr einige Tage in der sehenswerten Landeshauptstadt verbringen oder hier euer Basislager für Ausflüge und Golden-Circle-Touren aufschlagen, solltet ihr eine zentrumsnahe Unterkunft wählen. Warum? So könnt ihr fußläufig alle Restaurants, Cafés, Geschäfte sowie Treffpunkte für Touren erreichen und benötigt weder Mietwagen noch Taxi.
Vorsicht bei Buchungen mit Airbnb oder anderen Plattformen: Häufig wird angegeben, eine Unterkunft sei im Zentrum von Reykjavík oder zumindest zentrumsnahe, obgleich das nicht der Fall ist und ihr letztlich eine halbe Stunde in die Stadt fahren müsst. Um das zu vermeiden, könnt ihr vor der Buchung die Adresse der Unterkunft oder den Namen des Hotels bei Google Maps eingeben und euch den Fußweg zum Konzerthaus Harpa anzeigen lassen. Wenn die Distanz weniger als 15 Gehminuten beträgt, könnt ihr sicher sein, dass die Unterkunft tatsächlich zentral gelegen ist.
3. IHR BENÖTIGT KEINE ISLÄNDISCHEN KRONEN
In Island wird kaum Bargeld verwendet. Ihr könnt überall mit Kreditkarte oder sogar mit Apple Pay zahlen.
Bargeld könntet ihr höchstens dafür benötigen, um eurer Kellnerin oder eurem Tourguide ein Trinkgeld zu geben. Es gibt zwar das Gerücht, Isländer fühlten sich durch Trinkgeld beleidigt – das ist aber nicht mehr als ein Gerücht.
4. WINTERWETTER IN ISLAND
Im Winter ist das Wetter in Island unberechenbar. Januar und Februar sind die Monate mit den meisten Stürmen. Der erste Schnee fällt meist im Dezember. Die Temperaturen liegen etwa zwischen -3 bis +3 °C. Die gefühlte Temperatur ist durch den starken Wind allerdings deutlich niedriger. Unterschiede in den Monaten Dezember, Januar und Februar gibt es dabei kaum.
Mit der richtigen Kleidung seid ihr aber gut gewappnet und könnt Island im Winter in vollen Zügen genießen. Alles, was ihr benötigt einschließlich Packliste findet ihr hier.
5. TAGESLICHT IM WINTER IN ISLAND
Während der kürzesten Tage im Dezember und Januar gibt es nur vier Stunden Tageslicht. Sonnenaufgang ist etwa gegen 11:20 Uhr; Sonnenuntergang gegen 15:30 Uhr. Im Februar sind es schon sechseinhalb Stunden. Die Sonne geht dann gegen 10 Uhr auf und gegen 16:30 Uhr unter.
Durch die kürzeren Tage schränken euch natürlich in euren Unternehmungen ein. Ihr könnt weniger draußen machen – und das Leben in Island spielt sich auch im Winter nun mal draußen ab.
Einerseits kam uns das gelegen, da die Tage so sehr entspannt starteten. Andererseits war ausgerechnet meist dann, wenn wir am Ausflugsziel angekommen waren, schon wieder Zeit für den Mittagsschlaf unserer Kleinen. Der fand während unserer Reise deshalb meistens in der Trage statt.
Wenn ihr das Land von Reykjavík aus erkundet und Touren unternehmt, werden die Tourenanbieter am Morgen in der Dunkelheit starten, damit ihr am Ziel ankommt, wenn gerade die Sonne aufgeht.
Für Selbstfahrer ist dieses Vorgehen nur dann empfehlenswert, wenn ihr geübt darin seid, bei widrigen Straßenbedingungen unterwegs zu sein. Ihr müsst jederzeit mit Schnee, Eis und kräftigen Windböen auf den Straßen rechnen – wenn es dazu noch dunkel ist, macht es das nicht gerade einfacher.
6. GESPERRTE ODER UNPASSIERBARE STRASSEN
Aufgrund des Wetters kommt es regelmäßig zu kurzfristigen Straßensperrungen. Diese können ein paar Stunden oder mehrere Tage anhalten. Auch die vielbefahrene Ring Road, Route 1, im Süden des Landes ist davon betroffen.
