Winterliebe – die dunkle Jahreszeit überstehen mit Leichtigkeit und Freude

dunkle jahreszeit überstehen

Die dunkle Jahreszeit hat einen schlechten Ruf. Besonders schlimm aber trifft es den Mittwinter, also die Zeit von Januar bis Mitte Februar. Erstrahlt der frühe Winter noch im Glanze der Vorweihnachtszeit, gilt der Mittwinter als trist und grau. Und wir werden stets daran erinnert, wie miserabel gerade alles sei, insbesondere das Wetter: Es schallt aus dem Radio, ist in Zeitungsartikeln zu lesen und Thema in alltäglichen Gesprächen. Kämpft ihr auch unter dem geringen Lichteinfall in der dunklen Jahreszeit? Dann lest weiter…

In der Kälte und Dunkelheit des Winters verbirgt sich eine besondere Magie: Wenn der Himmel schimmert und die Erde glitzert, wenn Eisblumen blühen und Schneeflocken tanzen.

Winterruhe – kostbare Zeit der Stille

Endlich ist Winter.

Im Sommer blüht alles – die Natur und wir selbst. Lange, helle Tage ermöglichen viel Zeit für allerlei Aktivitäten und lassen das Leben pulsieren. Aber sie lassen keinen Raum für Ruhe und Entspannung.

Das kann nur der Winter. Der Winter erwartet nichts, fordert nicht. Der Winter gibt. Lange, dunkle Nächte laden zur Innenkehr ein, zu Reflexion und Stille. Die Konzentration auf das eigene Innere ermöglicht uns, zur Ruhe zu kommen, uns selbst besser zu verstehen, alte Muster loszulassen und neue Perspektiven zu finden.

Es ist Zeit zum Durchatmen; eine kostbare Zeit der Stille. Diese Stille, diese Phase der Ruhe ist ideal, um eine innere Gelassenheit zu schaffen, aus der heraus wir Vorsätze fassen und uns neue Ziele setzen können. Diese können wir so im Frühling ausgeglichen und gestärkt, mit Leichtigkeit und Freude angehen.

Denn im Mittwinter ist sicherlich nicht die Zeit, um eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio abzuschließen und exzessiv zu trainieren – kein Wunder: Im Winter ist der Bewegungsdrang viel geringer, als im Sommer. So kommt es, dass nicht wenige sich zwar in den ersten zwei Wochen brav ins Fitnessstudio quälen, anschließend aber monatelang Beiträge entrichten, ohne auch nur noch ein einziges Mal hinzugehen.

Es ist auch nicht die Zeit, die Ernährung radikal umzustellen, um Gewicht zu verlieren – schließlich benötigt unser Körper im Winter mehr Kalorien als im Sommer, um die Körpertemperatur bei der Kälte aufrechtzuerhalten.

Im Winter senken die geringeren Tageslichtzeiten die Motivation, die kälteren Temperaturen machen Aktivitäten im Freien weniger attraktiv und/oder herausfordernder, da mehr Vorbereitung vonnöten ist. Beides erhöht die Verlockung, es sich zu Hause auf dem Sofa mit einer heißen Tasse Tee und einer kuschligen Wolldecke gemütlich zu machen.

Das Leben wird sehr herausfordernd, wenn wir uns gegen die Natur stellen. Deshalb scheitern viele Neujahrsvorsätze.

Die Natur hat kluge Mechanismen für das Überleben Kälte und Dunkelheit: Pflanzen halten Winterruhe und reduzieren ihre Lebensaktivitäten, viele Tiere halten Winterschlaf und sichern damit nicht nur ihr Überleben, sondern auch ihre Lebenserwartung.

In der Pflanzenwelt gibt es sogenannte Kaltkeimer, deren Samen eine längere Kälteperiode bei Temperaturen um den Gefrierpunkt benötigen, um zu keimen. Die Kälte des Winters ist essentiell für die Natur – und auch wir Menschen könnten aus dieser Jahreszeit ausgeruht und gestärkt hervorgehen, wenn wir uns nur entsprechend verhalten würden.

Die Freuden des Winters

Der langsame Lebensrhythmus

Wenn ich im Mittwinter gegen 4 Uhr aufstehe, ist es stockdunkel. Und das bleibt es auch noch eine ganze Weile. Jeden Tag bin ich dankbar dafür – für die morgendliche, lang anhaltende Dunkelheit. Sie hält mich, hält mich fest in einer sanften, schützenden Umarmung. Ich habe Zeit, bevor die Welt erwacht. Zeit für eine Tasse English Breakfast mit Milch unter einer warmen Decke auf der Couch. Zeit zum Denken, Zeit zum Sein.

Zeit für Innenkehr

Im Januar und Februar ist die ideale Zeit, um das eigene Leben zu reflektieren und Ziele neu zu definieren. Was lief im vergangenen Jahr gut? Was möchte ich ändern? Gibt es Gewohnheiten, die ich loslassen oder neu implementieren möchte? Ich mache im Mittwinter Pläne – ich setze sie nicht bereits in die Tat um.

Das Licht der Wintersonne

An manchen Tagen wird es gar nicht richtig hell. Aber wenn dann doch mal ein strahlend blauer Himmel ist und die Wintersonne uns für wenige Stunden mit ihrem Schein verwöhnt, dann ist dieses weiche Licht so viel angenehmer, als die grelle Helligkeit der Sommersonne.

