Mutterschutz: Was macht ihr den ganzen Tag? 33+ Ideen für sechs Wochen vor Entbindung

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Sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt der Mutterschutz — die Erwerbsarbeit endet. Der Kalender, bis dahin durchgetaktet, leert sich auf einmal. Was bleibt, lässt sich schwer benennen — kein Urlaub, kein Wartezimmer, auch keine Erholungsphase im klassischen Sinn. Ein Schwellenraum, in dem die berufliche Identität schon abgelegt ist und die mütterliche noch nicht beginnt. Dazwischen Zeit, die sich anders anfühlt als jede Zeit davor.

Die häufigste Frage in dieser Phase ist eine, die selten beiläufig gemeint ist: Was macht ihr den ganzen Tag? Darin verbirgt sich meist die Annahme, dass freie Zeit gefüllt werden muss, am besten produktiv, am besten sichtbar. Wer im Mutterschutz nichts vorzuzeigen hat, gilt schnell als jemand, der die Zeit nicht „nutzt".

Das Folgende ist keine Pflichtliste, sondern eine Bestandsaufnahme dessen, was sich in dieser Phase praktisch erledigen lässt — und was hinterher schwerer wird. Vieles davon ist verzichtbar. Manches lohnt sich.

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Körper und Bewegung

Was in den letzten Wochen vor der Geburt oft zum ersten Mal seit langem wieder möglich wird, ist eine regelmäßige Bewegungspraxis, die nicht den Restkalender nutzen muss. Beschwerden lassen sich damit nicht wegtrainieren; manche werden dadurch erträglicher. Was tatsächlich funktioniert, hängt vom individuellen Schwangerschaftsverlauf ab und gehört in die Absprache mit Hebamme oder Gynäkologin.

  1. Zahnarzt-Termin vereinbaren: Eine Schwangerschaft belastet das Zahnfleisch, und ein Termin mit Neugeborenem ist logistisch aufwändiger.

  2. Allgemeine Vorsorge-Checks, die schon länger aufgeschoben wurden (Augenheilkunde, Dermatologie etc.)

  3. Meditation, auch in kurzen Einheiten von zehn Minuten.

  4. Angepasste Workouts für Schwangere.

  5. Yoga für Schwangere.

  6. Spaziergänge an der frischen Luft, regelmäßig und ohne Zielvorgabe.

  7. Vollwertige Mahlzeiten, in Ruhe zubereitet und gegessen.


Schon früh in der Schwangerschaft habe ich jeden Morgen meditiert, jeden Abend Yoga gemacht und fünf- bis sechsmal in der Woche angepasste Workouts absolviert. Die körperliche Betätigung tat mir insbesondere mit Baby im Bauch unglaublich gut — ich habe Sport viel mehr genossen als vorher. Zudem bin ich täglich eine Stunde spazieren gegangen. Das Fahrradfahren hatte ich schon Monate vorher eingestellt, weil ich schlichtweg Angst im Straßenverkehr entwickelt hatte. Und ich nahm mir jeden Tag die Zeit, um mir aus frischen Zutaten etwas Gesundes zu kochen und auch neue Gerichte auszuprobieren.



Anträge und Verwaltung

Manches an Bürokratie lässt sich vorziehen, anderes nicht. Die folgende Aufstellung trennt das eine vom anderen.

  1. Antrag auf Elterngeld vorbereiten. Bis auf das Feld mit dem Geburtsdatum lässt sich der Antrag vollständig ausfüllen, sodass nach der Geburt nur noch der Versand bleibt.

  2. Unbeliebt, aber äußerst sinnvoll: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht prüfen oder erstellen.

  3. Liste der To Do’s für die Zeit nach der Geburt erstellen. In der Regel gehören diese Punkte hinein:

    • Geburtsurkunde beim Standesamt beantragen.

    • Geburtsurkunde an Krankenkasse schicken.

    • Kindergeld beantragen. (Der Antrag kann online über das entsprechende Portal eingereicht werden, weshalb es nicht möglich ist, diesen schon vorzubereiten.)

    • Arbeitsgeber über Entbindung und Elternzeit informieren. Die Elternzeit beginnt erst nach dem Mutterschutz!

    • Antrag auf Elterngeld fertigstellen und einreichen.

    • Termin bei der Gynäkologin zur Nachsorge vereinbaren (sechs bis acht Wochen nach Entbindung).

    • Nachsorge-Hebamme über Geburt informieren.

    • Termin bei Kinderärztin/-arzt für die U3 vereinbaren (vier bis fünf Wochen nach der Entbindung).

