Tee im Garten, Gummistiefel in Pfützen. Ein Herbst, der sich nicht von selbst einrichtet.
Ich liebe den Herbst. Und eines der Dinge, die ich seit jeher am meisten am Herbst liebe, ist der süßlich-säuerlich-erdige Geruch in der kalten Morgenluft, der sich bei der Zuckerrübenernte von den Feldern meiner süddeutschen Heimat über das Land ausbreitet.
Keine Duftkerze — überhaupt nichts, was man kaufen könnte — vermag dieses Gefühl in mir auszulösen.
Heute lebe ich in einer Stadt, fern jener Felder. Natürlich wandeln sich die Jahreszeiten auch hier von selbst; was fehlt, ist die landwirtschaftliche Arbeit, die den Wechsel unmissverständlich anzeigt — beleuchtete Maschinen in der Dämmerung, Erde auf den Straßen.
Autumnum colere — den Herbst bewohnen.
In unserer Wohnung und unserem Garten gestalte ich den Herbst anders. Ich kaufe Obst und Gemüse vom Bauernhof am Stadtrand. Ich verstaue meine gesamte Sommerkleidung und räume alles fort, was in den nächsten Monaten nicht benötigt wird, hole die Strickwaren und Stiefel hervor, besorge saisonale Kleidung in der aktuellen Größe für meine Tochter und erinnere mich daran, welche Möglichkeiten der Regen mit sich bringt: mit meinen grünen Gummistiefeln und einer warmen Jacke laufe ich mitten durch die tiefsten Pfützen.
Im Sommer gehe ich am frühen Morgen in den Garten, um nach dem Rechten zu sehen — und um mit Gießen das Überleben der Pflanzen zu sichern.
Im Herbst gehe ich mit einer Tasse Tee hinaus, die meine Finger wärmt. Meine nackten Füße stecken in gefütterten Garten-Loafers. Kalt ist nur die Luft, die ich atme.
Schwer und voll hängen die Weintrauben an den Rebstöcken zum Nachbargrundstück. Roten Traubensaft mache ich daraus und Chutney.
Selbstgemachter Traubensaft
Die Trauben einzeln von den Rispen trennen (der zweifellos mühsamste Teil der Arbeit), in einen großen Topf geben und mit gerade so viel Wasser auffüllen, dass sie bedeckt sind. Mit Deckel aufkochen und dann für etwa 15 bis 20 Minuten köcheln lassen. Anschließend pürieren und durch ein Haarsieb passieren (gerne auch ohne Aufsicht; es dauert ein wenig). Zucker füge ich nicht hinzu, da es für uns auch so süß genug ist.
Am liebsten trinke ich den frischen Saft, wenn er noch etwas warm ist.
Der Herbstgarten verlangt wenig und gibt viel. Eingetrocknete Blütenstände, die ich in einer Vase in die Wohnung bringe und aus denen wir zusammen mit anderen Fundstücken ein Mobilé basteln. Kräuter, Weintrauben und in jedem zweiten Jahr Äpfel. Ein zweiter Apfelbaum wäre wundervoll, um jedes Jahr in diesen Genuss zu kommen. Dafür ist im Frühjahr auch noch Zeit.
Jetzt ist Zeit, um von der Liege, die lange vor mir hier war, aus zu bestaunen, was ich schon angepflanzt habe und all die weiteren, großen Gartenpläne auf das nächste Jahr zu verschieben.
Im Schlafzimmer räume ich die Schubladen meines Nachtschränkchens auf und lege auf der alten Kommode ein paar Bücher bereit, wenn ich auch weiß, dass ich kaum dazu kommen werde, eines aufzuschlagen. Die Laken aus glattem Baumwollperkal, die in der warmen Jahreszeit angenehm kühl sind, räume ich beiseite und beziehe die Betten mit den Laken aus weichem Baumwollflanell, die sich bei der ersten Berührung sofort warm anfühlen.
Für den Küchentisch besorge ich Kerzen (ohne Duft). Eine wird dann bei jeder gemeinsamen Mahlzeit brennen — ganz gleich, ob es draußen dunkel ist oder nicht.
Der Herbst meiner Kindheit kam von selbst: Der Geruch zog ohne mein Zutun über das Land. In dieser Stadt, die ich bewohne, bin ich es, die dem Herbst — meinem Herbst — einen Ort anlegen muss.
Dasselbe gilt für jede Jahreszeit, auch für den Frühling: mit Bärlauch, den wir genau jetzt gemeinsam säen und Blumenzwiebeln, die wir setzen.
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