Babyzeichensprache Erfahrungen: So erleichtern kleine Zeichen den großen Alltag
Babyzeichensprache ermöglicht etwas scheinbar Unvorstellbares: Babys und Kleinkinder können sich verständlich machen, obwohl sie die Lautsprache noch nicht beherrschen. Die Kleinen können konkret mitteilen, was sie gerade brauchen oder wollen – etwa Milch trinken, eine Banane essen, mit einem Ball spielen oder ein Buch vorgelesen bekommen. Verstehen und verstanden werden ist für alle Menschen wichtig; auch für die Kleinsten. Und es erleichtert den Alltag von Kindern und Eltern enorm. In diesem Beitrag gebe ich eine grundlegende Einführung in Babyzeichensprache und berichte von unseren Erfahrungen. Babyzeichen sind etwas Wunderbares und bereichern unseren Alltag!
Was ist Babyzeichensprache und wie funktioniert sie?
Babyzeichensprache ist eine Ebene in der Kommunikation, die hörende Eltern mit ihren hörenden Babys nutzen, um eine frühe Verständigung zu erleichtern, noch bevor das Baby sprechen kann.
Streng genommen handelt es sich nicht um eine Sprache, da die Babyzeichensprache keine eigene Grammatik kennt, sondern lediglich die Lautsprache mit Gebärden (=Babyzeichen) begleitet wird. Die einzelnen Babyzeichen basieren jedoch auf Gebärden aus Gebärdensprache(n), die teilweise vereinfacht oder verkürzt werden, wenn sie zu schwierig oder komplex für Babys sind.
Wesentlich ist, dass es hierbei um ganzheitliche Kommunikation geht. Die Babyzeichen werden als weitere Ebene in der Kommunikation eingesetzt, neben Lautsprache, Mimik, Gestik, Körperhaltung, Bewegung, Tonfall etc.
Babyzeichen sollten alltagsorientiert und natürlich eingesetzt werden.
Warum Babyzeichensprache für Eltern und Babys sinnvoll ist
Alle Babys und Kleinkinder kommunizieren durch Gesten. Sie zeigen auf etwas, winken jemand zu oder heben beide Arme um zu signalisieren, dass sie hochgenommen werden möchten. Der Grund dafür ist, dass sich ihre Grob- und Feinmotorik entwickelt, lange vor der Sprache entwickeln. Die Kleinen nutzen Gesten von sich aus zur Überbrückung – auf diesem natürlichen Umstand baut Babyzeichensprache auf.
Das Erlernen und Anwenden von Babyzeichen ist vorteilhaft für die Sprachentwicklung, die schon lange beginnt, bevor Babys oder Kleinkinder das erste Wort sprechen können. Durch die Gebärden erhalten die Kinder einen weiteren Zugang zu Sprache – dies gilt sogar noch im Kindergartenalter und in Vorbereitung auf die Schule. Das Lernen wird nachweislich unterstützt, wenn Kinder mit den verschiedenen Ebenen von Sprache – Buchstaben, Laute und Gebärden – vertraut gemacht werden. Buchstabenfolgen, die Wörter bilden, erhalten erst dann eine Bedeutung, wenn wir sie beispielsweise mit einem Tier oder einem Gegenstand verknüpfen. Wenn ihr etwa das Wort “Hase” sagt, hat es keinerlei Bedeutung für euer Baby/Kleinkind. Zeigt ihr dann aber gleichzeitig auf einen Hasen (sei es ein echtes Tier oder das Abbild in einem Buch), wird eurem Kind die Bedeutung des Wortes klar. Wenn ihr dann noch während des Sprechens das Wort „Hase“ gebärdet, eröffnet ihr eurem Kind einen weiteren Zugang zu dem Begriff. Das Babyzeichen für Hase stellt die Ohren des Tieres dar und visualisiert somit etwas, das viel greifbarer für Kinder ist als ein gesprochenes Wort.
Der nächste Vorteil ist der Grund, warum ich mit Babyzeichensprache angefangen habe: Ihr versteht euer Kind besser. Lange bevor euer Kind sprechen kann, könnt ihr miteinander kommunizieren. Meine Kleine begann sogar, mir abends vor dem Einschlafen zu erzählen, was wir tagsüber erlebt hatten. So wisst ihr sehr früh, was euer Kind beschäftigt und euer Kleines kann sich mitteilen.
Euer Kind kann Bedürfnisse äußern. Es muss nicht schreien, wenn es einen Apfel statt einer Banane bekommt. Es kann euch mit Babyzeichen verständlich machen, dass es Wasser trinken möchte.