Eine Jahreszeit voller Magie

Wenn der Himmel in zartem Rosa und Blassblau schimmert, wenn die Erde glitzert, Eisblumen blühen und Schneeflocken tanzen, ist die Magie des Winters für alle Augen sichtbar. Doch der Zauber dieser Jahreszeit ist auch an wolkenverhangenen Tagen da; wenn man gelernt hat, ihn zu sehen.

Eine dünne Eisschicht auf einer Pfütze, die unter dem Druck eines Fußes knackend und klirrend zerspringt. Der Winterstand einiger Pflanzen; braune Blüten etwa von Hortensien, Fetthenne oder Disteln, die vertrocknet und erstarrt der Witterung trotzen – eine Erinnerung an die Schönheit der Vergänglichkeit. Der Kontrast von immergrünem Efeu und braunen Blättern auf dem Waldboden oder leuchtend roter Früchte von Eberesche und Weißdorn zur restlichen Umgebung. Tiefliegende Nebelschwaden. Dramatische Wolkenformationen.

Kühle Eleganz, Ruhe, subtile Kontraste, minimalistische Farbgebung mit dominierenden Braun-, Grau- und Blautönen – wenn es kalt genug ist, auch Weiß und Silber –, die manchmal überraschend prachtvoll ist, prägen die einzigartige Ästhetik der Winterlandschaft und erzeugen nicht selten eine mystische Stimmung.

Deshalb: Geht raus, geht spazieren, genießt das Draußen sein und haltet die Augen offen nach Wundern. Jede Naturumgebung eignet sich dafür: Wald, Stadtpark, der eigene Garten, Wiesen und Felder.

Gemütlichkeit und Kulinarik

Wenngleich die Zeit der Weihnachtsmärkte im Mittwinter vorbei ist – nichts spricht dagegen, eine Tasse Glühwein oder Punsch (mit oder ohne Alkohol) zu genießen.

Warme, wohltuende Gerichte mit Wintergemüse, Suppen und Eintöpfe, Mac and Cheese.

Was ist gemütlicher, als am späten Nachmittag bei einsetzender Dämmerung, Wind und Regen unter einer warmen Wolldecke auf der Couch zu sitzen? Eine heiße Tasse Tee dazu und vielleicht ein zimtiges Gebäckstück – und ein gutes Buch.

Typisch winterliche Gerüche, wie der Duft von Zimt und Nelken oder das Geräusch eines knisternden Kaminfeuers gehören für mich ebenso zu den sinnlichen Freuden dieser magischen Jahreszeit.

Winterkleidung

Ja, ich liebe Mode – obgleich ich gestehen muss, dass ich den Herbst in Bezug auf Mode fast noch lieber mag. Doch wir sind im Mittwinter: dicke Pullover im Zopfstrickmuster mit oder ohne Rollkragen, Seidentücher, Schals und Mäntel aus Wolle, Cardigans aus Kaschmir über Hemdblusen – Layering, Layering, Layering. Und natürlich gefütterte Winterstiefel.

Warme Winterkleidung ist nicht nur für jene, die eine Affinität zu Mode haben, sondern entscheidend, um den Winter genießen zu können. Ob ihr zur Arbeitsstelle pendelt, durch die Stadt oder den Park schlendert oder eine Schneewanderung macht: Sobald ihr friert, ist das Ganze wenig vergnüglich.

Ihr müsst nicht aussehen, als hättet ihr euch in eine Daunendecke gehüllt. Kombiniert verschiedene Kleidungsschichten, die sich in Dicke, Material und Funktion unterscheiden. Eine warme Base Layer, etwa aus Merinowolle, ist meiner Erfahrung nach essentiell.

Und nun: Genießt den Winter: Kultiviert Bequemlichkeit und Langsamkeit, nutzt die dunkle Jahreszeit zur Innenkehr und Motivation für euer zukünftiges Ich, achtet auf die Charakteristika des Mittwinters in der Natur, genießt herzhafte und wohltuende Wintergerichte – findet Freude in den dunklen Monaten!

Vergesst nicht, dass die Wintersonnenwende bereits am 21. Dezember ist; ab dann werden die Tage langsam wieder länger.

Die Liebe zum Winter ist eine Einstellung zum Leben

Wenngleich ich durch und durch eine Winterseele bin, mag ich alle Jahreszeiten und schätze ihren natürlichen Rhythmus. In diesem stetigen Wandel liegt etwas Tröstliches, Kraftspendendes. Und der Sommer ermöglicht es mir, mich umso mehr auf den Herbst und Winter zu freuen – aber ich wünsche mir den Sommer nicht fort, sondern genieße die Freuden, die ihm eigen sind, bis er vom Herbst abgelöst wird.

Letztlich geht es auch genau darum: Vielleicht bin ich inzwischen auch einfach zu alt, um mir Tage und Wochen meines Lebens fortzuwünschen in der Erwartung auf etwas Besseres. Irgendwo habe ich mal gelesen, die Menschen warteten die ganze Woche auf den Freitag, das ganze Jahr auf den Sommer und das ganze Leben auf das Glück.

Statt zu warten, dass ein Moment kommt, der Schönheit und Leichtigkeit bringt, versuche ich, dies selbst zu gestalten – jeden Tag, mit und in der Zeit, die mir gegeben ist.

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Im Rhythmus der Jahreszeiten: im Winter zu Hause

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