Wochenbett vorbereiten: Die ultimative Checkliste für eine entspannte erste Zeit nach der Geburt
Wochenbett: die ersten Tage und Wochen mit eurem Baby. Das Wochenbett gut vorzubereiten wird euch vieles erleichtern, wenn ihr mit eurem Neugeborenen nach Hause kommt und Stress reduzieren. Als Schwangere werdet ihr euch vermutlich sehr auf das Wochenbett freuen – und natürlich ist das eine wunderbare, magische Zeit. Dennoch solltet ihr es im Vorfeld nicht zu sehr romantisieren. Das Wochenbett ist häufig ganz anders, als junge Mütter es erwartet oder sich gewünscht haben. Den ganzen Tag mit Baby im Bett kuscheln? Unbedingt! Aber es wird vermutlich trotzdem anstrengend. Ihr erholt euch von der größtmöglichen körperlichen Leistung. Ihr werdet Emotionen in einer Intensität empfinden, wie ihr es euch nicht ansatzweise vorstellen könnt. Und dann gibt es da noch die Hormone. Irgendetwas Unvorhergesehenes wird passieren – das ist in Ordnung; ihr könnt euch nicht für alles wappnen. Deshalb ist es umso wichtiger, das zu planen, was planbar ist. Es wird in jedem Fall intensiv.
Wochenbett: Bedeutung für Mutter und Kind
Das Wochenbett beschreibt die ersten acht Wochen unmittelbar nach der Entbindung. So lange besteht im Regelfall in Deutschland auch der Mutterschutz, wobei dieser unter bestimmten Bedingungen auch länger gehen kann. Die ersten zehn Tage nach der Geburt werden als Frühwochenbett bezeichnet und gelten als besonders sensibel.
Das Wochenbett ist gleichermaßen bedeutend für Mutter und Baby. In dieser Phase beginnt der Bindungsaufbau zwischen Eltern und Kind und die Mutter soll sich von den physischen Strapazen der Entbindung erholen, diese seelisch verarbeiten und ihrem Körper Zeit zum Heilen geben. Nach der Geburt hat die Plazenta eine entsprechend große Wunde in der Gebärmutterwand hinterlassen. Dadurch entsteht der Wochenfluss, der etwa vier bis sechs Wochen lang anhält. Zudem sind Geburtsverletzungen verschiedener Grade keine Seltenheit. Eventuell muss die Narbe einer Sectio abheilen.
Viele scheinen zu vergessen, dass die Geburt eines Kindes eine körperliche Höchstleistung ist, die ihresgleichen sucht. Die Regeneration davon dauert nun mal in der Regel mindestens acht Wochen. Es gibt keine Abkürzung. Die Regeneration von der Schwangerschaft dauert übrigens sechs bis 12 Monate!
Das in der Gesellschaft verbreitete Bild der jungen Mama, die ein paar Tage nach der Geburt den neuen Baby-Alltag ohne Hilfe von Familie und Freund*innen spielend meistert, morgens mit ihrem Neugeborenen auf dem Arm ins Fitness-Studio geht und nachmittags mit Skinny Jeans im Café sitzt, ist nicht nur falsch, da wider der Natur, sondern fatal und gesundheitsgefährdend.
Frauen, die diesem Bild nicht entsprechen, fragen sich, warum es alle anderen schaffen, nur sie nicht.
Dazu markiert der Beginn des Wochenbetts auch den Stillstart. Der Milcheinschuss kann unangenehm bis schmerzhaft sein – kann, muss nicht! Äußerst wichtig zu wissen: Stillen ist nicht intuitiv. Mama und Baby müssen erst üben und das Stillen ist für euer Kleines noch ein echter Kraftakt. Bis eine Stillbeziehung gut eingespielt ist, dauert es nicht selten bis zu sechs Wochen. Gerade am Anfang nimmt das Stillen viel Zeit in Anspruch.
