Reisen mit Kindern vs. Reisen ohne Kinder: Unterschiede in der Reiseplanung

reisen mit kindern vs reisen ohne kinder

Reiselust. Wen sie einmal gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los. Kinderlose können ihr ungehindert frönen. Doch wie ist es, sobald man Eltern wird? Kann man mit Kindern genau so reisen, wie zuvor? Wie verändert sich die Reiseplanung, sobald man Kinder hat? In diesem Beitrag berichte ich von unseren Kriterien für die Reiseplanung – etwa Destination, Budget und Komfort. Dabei ziehe ich Vergleiche zwischen der Reiseplanung als kinderloses Paar und der als Eltern. Unsere kleine Tochter hat unsere Reisen auf eine überraschende Art bereichert.


UNSERE DESTINATIONEN – REISEZIELE MIT KINDERN


Als kinderloses Paar war Reisen für uns ein Lifestyle. Wir wollten die Welt entdecken, haben viele Länder besucht und unterschiedliche Arten des Reisens ausprobiert. Die Planung habe ich selbst übernommen; Reiseziele, Sehenswürdigkeiten, Routen, Aktivitäten und Unterkünfte recherchiert und gebucht. Mein Mann ist für den Transport zuständig (Flüge, Fähre, Wahl des Fahrzeugs vor Ort, etc.) Wir sind klassische Individualreisende.

Die Sicherheit des Reiselandes ist für uns inzwischen ein entscheidender Faktor. Dazu gehören nicht nur eine geringe Kriminalitätsrate, sondern auch ein hoher Standard in der medizinischen Versorgung (für den Notfall, der hoffentlich nie eintreten wird). Auch Länder, die Verbreitungsgebiete für Malaria sind, fallen gänzlich weg, da Malariainfektionen besonders bei Kleinkindern häufig schwere und untypische Verläufe haben. Dazu gehören tropische und subtropische Gebiete in Afrika, Asien, Süd- und Zentralamerika.

 
urlaub mit kindern vs reisen ohne kinder

In Kanada auf Elternzeitreise.

Bei unserer Ankunft in Kanada war unsere Kleine 12 Monate alt. Am Ende der Reise 14 Monate.

 

Liste der Länder, die wir besuchen wollten, bevor wir Eltern wurden:

  • Nepal

  • Bhutan

  • Indonesien

  • Peru

  • Nicaragua

  • Kuba

  • Russland

 

Unsere neue Liste “Reiseziele mit Kind”:

  • Grönland

  • Schottland

  • England (v. a. Cotswolds)

  • Irland

  • Norwegen (waren wir zwar schon, aber trotzdem)

  • Island (waren wir im Winter, wollen wir im Sommer wieder hin)

  • Italien (unser häufigstes Reiseland; ein Standard-Ziel, wo es uns einfach immer wieder hinzieht)

  • Neuseeland (waren wir schon; Lieblingsland Nr. 2 nach Island)

  • Australien

  • Bahamas

 
reisen mit kleinkindern europa

Island mit Kleinkind (19-20 Monate) war unser persönliches Wintermärchen.

 

Ehemalige Reiseziele – wo wir wie ohne Kind waren:

  • Italien, viele Roadtrips mit eigenem Auto, Bergwandern & Klettersteige, Städtetouren

  • England, Städtetour

  • Frankreich, Städtetour

  • Niederlande, Städtetour mit Airbnb

  • Dänemark*, Roadtrip mit eigenem Auto*

  • Schweden*, Roadtrip mit eigenem Auto und Zelt*

  • Norwegen*, Roadtrip mit eigenem Auto und Zelt*

  • Finnland*, Roadtrip mit eigenem Auto und Zelt*

  • Estland*, Roadtrip mit eigenem Auto*

  • Lettland*, Roadtrip mit eigenem Auto*

  • Litauen*, Roadtrip mit eigenem Auto*

  • Polen, Roadtrip mit eigenem Auto

  • Tschechien, Roadtrip mit eigenem Auto

  • Österreich, Roadtrip mit eigenem Auto

  • Schweiz, Städtetour

  • Liechtenstein, Städtetour

  • Luxemburg, Städtetour

  • Spanien, Städtetour

  • Türkei, Städtetour & Strandurlaub (einzige Pauschalreise – nie wieder!)