Manchmal sind es nicht gesperrte Straßen, die dazu führen, dass die Reisenden ihren Rückflug verpassen, sondern aufgrund heftigen Schneefalls und/oder von Schneeverwehungen unpassierbar gewordene Straßen.
Deshalb solltet ihr zwei bis drei Tage vor dem Ende eurer Reise zurück in Reykjavík bzw. in der Nähe des Flughafens sein.
Bevor ihr euch selbst hinter das Steuer setzt, solltet ihr jeden Tag diese Website konsultieren: https://safetravel.is/.
7. AKTIVITÄTEN IM WINTER IN ISLAND MIT KINDERN
Die Ring Road komplett zu fahren ist aufgrund des Wetters nicht empfehlenswert. Es kann durchaus sein, dass Straßen so lange gesperrt sind, dass ihr die Route nicht schafft und irgendwo festsitzt.
Reykjavík
Entdeckt bei einem Bummel durch die pittoreske Stadt beeindruckende Street Art.
Besucht das Schwimmbad Laugardalslaug mit ****"Hot Pots" mit Wassertemperaturen von 38 bis 44 °C, Eisbecken, Wasserrutsche, Kinderbecken und großem Becken für Schwimmer. Es gibt einen Innenbereich und beheizten Außenbereich.
Geht ins Maritime Museum im alten Hafen. Ihr könnt an Bord eines alten Schiffes gehen oder die Kinderbereiche erkunden.
Vom alten Hafen aus starten viele Walbeobachtungstouren. Der Winter ist allerdings nicht die ideale Zeit für Whale Watching, da viele der imposanten Meeressäuger in wärmere Gewässer weitergezogen sind. Ein paar Walarten werdet ihr sehen; im Sommer ist eine diese Aktivität allerdings wesentlich spannender.
Golden Circle
Die Sehenswürdigkeiten des Golden Circle sind von Reykjavík aus gut erreichbar und bieten alles, wofür Island berühmt ist: einen Wasserfall, einen aktiven Geysir und den Kontinentalgraben im Þingvellir National Park.
Secret Lagoon
Baden in heißen Quellen gehört zu einer Reise nach Island einfach dazu. Die Secret Lagoon in Flúðir, bei Einheimischen als Gamla Laugin (altes Schwimmbad) bekannt, ist dafür ideal. Das Thermalbad ist preislich deutlich erschwinglicher als die berühmte Blue Lagoon und – zumindest im Winter – nicht so überlaufen.
South Coast
Wenn ihr etwas mehr Zeit in Island habt, lohnt sich ein Ausflug an die Südküste. Spektakuläre Wasserfälle, wie Seljalandsfoss und Skógafoss warten hier. Malerisch ist der kleine Küstenort Vík mit seinem fantastischen schwarzen Sandstrand. Ein attraktives Einkaufszentrum gibt es auch.
Besonderer Ausflugstipp: In Vík könnt ihr zu jeder Jahreszeit eine geführte Reittour am Strand entlang machen. Erfahrung im Reiten benötigt ihr nicht, allerdings müssen eure Kinder mindestens 10 Jahre alt sein.
Einen ausführlichen Reiseführer für Island mit Kindern (einschließlich Mindestalter für Aktivitäten und Touren) findet ihr hier.
8. NORDLICHTER IN ISLAND
Im Winter in Island habt ihr die Chance, die Aurora borealis über den Himmel tanzen zu sehen. Natürlich nur dann, wenn es nicht bewölkt ist. Die Polarlichter kommen oft erst spät in der Nacht, wenn kleine Kinder längst im Bett liegen. Überlegt euch also im Vorfeld gut, ob eure Kinder schon groß genug sind, um das Phänomen zu verstehen und es sich lohnt, sie zu wecken.
Eine Vorhersage zum Auftreten der Nordlichter findet ihr auf en.vedur.is.
Um die Polarlichter zu fotografieren, empfiehlt sich ein Stativ. Aktiviert den Nachtmodus in eurem Smartphone und stellt die Belichtungszeit auf die maximale Einstellung. Der Belichtungswert sollte im negativen Bereich sein (versucht es mit -0,7). Bringt eine Powerbank mit – aufgrund der Kälte halten die Akkus noch kürzer, als sie es im Alltag in gemäßigteren Klimazonen ohnehin schon tun.