Und so ist das Wochenbett auch entscheidende Phase der Anpassung für das Neugeborene. Die Welt außerhalb von Mamas Bauch ist eurem Baby völlig fremd. Deshalb sollten Babys einen sanften, langsamen und ruhigen Start in dieses neue Leben bekommen. Die Nähe der Eltern, Wärme und Nahrung sind das wichtigste für euer Kleines. Nicht nur Stillen ist anstrengend für den winzigen Körper; auch das Verdauen ist zunächst alles andere als leicht.
Zeit, um sich an alles zu gewöhnen, Ruhe und Nähe sind die größten Geschenke, die ihr eurem Baby machen könnt. Besonders empfehlenswert (und einfach wunderschön) ist nackter Haut-auf-Haut-Körperkontakt. So gebt ihr eurem Neugeborenen unendlich viel Geborgenheit und Halt.
Schützt euer Kleines vor zu vielen neuen Sinneseindrücken. Vermeidet viel Besuch oder längere unnötige Ausflüge. Auch schlafende Babys können eine Reizüberflutung bekommen und verarbeiten diese dann zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sie wieder wach sind.
All das gilt für Frauen, die ohne größere Komplikationen entbunden haben. Verlief die Geburt ganz anders als geplant oder erhofft, benötigt häufig nicht nur die physische Erholung, sondern vor allem die psychische Verarbeitung der Entbindung deutlich mehr Zeit. Das gilt natürlich umso mehr, wenn das Baby zu früh zur Welt kam oder aus anderen Gründen medizinischer Versorgung bedurfte.
Wochenbett vorbereiten
Wochenbett Einkaufsliste
Babyerstausstattung: von Windeln über Bodys und Söckchen bis zur Babytrage – eine Liste mit allem, was ihr wirklich für euer Neugeborenes benötigt, findet ihr hier.
Wochenbetteinlagen für den Wochenfluss: In den ersten zehn Tagen benötigt ihr dicke Binden, danach reichen dünnere Slipeinlagen.
Stilleinlagen: Es gibt sehr komfortable Wolle-Seide-Stilleinlagen, die wiederverwendet werden können. Für die ersten Wochen solltet ihr dennoch zusätzlich ein großes Paket Einmal-Stilleinlagen besorgen, da die Milch am Anfang unkontrolliert fließt und ihr mit dem Waschen der Stoff-Einlagen eventuell nicht hinterherkommt.
Stillkissen: Achtet darauf, dass die Füllung sehr fest ist, damit euer Baby nicht darin einsinkt, wenn ihr es darauf legt – sonst bringt das ganze Kissen nichts.
Mittel gegen wunde Brustwarzen: Brustwarzensalbe, Lanolin-Salbe, Fettwolle, Silberhütchen – gut geeignet ist übrigens auch die eigene Muttermilch, da sie entzündungshemmend wirkt. Besorgt im Zweifel lieber zu viel, als dass in der Notsituation etwas fehlt, was euch dringend benötigte Linderung verschaffen könnte.
Stillfreundliche Oberteile für Gänge außer Haus: Zwar solltet ihr die meiste Zeit zu Hause verbringen, aber möglicherweise müsst ihr zum Kinderarzt oder zur Gynäkologin. Dafür benötigt ihr Oberteile, die ihr zum Stillen nicht ausziehen müsst. Es gibt zwar besondere Still-Kleidung; diese ist aber nicht unbedingt nötig. Weit geschnittene Shirts, Crop-Tops, Blusen mit Knopfleiste und Strickjacken sind wunderbar geeignet.
Mittel gegen Milchstau: Waschlappen oder Wärmepad (zum Erwärmen der betroffenen Stelle vor dem Stillen), Quark und Weißkohl (zum Kühlen nach dem Stillen). Gerade in den ersten 12 Wochen ist ein Milchstau keine Seltenheit. Ein solcher ist aber gut zu behandeln – allerdings müssen die Maßnahmen schnell ergriffen werden, um eine Mastitis zu verhindern.