  • Israel, Roadtrip mit Mietwagen und Airbnbs

  • Costa Rica, Roadtrip mit Bus

  • Madagaskar

  • Mauritius, Roadtrip mit Mietwagen

  • Neuseeland, Backpacking mit Hostels

  • USA, Städtetour mit Airbnb

 

Reiseziele für Familien – wo wir wie mit Kleinkind waren:

  • Kanada, 12 bis 14 Lebensmonate, Roadtrip mit Wohnmobil

  • Island, 19 bis 20 Lebensmonate, Roadtrip mit Mietwagen und Airbnbs

 

Die Distanz zum Urlaubsort spielt für uns übrigens eher eine untergeordnete Rolle. Ja, Neuseeland war uns für die Elternzeitreise zu weit und wir wählten stattdessen Kanada. Aufgrund unserer Erfahrungen wissen wir inzwischen, dass auch ein viel längerer Flug möglich gewesen wäre. Aber jedes Kind ist anders und wir konnten nicht ahnen, was für eine ausgezeichnete kleine Reisende unsere Tochter ist.

 
 
 

DER FINANZIELLE FAKTOR: DAS BUDGET FÜR DIE URLAUBSPLANUNG


Bevor wir Eltern wurden, war der finanzielle Faktor ein anderer. Zwar haben wir schon immer viel Geld für Reisen ausgegeben, aber an manchen Stellen haben wir gezielt gespart.

Ein Beispiel ist unsere fünfwöchige Reise nach Neuseeland. Der Flug war 2017 für damalige Verhältnisse relativ teuer und wir wussten, dass wir im Land für Aktivitäten und Verpflegung ein gewisses Budget benötigen würden. Deshalb haben wir bei den Unterkünften radikale Abstriche gemacht, um sparen zu können.

Ein Mehrbettzimmer im Hostel? Das ist inzwischen auf Reisen mit unserer kleinen Tochter definitiv keine Option mehr.

Dann gab es auch das andere Extrem: Wir haben gern viel Geld für Kurzurlaube in Luxus-Wellnesshotels ausgegeben, um zwischendrin immer mal ein paar Tage oder eine knappe Woche auszuspannen. Solche Aufenthalte sind heute natürlich unsinnig. Zwar waren wir mit unserer Tochter, als sie noch ein Baby war, zweimal im Wellnesshotel, doch inzwischen ist das nicht mehr möglich. Mit Kleinkind im Ruhebereich? Kaum vorstellbar.

Heute investieren wir gern in Sicherheit und Komfort. So sollte der Mietwagen lieber eine Klasse höher sein und das Airbnb etwas mehr Platz bieten.


LANGSAMES REISEN DANK KIND


Bei der Reiseplanung mit Kind achten wir nun streng darauf, mindestens drei Nächte in derselben Unterkunft zu verbringen. Mit Kind muss man für alles mehr Zeit einplanen. Gerade bei Babys und Kleinkindern muss man damit rechnen, dass es Tage gibt, die man nur in der Unterkunft verbringt, weil es den Kleinen nicht gut geht, sie sich nicht wohlfühlen oder einfach irgendwie nichts funktioniert.

Heute planen wir auch viel weniger Aktivitäten: Sehenswürdigkeiten, Wanderungen, Touren. Der Anpassungsprozess ist nicht so einfach – auf unserer Elternzeitreise in Kanada hatten wir uns zwar schon deutlich weniger vorgenommen, aber trotzdem nicht einmal die Hälfte davon “geschafft”. Wobei es auf Reisen ja auch nicht darum gehen sollte, etwas zu schaffen. Auf unserer dreiwöchigen Winterreise nach Island hatte ich deutlich besser geplant. Es sind eben einfach Übung und Erfahrungswerte, die man benötigt.

Auf früheren Reisen wollten wir möglichst viel sehen und erleben. Das erzeugte auf eine merkwürdige Weise Druck. Gleich einem Damoklesschwert hing der Satz „Nun sind wir schon mal in diesem Land, da sollten wir auch unbedingt…“ über uns.

 
urlaub mit kindern am meer

Am Pazifikstrand auf Vancouver Island.


REISEPLANUNG MIT KIND: DIE UNTERKÜNFTE


Tage, die mit Frühstück in einem hippen Café beginnen und in einem frisch gemachten Hotelbett enden, gelten für viele als komfortabel. Für uns auch. Früher. Heute nicht mehr.