    • Informationen über die Kita-Situation einholen. In vielen Städten sind Wartezeiten von einem Jahr und mehr üblich — wer nach der Elternzeit zurück in den Beruf möchte, sollte das früh angehen.



Wochenbett vorbereiten

Das Wochenbett selbst lässt sich nicht vorbereiten. Was sich vorbereiten lässt, sind seine Bedingungen — und genau das macht den Unterschied. Ein Haushalt, der weiterläuft, ohne dass jemand ihn am Laufen halten muss, schafft Raum, der sonst nicht da wäre.

  1. Vorkochen und portionsweise einfrieren. Im Wochenbett wird die Zeit für tägliches Kochen knapp, der Bedarf an nährstoffreicher Nahrung hingegen höher.

  2. Vorräte auffüllen — Kühlschrank, Gefrierfach, Speisekammer. Sinnvoll sind nicht nur Zutaten, sondern auch fertige Gerichte, die nur erwärmt werden müssen. Anbieter wie Mother's Finest haben sich auf diese Phase spezialisiert.

  3. Hygieneartikel auffüllen: Wochenbetteinlagen, nicht parfümierte Duschgele, Körperlotionen und Shampoos (um den feinen Geruchssinn des Babys nicht zu irritieren), Gesichtspflege etc.

  4. Informationen zum Thema Säuglingspflege einholen. Erste Anlaufstelle ist die Hebamme. Kurse zur Säuglingspflege bieten zusätzlich die Möglichkeit, andere werdende Mütter kennenzulernen.

  5. Wickeltisch einrichten: Wickeltisch oder -kommode, Wickelunterlage, Windeln, Wachlappen, Moltontücher und Mullwindeln, Mandelöl, Thermoskanne oder -becher für warmes Wasser (falls der Wickelort sich nicht im Bad befindet), etc. Stoffwindeln sind ein eigenes System, mit dem sich frühzeitig zu beschäftigen lohnt.

  6. Babyerstausstattung zusammenstellen. Eine vollständige Liste findet sich hier. Erfahrungswert: Bodys kann man in der ersten Zeit gar nicht genug haben.

  7. Sanfte Lichtsituation für die Nächte einrichten. Sanfte Beleuchtung für die Nächte einrichten. Neugeborene sind lichtempfindlich, und in den nächtlichen Routinen — Stillen oder Fläschchen geben, Windeln wechseln, Atmung prüfen — braucht es gerade so viel Licht, dass alles erkennbar bleibt, ohne dass alle vollständig wach werden. Geeignet sind Nachtlichter* oder dimmbare LEDs.

  8. Unterstützung organisieren. Freundinnen, Eltern, Geschwister, eine kurzfristig angestellte Haushaltshilfe — wer wann was übernehmen kann, lässt sich vorab klären. Eine warme Mahlzeit auf der Türschwelle bei der Heimkehr (sofern es keine Hausgeburt war) ist eine konkrete Form von Sorgearbeit, die sich gut delegieren lässt.

  9. Besuche planen. Familie und Freundeskreis warten meist nicht lange. Das Wochenbett aber ist auf Erholung angelegt, nicht auf Bewirtung. Wer wann und wie lange kommt, ist eine Entscheidung, die in den eigenen Wirkungskreis fällt — und vorab geklärt, lässt sie sich leichter kommunizieren. Dennoch kann eine Wöchnerin ihre Meinung jederzeit ändern und klar Nein sagen. Eine ausführlichere Betrachtung dazu findet sich hier.



Geburt vorbereiten

Eine Geburt vorbereitet zu haben ist keine Garantie für einen vorhersehbaren Verlauf. Sie verschiebt nur, was im Vorfeld geklärt werden kann.

  1. Falls noch nicht geschehen: Krankenhaustasche packen.

  2. Manche Schwangere schreiben eine Geburtswunschliste, in der sie formulieren, wie sie sich die Geburtsbegleitung vorstellen — sowohl für den Verlauf der Geburt als auch für die unmittelbare postpartale Phase. Eine solche Liste ist weniger Vorgabe an das Krankenhaus als Klärung im eigenen Denken: Welche Aspekte einer Geburt sind verhandelbar, welche nicht?

  3. Geburtsort entscheiden. Krankenhaus, Geburtshaus oder zu Hause — die Entscheidung sollte spätestens jetzt getroffen sein. Ambulant oder stationär: das wird mit den Hebammen im Krankenhaus oder Geburtshaus geklärt. In der Hebammensprechstunde findet die Geburtsplanung statt — Aufnahmeformalitäten, Krankenakte, oft auch eine Besichtigung des Kreißsaals. Kam es in der Schwangerschaft zu Komplikationen, übernimmt die Planung ein geburtshilflich tätiger Arzt oder eine Ärztin in der Intensivschwangerenberatung.