Intimdusche: Manche Wöchnerinnen schwören darauf, da so gerade bei Geburtsverletzungen die Toilettengänge nach der Entbindung angenehmer gestaltet werden können.
Wochenbett erleichtern
1. Ruhe
Das Wochenbett ist eine absolute Ruhephase. Damit ihr gut in diese Zeit starten könnt, solltet ihr im Vorfeld alles organisieren und koordinieren, damit ihr euch dann ganz euch und eurem Neugeborenen widmen könnt.
Bereitet deshalb frühzeitig alles für euer Baby vor:
Beistellbettchen aufbauen
Wickelplatz einrichten und alles für das erste Wickeln herrichten
Babykleidung, Mullwindeln, Moltontücher, Decken, Tragesystem etc. waschen
Bereitet außerdem die lästige Bürokratie, die nach der Geburt auf euch zukommt, so weit wie möglich vor:
Beantragung der Geburtsurkunde
Anmeldung bei der Krankenkasse
Antrag auf Kindergeld
Antrag auf Elterngeld
2. Auszeit
Wochenbett ist Familienzeit. Nur ihr, euer Partner*eure Partnerin und euer Neugeborenes bzw. eure anderen Kinder. Meldet euch ab vom Rest der Welt. Schreibt in euren About-Bereich bei WhatsApp, bis wann ihr keine Nachrichten empfangen werdet – dann wartet auch niemand auf eine Antwort von euch. Deaktiviert alle App-Benachrichtigungen. Gebt eurem Umfeld Bescheid, dass ihr für ein paar Wochen erstmal untertaucht und dass ihr euch meldet, solltet ihr Hilfe oder Kontakt wünschen. Richtet gegebenenfalls eine Abwesenheitsnotiz in eurem E-Mail-Postfach ein.
Euer Partner*eure Partnerin sollte mindestens zwei Wochen Urlaub nehmen, um euch im Wochenbett zu unterstützen, den Haushalt zu übernehmen und sonst alles zu erledigen, was ansteht und keinen Aufschub duldet. Gerade im Frühwochenbett solltet ihr wirklich mit eurem Neugeborenen im Bett bleiben und euch die dringend benötigte Zeit zum Erholen und Ankommen zugestehen.
3. Ernährung
Tatsächlich muss es gesagt werden: Vergesst nicht, selbst zu essen! Viele Mamas denken nur an ihr Baby und vernachlässigen darüber die eigenen Grundbedürfnisse. Damit tut ihr euch und auch eurem Neugeborenen keinen Gefallen!
Ernährung ist im Wochenbett ausgesprochen wichtig. Euer Körper muss sich nicht nur von der Geburt eures Babys erholen und heilen, sondern auch Milch produzieren. Dafür wird viel Energie benötigt – und Stillen macht hungrig. Ihr selbst oder der Papa werdet aber kaum die Zeit oder die Kraft haben, täglich frisch zu kochen. Organisiert eure Versorgung deshalb im Vorfeld gut:
Essen vorkochen und einfrieren (z. B. Suppen und Eintöpfe)
Wochenbett-Essen bestellen (z. B. bei Mother’s Finest)
Snack-Vorrat anlegen: Nüsse, Trockenfrüchte, Müsliriegel
warme Mahlzeiten und frisches Obst bei Familie und Freund*innen bestellen
4. Unterstützung
Koordiniert gegebenenfalls jetzt schon Hilfe im Wochenbett. Plant gemeinsam mit Familie und Freund*innen, wer euch wann und wie helfen kann: warme Mahlzeiten vorbeibringen, einkaufen gehen, Wäsche waschen, Bad putzen, Pflanzen gießen etc. Gebt alles ab, was ihr abgeben könnt und wollt.