Das Frustrationspotenzial ist deutlich geringer als bei Babys und Kleinkindern, die sich nicht mit Babyzeichen verständlich machen können. Gerade Kleinkinder, die die Lautsprache erlernen, sind häufig frustriert, wenn sie sich noch nicht so ausdrücken können, dass sie von ihren Eltern verstanden werden. Umgekehrt verzweifeln manche Eltern, wenn sie nicht wissen, was ihre Kinder ihnen mitteilen möchten. Natürlich kann es trotz der Babyzeichensprache noch zu Missverständnissen kommen oder zu Gelegenheiten, bei denen ihr euch einfach nicht versteht. Aber diese Situationen treten wesentlich seltener auf, wenn ihr Babyzeichen konsequent nutzt.
Babyzeichensprache: Ab wann können Babys erste Zeichen lernen?
Jedes Kind ist ein absolut individuelles Wesen und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Beispielsweise beträgt die Zeitspanne, in der Babys üblicherweise anfangen zu laufen, mehr als acht Monate. Ebenso verhält es sich auch mit Babyzeichen.
Ihr könnt jederzeit beginnen, Gebärden einzuführen. Die meisten Babys fangen im Zeitraum zwischen acht und 12 Lebensmonaten mit gebärden an. Einige Babys machen schon im zarten Alter von fünf Monaten erste Gebärden, während andere erst im Kleinkindalter damit beginnen.
Demzufolge könnt ihr schon das Gespräch mit eurem Neugeborenen durch Gebärden begleiten – allerdings solltet ihr eure Erwartungen entsprechend anpassen.
Babyzeichen verstehen: So erkennt ihr die Signale eures Babys
Euer Baby wird die Gebärden oft nicht genauso ausführen, wie ihr sie vormacht – natürlich wird euer Kleines das versuchen, aber es ist unwahrscheinlich, dass es gelingt. In diesem Fall solltet ihr einfach damit fortfahren, die Gebärde immer wieder zu zeigen (wenn die authentische Alltagssituation dies ermöglicht, keine gesonderte Übungszeit).
Wenn meine Tochter “Hase” gebärdet, hält sie nicht beide Hände an ihren Kopf, sondern nur eine Hand ans Gesicht. “Spielplatz” und “Sandkasten” bestehen je aus zwei Gebärden, die zu einem Wort kombiniert werden – in beiden Fällen verwendet sie nur eine der beiden Gebärden.
Versucht nicht, die Hand- bzw. Fingerstellung eures Babys oder Kleinkinds zu korrigieren – dies würde euer Kleines möglicherweise eher entmutigen, sich mit Gebärden auszudrücken.
Es geht nicht darum, dass euer Baby die Gebärden perfekt ausführt. Es geht darum, eure Kommunikation um eine Ebene zu erweitern, damit ihr einander besser versteht.
Nicht alle Personen, die mit eurem Kind in Kontakt sind, müssen ebenfalls gebärden.Aber es ist sinnvoll, denjenigen, die Zeit mit eurem Kind verbringen, es gegebenenfalls betreuen, die wichtigsten Zeichen mitzuteilen. Andernfalls wird es dazu kommen, dass euer Kind die Babyzeichen nutzt, aber nicht verstanden wird.
Die besten Babyzeichen für den Anfang
Die, die ihr braucht (bspw. Milch, essen, mehr, fertig, schlafen, trinken, Auto fahren).
Die, die für euer Kind interessant sind. Greift das auf, womit euer Kind sich gern beschäftigt und wofür es sich interessiert (bspw. Ball, Buch, Spielplatz, Zweig, Stein, Hund). Je älter euer Kind wird, desto mehr wird es euch vorgeben, welche Gebärden ihr einführen solltet.
Euer Alltag bietet ein ausreichend großes Angebot für den Einsatz der Babyzeichensprache.
Babyzeichensprache im Alltag anwenden: Tipps für Eltern
Ich habe die Gebärden in die alltäglichen Sprechanlässe mit meinem Baby integriert, als sogenannte lautsprachbegleitende Gebärden. Das heißt, ich habe die Babyzeichen, die ich meiner Tochter beibringen wollte, simultan zu dem jeweiligen gesprochenen Wort ausgeführt.
Beispielsweise habe ich gefragt: “Möchtest du Milch trinken?” und während ich das Wort “Milch” ausgesprochen habe, habe ich gleichzeitig die Gebärde für “Milch” gemacht. Selbst dann, wenn meine Kleine die Gebärde für ein Wort längst übernommen hat, habe auch ich das Gebärden dieses Wortes fortgeführt.
Achtet darauf, euer Baby nicht zu überfordern. Führt die einzelnen Babyzeichen peu à peu ein. Maximal sollten fünf Zeichen parallel in Gebrauch genommen werden.