  4. Weitere geburtsvorbereitende Maßnahmen – in Absprache mit eurer Hebamme oder Gynäkologin – sind: Heublumensitzdampfbäder, Himbeerblättertee, Datteln, Dammmassage und Akkupunktur.



Stillstart vorbereiten

Der materielle Rahmen lässt sich vorbereiten — alles andere entscheidet sich danach.

  1. Mindestens zwei Still-BHs kaufen. Still-BHs müssen vor allem eines sein: bequem. Sie müssen nicht hübsch sein, keine Spitze haben und vor allem keine Bügel. Wer vor der Schwangerschaft eine eher kleine Brust hatte, kann auch tagsüber Nacht- oder Schlaf-Bustiers für Stillende tragen — trotz des durch Milcheinschuss und Schwangerschaft bedingten Brustwachstums.

  2. Ein festes Stillkissen besorgen, das nicht in sich zusammensinkt, wenn das Baby darauf ablegt wird.

  3. Stilleinlagen. Es gibt Einmal- und Mehrwegvarianten. Beide einmal zu testen lohnt sich, da der Waschrhythmus im Wochenbett selten verlässlich ist.

  4. Es gibt noch einige Gadgets, die die Brustwarzen schützen und den Stillstart erleichtern: Brustwarzensalbe, Silberhütchen, Fettwolle und natürlich Stillhütchen, wobei letztere eine Notlösung sind, keine erste Wahl.


 
 
 

Soziales

Was sich mit Neugeborenem strukturell verändert, ist nicht das Interesse an anderen Menschen, sondern die Verfügbarkeit. Konzerte, Restaurantbesuche, spontane Verabredungen — nicht weil das danach nicht mehr geht, sondern weil es mehr Koordination braucht.

  • Verabredungen mit Freundinnen ohne Agenda.

  • Abende als Paar, für die kein Babysitter gebraucht wird.

Dokumentieren

  • Babybauchfotos sind weder Pflicht noch Eitelkeit. Professionell oder nicht — viele bereuen im Rückblick, dass sie keine gemacht haben.

  • Schwangerschaftstagebuch — nicht sentimentales Archiv, sondern Beobachtung eines Zustands, der im Rückblick oft unschärfer ist, als er war. Vielleicht ein erster Brief an das ungeborene Kind, bevor eine neue Zeit anbricht.

Was sich sonst noch tun lässt

Vieles in dieser Liste ist klassisches Nesting — der Impuls, eine Wohnung für jemanden vorzubereiten, der noch nicht da ist. Er ist nicht nur biologisch erklärbar, sondern auch praktisch sinnvoll.

  1. Wickeltasche packen — was hineingehört, steht hier.

  2. Mobilee für den Wickeltisch basteln, wenn handwerkliche Ruhephasen guttun.

  3. Baby-Erste-Hilfe-Kurs absolvieren.

  4. Wohnung babysicher machen — eine Checkliste dafür findet sich hier.

  5. Kinderzimmer einrichten — lohnt sich nur bedingt; Babys benötigen kein eigenes Zimmer.

  6. Digitale Ablage vorbereiten — Foto-Backup-System einrichten, bevor die Bilderflut beginnt. Außerdem: Speicher auf dem Smartphone prüfen.

  7. Haustiere vorbereiten, falls vorhanden und notwendig — Eingewöhnungsstrategien, Betreuung für die Zeit der Entbindung und die ersten Tage bzw. Wochen organisieren.


Ohne Funktion

Nicht alles in diesen Wochen braucht eine Funktion. Manches lässt sich tun, weil es möglich ist — nicht weil es nützt.

  1. Friseur, Kosmetik, Nagelstudio — Pflege, die Zeit braucht und in den kommenden Wochen schwer planbar wird.

  2. Kino, Theater, ein Buch in einem Café — Formate, die ungeteilte Aufmerksamkeit verlangen.

  3. Belletristik lesen, keine Ratgeber. Serien schauen. Was sich liest und schaut, muss nicht produktiv sein.

  4. Beine hochlegen, Musik hören, nichts tun — ohne Erklärungsbedarf.

  5. Ein paar Tage Wellness-Urlaub.

Was sich in dieser Phase verschiebt, lässt sich nicht alles im Voraus benennen. Manches zeigt sich erst hinterher — als das, was knapper geworden ist, oder als das, was geblieben ist.

 

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