Zoobesuch mit Kleinkind
Elefanten beim Verrichten ihrer Notdurft beobachten, Esel streicheln, Pfauen bewundern, Spatzen füttern und das Klettergerüst erklimmen: die Essenz eines Zoobesuchs.
Um 11 Uhr beginnt die Fütterung der Löwen. Schon eine Viertelstunde vorher sitzen wir auf einer Bank im Schatten und warten darauf, dass es losgeht. Ich hole die Dose mit dem Mandelmusbrötchen aus meiner Handtasche. Das Kind ist hungrig. Und nicht nur sie: Ein Spatz findet sich ein und fordert unverhohlen seinen Anteil.
Schnell entdecken weitere der possierlichen Singvögel die Futterquelle. Begeistert wirft das kleine Mädchen ihnen Sonnenblumenkerne zu. Ich füttere das Kind, das Kind die Vögel. Hier ein kleiner Bissen, da ein winziges Häppchen.
Die Zeit vergeht. Ein Kolkrabe gesellt sich dazu. Aufgeregt zeigt mein Kind auf das schwarzgefiederte Tier: „Mami!“ Ich brauche einen Moment, bevor ich verstehe: „Nein, nein, Mäuschen. Die kleinen Vögel sind Spatzen und der große ist ein Rabe. Das ist eine ganz andere Art.“ Zufrieden lächelnd blickt die Zweijährige auf das Federvieh und wiederholt im Brustton tiefster Überzeugung: „Mami.“
Nachdem der Proviant verzehrt ist, bedeutet mir das Kleinkind, dass wir nun den Heimweg antreten können. Nun, gut. Die Löwen machen vermutlich auch schon Mittagsschlaf.