Zum Abschluss unserer großen Elternzeitreise hatten wir in Vancouver für drei Nächte ein Hotel gebucht. Dort nannte man sich zwar familienfreundlich, doch es war katastrophal – überhaupt nicht auf Babys oder Kleinkinder und deren Eltern eingestellt, unpraktisch, anstrengend.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es ein hippes Café. Sogar mit Hochstuhl. Unsere Tochter mochte das Frühstück trotzdem nicht.

Zudem ist es in Nordamerika üblich, dass die Doppelzimmer in Hotels mit zwei einzelnen Betten ausgestattet sind. Mein Mann schlief in dem einen. In dem anderen baute ich auf einer Seite aus vielen in ein Laken gewickelte Kissen einen platzintensiven Rausfallschutz für unsere Kleine. Auf die andere Seite quetschte ich mich. Unsere Tochter schlief zwischen der Kissenrolle und mir. Es war machbar. Erholsam war es nicht.

Von der Qualität von Babybetten in Hotels will ich gar nicht erst anfangen. Oder von Steckdosen in Reichweite von Babys und Kleinkindern. Oder von Stolperfallen für die Kleinen, von scharfen Kanten, Badezimmern ohne Abstellflächen, etc.

Die Unterkunft muss kinderfreundlich sein. Das ist gerade in der Baby- und Kleinkindzeit absolut entscheidend.

“Seit wir mit Kind reisen, hat Komfort auf Reisen eine neue Definition erhalten: Komfort = Autonomie bzw. Selbstversorgung.”

Komfort heißt, sich komplett selbst zu versorgen. Nicht darüber nachdenken zu müssen, welches Restaurant wohl passt, ob man dort auf Familien eingestellt ist. Nicht nachfragen zu müssen, welche Zutaten die Gerichte enthalten und sich keine Gedanken über Reservierungszeiten zu machen.

Komfort heißt, wenige Termine zu haben; also kaum gebuchte Touren oder Aktivitäten, bei denen man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein muss. Das ist mit Baby oder Kleinkind – zumindest für uns – meistens einfach stressig.

Komfort heißt, sich in einer Ferienwohnung oder einem Airbnb so einrichten zu können, dass man sich dort für die Zeit des Aufenthaltes wie zu Hause fühlt.

Komfort heißt, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Keine Mitreisenden und niemanden, der sich durch uns gestört fühlen könnte.

Komfort heißt, als Familie ganz dem eigenen Rhythmus folgen zu können.

Konkret heißt das für uns, dass wir – zumindest während des Kleinkind-Alters unserer Tochter – keine Hotels nutzen. Wir hatten schon vorher viele Erfahrungen mit Unterkünften von Privatpersonen (hauptsächlich via Airbnb) gesammelt und haben daran geschätzt, dass man im Gegensatz zu Hotelaufenthalten viel leichter mit den Einheimischen in Kontakt kommt und stärker in die Lebenswelt des Reiselandes eintauchen kann. Insbesondere Heute mieten wir Apartments oder Hütten, um unseren neuen Ansprüche an Komfort gerecht zu werden.

Während unserer Elternzeitreise nach Kanada (alle Beiträge dazu findet ihr hier) hatten wir uns für ein Wohnmobil entschieden. Das war absolut perfekt: ein Zuhause auf Rädern. Maximale Flexibilität, Unabhängigkeit, Freiheit. Wickelgelegenheit, Hochstuhl, Vorratskammer, Küche, Schlafplatz und sanitäre Einrichtungen hatten wir immer dabei, egal, ob wir am Strand waren, in den Canadian Rockies, auf einem Parkplatz für Wanderer, Wasserfälle bestaunten, Lebensmittel einkaufen gingen oder über den Highway von einem Campingplatz zum nächsten fuhren. Nach einer langen Bergwanderung am Parkplatz ankommen und direkt eine warme Mahlzeit für die Familie kochen zu können oder nach einem Ausflug zum Strand das Kind an einem bequemen, sicheren und hygienisch einwandfreiem Ort wickeln und neu einkleiden zu können – für mich absoluter Luxus.


FAZIT


Wir lieben es, mit unserer Tochter zu verreisen. Durch sie haben sich die Planung und die Art des Reisens gänzlich verändert. Und das ist nicht nur vollkommen in Ordnung, sondern bringt neue Aspekte und Erfahrungen, die wir als bereichernd ansehen. Besonders das langsame Reisen ist ein echter Gewinn.

Die Welt mit Kleinkind zu entdecken, ist eine pure Freude – und ein Abenteuer. Es lohnt sich!

 
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