9. WINDELN & BABYPRODUKTE
In Island ist die Dichte an Geschäften bei Weitem nicht so groß und das Angebot nicht so breit, wie in anderen Ländern Europas oder in Nordamerika. Geht davon aus, dass es eure bevorzugte Windelmarke nicht überall geben wird. Auch dann nicht, wenn es sich um Einwegwindeln eines weltbekannten amerikanischen Herstellers handelt.
Windeln mitbringen? Sie nehmen immerhin viel Platz im Koffer weg. Seid ihr bei der Markenwahl unflexibel, ist das allerdings die sicherste Lösung.
Kauft ihr Windeln in Island, solltet ihr unbedingt auf die Größe bzw. die Gewichtsangabe achten! Bei unserer Standard-Marke trug unsere Tochter Größe 4 (9-14 kg). In Island wäre die Größe 4 der Marke, für die wir uns entschieden hatten, auf 7-11 kg Körpergewicht ausgelegt gewesen. Wir kauften deshalb Größe 5 (10-14 kg).
Das Angebot an Windeln war äußerst überschaubar. Was wir in Island nicht erwartet hätten, nämlich Produkte der Bio-Marke Holle für Babys und Kleinkinder, gab es dafür in Hülle und Fülle.
Aber wie gesagt: Nicht alle Produkte gibt es überall. Zwischen verschiedenen Herstellern werdet ihr nur im Ballungsraum Reykjavík wählen können. Schon an der Südküste in Vík müsst ihr nehmen, was verfügbar ist. Je weiter ihr nach Osten (oder Norden) kommt, desto schmaler wird das Sortiment.
Deshalb solltet ihr Produkte, auf die ihr festgelegt seid, mitnehmen: Windeln, Babybrei, Snacks, Tee, PRE-Milch – was auch immer ihr für eure Kleinen benötigt.
Meine Empfehlung: Überprüft vor Reiseantritt, wo sich welche Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe eurer Unterkünfte befinden. Auch auf der Ring Road im Süden kann es sein, dass ihr 150 km bis zum nächsten Supermarkt fahren müsst. Supermarkt-Ketten, die mehrere Filialen im ganzen Land haben, sind Bónus und Krónan.
10. BABYS UND/ODER KLEINKINDER SICHER TRANSPORTIEREN
Während unserer dreiwöchigen Reise durch Island im Winter habe ich einen einzigen Kinderwagen gesehen. Als ich diesen entdeckte, war ich eher überrascht: Mit Kinderwagen oder Buggy kommt man in Island im Winter nämlich nicht weit. Selbst im Zentrum von Reykjavík gibt es Fußwege, die aufgrund des Schnees mit Kinderwagen schwer passierbar sind.
Mit Babys ist es leicht: einfach in die Babytrage oder ins Tuch, Tragejacke drüber und eure Kleinen haben es warm und gemütlich und sind außerdem bestens vor dem Wind geschützt.
Mit Kleinkindern wird es dann schon schwieriger: Solange Gewicht und Größe eures Kindes es noch zulassen, ist die Babytrage auch hier eine ausgezeichnete Option – gerade bei Wanderungen oder auf vereisten Wegen zu Wasserfällen (tragt unbedingt Crampons, um nicht zu rutschen!).
Ist euer Kleinkind etwas älter und läuft selbst viel und sicher, ist eine Kleinkindtrage eine gute Option. Sie ermöglicht euch, euer Kleines schnell mal hochzunehmen, bequem zu tragen und dann auch wieder unkompliziert abzusetzen.
Je nach Situation habe ich beide Möglichkeiten genutzt. Neben Babytrage und Kleinkindtrage hatte ich allerdings auch noch eine Kraxe (Kindertrage) dabei. Ich habe sie kein einziges Mal verwendet. In der Kraxe wäre meine kleine Tochter dem starken Wind viel zu ausgesetzt gewesen. Selbst in der Kleinkindtrage hatte sie immer noch die Möglichkeit, ihr Gesichtchen an meiner Schulter zu verstecken und ich konnte sie zusätzlich mit meiner Hand gut abdecken, wenn mal einige kräftige Böen kamen.


Destination, Budget und Komfort – Kriterien für die Reiseplanung mit Kind.