Lautsprache und Gebärden bilden eine Einheit. Lasst es zur Selbstverständlichkeit werden, im Gespräch die Gebärden mit einzubringen – ohne dabei die Lautsprache zu vernachlässigen.
Eine offensichtliche Herausforderung ist, dass ihr euer Kind genau beobachten müsst. Schaut hin, was euer Kleines mit ihren oder seinen Händen macht. Es ist wahrscheinlich, dass euer Kind die Gebärden nicht genauso ausführen kann, wie ihr sie vermittelt.
Wichtig ist der authentische Einsatz der Babyzeichensprache. Schafft keinesfalls gesonderte Übungszeiten, in denen ihr mit eurem Kind immer wieder ein Buch durchgeht und Babyzeichen wiederholt!
Meine Erfahrungen mit Babyzeichensprache
Es hat sehr lange gedauert, bis meine Tochter begonnen hat, selbst zu gebärden. Tatsächlich war ich kurz davor, aufzugeben.
Noch während meiner Schwangerschaft habe ich von Babyzeichensprache gelesen und war sofort begeistert: Das wollte ich auch probieren! Ich habe mir Bücher besorgt und mich etwas eingelesen. Angewendet habe ich die erste Gebärde (”Milch”), als meine Kleine drei Monate alt war. Nach einigen Wochen hat sie die Gebärde übernommen. Doch als sie sechs Monate alt war, hörte sie plötzlich wieder damit auf. Ich machte weiter. Mit dem Start der Beikost führte ich eine weitere Gebärde ein (”fertig”). Diese übernahm sie rasch und behielt sie auch bei. Irgendwann begann sie dann auch wieder, “Milch” zu gebärden.
Nachdem meine Tochter die Gebärden für “Milch” und “fertig” regelmäßig anwendete, begann auch auf Dinge zu zeigen, zu winken und zu klatschen. Streng genommen sind auch das Babyzeichen – wenn auch keine, die ich ihr bewusst vermittelt hatte oder die unsere Kommunikation maßgeblich vereinfacht hätten.
Enthusiastisch führte ich weitere Babyzeichen ein. Doch keines davon übernahm sie. Als sie 18 Monate alt war, wuchs meine Frustration und ich beschloss, aufzugeben. Dann, plötzlich, gebärdete sie “Ball”. Ich war erstaunt, hingerissen, verzückt. Und führte weitere Zeichen ein. Jedes neue übernahm sie rasch. Manche Babyzeichen gebärdete ich nur ein einziges Mal und meine Kleine reproduzierte sie sofort.
Dann machte ich eine interessante Erfahrung: Meine Tochter hatte das Prinzip der Gebärden verstanden und begann, selbst welche zu entwickeln, wenn ich es versäumt hatte, entsprechende Babyzeichen einzuführen. Gebärden für “malen” und “umarmen” hat sie sich selbst ausgedacht. Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, was sie meint.
Mit etwa 22 Monaten begann meine Kleine, mehrere Wörter zu sprechen – zuvor war der Wortschatz ihrer Lautsprache auf ein paar Wörter, wie Mami und Papi, sowie eine Reihe von Tierlauten begrenzt. Die vielen neuen Wörter der Lautsprache waren zum größten Teil solche, die zuvor Bestandteil ihres Gebärdenrepertoires waren.
Im Lauf der Zeit haben wir einzelne Babyzeichen fallen lassen, da meine Tochter sie durch die entsprechenden Wörter der Lautsprache ersetzt hat. Trotzdem wuchs ihr Gebärdenvokabular, denn ich führte weiterhin neue Babyzeichen ein.
Euer Kind hat noch keinen großen Wortschatz in der Lautsprache? Keine Sorge! Jede Gebärde zählt als Wort!
Manchmal gibt es für ein Wort verschiedene Gebärden. Solange ihr die Babyzeichen nur dafür verwendet, um innerhalb der Familie zu kommunizieren, ist es völlig egal, für welche Gebärde ihr euch entscheidet. Ihr könnt euch auch selbst welche ausdenken. Sollen sich eure Kinder in der Krippe, bei der Tagesmutter oder im Kindergarten verständigen können, ist es sinnvoll, sich für eine offizielle Gebärdensprache zu entscheiden.
In Deutschland ist vor allem die Deutsche Gebärdensprache (DGS) verbreitet. Ich habe ein englisches Buch gekauft, in dem die American Sign Language (ASL) Grundlage für die Babyzeichen ist. Schon bei unserem kleinen Repertoire ist mir aufgefallen, dass ich ein Kind, welches Babyzeichen basierend auf der DGS verwendet, kaum verstehen würde, da es so viele Unterschiede gibt. Innerhalb der offiziellen Gebärdensprachen gibt es übrigens auch Dialekte.
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