Eine Busfahrt mit Kleinkind

Eine unerwartete Geste.

 

An einer Haltestelle. Begeistert winkt mein Kind dem heranfahrenden Bus zu. Der Fahrer ist breitschultrig, hat einen langen Vollbart, Tattoos zieren Unterarme und Hals. Die Fingerhandschuhe aus schwarzem Leder, die er trägt, passen zu seinem Erscheinungsbild — anders als die Uniform der Verkehrsbetriebe. Er winkt zurück. Wir haben keinen Fahrschein, steigen deshalb vorne ein. „Nee, wir verkaufen im Bus keine Tickets mehr.“

„Oh.“ Unschlüssig starre ich ihn an. „Wohin wollen Se denn?“ „Zum Zoo.“ „In drei Haltestellen gibt es einen stationären Automaten. Ich nehm‘ Se mit, dann steigen Se dort aus, kaufen en Ticket und ich wart so lang. Wenn bis dahin en Kontrolleur kommt, dann schicken Se den glei‘ zu mir.“ Ungläubig bedanke ich mich und quetsche mich mit Kleinkind auf dem Arm an zwei Passagieren vorbei.

Der Bus ist recht voll – aber, dort! Auf dem ersten Viererplatz sind die beiden Gangplätze und ein Fensterplatz belegt. Ich bedeute den Damen auf den Gangplätzen, dass ich zum freien Fensterplatz möchte. Nicht ein Zucken durchläuft ihre griesgrämigen Mienen und sie machen keinerlei Anstalten, ihre Beine wenigstens ein bisschen zur Seite zu nehmen, damit wir durch können. Ich steige über vier Füße, die so unbeweglich sind, wie die Herzen der Organismen, zu denen sie gehören.

Drei Haltestellen später: raus, Ticket kaufen, zurück in den Bus. Der Busfahrer hat wirklich gewartet. Einfach so. Dabei hatte er sogar eine Ampelphase zum Fahren für die Linienbusse ausgelassen.

Am Abend jenes Tages hatte der Busfahrer es wahrscheinlich längst vergessen, weil er einfach ein netter Mensch ist und das für ihn keine große Sache war. Aber ich werde seine Freundlichkeit so schnell nicht vergessen. Für mich war es groß.

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