Baut euch ein Netzwerk auf. Wer kann euch nicht nur im Wochenbett, sondern auch darüber hinaus unterstützen? Die eigene Familie ist nicht vorhanden, nicht in der Nähe oder schlichtweg ungeeignet? Es gibt viele Anlaufstellen für Schwangere und junge Mütter, wo ihr verlässliche Informationen, praktische Unterstützung, mentalen Zuspruch und Austausch mit anderen findet. Manche dieser Kontakte werden nur kurzfristig sein, andere werden zu langfristigen Bekanntschaften oder gar Freundschaften wachsen. Man muss sie nur kennen und nutzen:
Stillberaterinnen
Trageberaterinnen
Familienpatinnen
Mütterpflegerinnen
Elterntreffs
Babykurse: Baby-Erste-Hilfe, Säuglingspflege, Babymassage, Babyschwimmen (eigentlich Wassergewöhnung für Säuglinge), FenKid, Delfi, PEKIP, etc.
Rückbildungskurse (bezahlt von der Krankenkasse)
Sportkurse für Mütter mit Baby (Fit Dank Baby, Lauf Mama Lauf, Yoga mit Baby)
Alle wollen das Baby sehen oder etwas mit dem Baby machen. Das wollen die wenigsten Mamas – und es hilft ihnen auch nicht. Echte Hilfe fängt dort an, die Mutter danach zu fragen, was sie braucht (oder den Vater, der die Verantwortung für den Haushalt nun allein trägt und die Unterstützung koordiniert). Und nicht als Gegenleistung zu verlangen, das Baby zu sehen.
Ihr wünscht euch Besuch im Wochenbett? Zu diesem Thema gibt es einen gesonderten Beitrag. Wer eine Mutter und ihr Baby im Wochenbett besuchen möchte, sollte keinesfalls mit leeren Händen kommen, sondern mit helfenden Händen. Was damit gemeint ist? Praktische Unterstützung. Es ist sehr sinnvoll, im Vorfeld eine Aufgabenliste für euren Wochenbettbesuch zu erstellen. Hier sind ein paar Beispiele:
Einen Obstkorb mitbringen.
Eine warme Mahlzeit vorbeibringen.
Eine Ladung Schmutzwäsche abholen und gewaschen, getrocknet und zusammengelegt zurückbringen.
Das Bad putzen.
Windeln vorbeibringen.
Einkaufen – von kleineren Besorgungen bis zum Wocheneinkauf.
Den Abwasch erledigen.
Müll entsorgen.
Das Wohnzimmer staubsaugen.
Pflanzen gießen.
Geschwisterkinder von Schule oder Kita abholen.
Mit dem Hund spazieren gehen.
5. Anerkennung
Schenkt euch Anerkennung! Endlich, endlich haltet ihr euer Baby im Arm, auf dessen Ankunft ihr so lange gewartet habt. Ganz gleich, wie schön die Schwangerschaft auch gewesen sein mag: Irgendwann will man nicht mehr. Irgendwann will man nur noch sein Baby im Arm halten und nicht mehr über den eigenen wohlgerundeten Bauch streicheln, die Bewegungen wahrnehmen und auf das CTG starren, während man dem Echo der Herztöne lauscht. Ihr habt so viel geschafft! Schwangerschaft und Geburt sind enorme Anstrengungen für Körper – und Geist. Jetzt dürft ihr euch ausruhen, stolz auf euch sein und nur noch an euch und euer Neugeborenes denken.
Anerkennung solltet ihr besonders eurem neuen Körper schenken. Ihr müsst euch nicht wunderschön finden. Aber ihr solltet das Wunder wertschätzen, das euer Körper vollbracht hat. Während euer Bauch in der Schwangerschaft allmählich gewachsen ist, ist die Veränderung durch die Entbindung nun vergleichsweise rasch geschehen. Ja, euer Bauch ist noch immer groß, dafür aber leer, sehr weich und wabert irgendwie hin und her. Das ist gewöhnungsbedürftig und bleibt natürlich nicht so. Aber es braucht eben alles Zeit.
Vergesst nicht: Die Zeit des Wochenbettes gehört euch – Mama und Baby allein!
W E I T E R E B E I T R Ä G E
Alltag mit Baby


Selbstfürsorge im Wochenbett