Tagesablauf mit Baby: So bringt ihr Struktur in euren Alltag

Wie gestaltet man den Alltag mit Baby? Es gibt tatsächlich Eltern, die behaupten, sie würden trotz Kindern noch machen, was sie vorher taten – die Kleinen müssten halt einfach mit. Für mich ist das nicht nachvollziehbar – bei mir hat sich alles geändert. Der Alltag sowieso, aber auch sonst das ganze Leben: der allgemeine Fokus, berufliche Ziele, Pläne für Reisen. Einfach alles. Doch zurück zum Alltag mit Baby: Neue Routinen müssen entwickelt werden, denn ein wesentlicher Teil des Babyalltags besteht aus Routine. Wie sieht der Tagesablauf mit Baby aus? Wann soll ein Baby abends ins Bett? Wo soll das Baby tagsüber schlafen? Wie oft sollte man mit Baby raus? Hier erhaltet ihr wertvolle Tipps für den Alltag mit Baby und erfahrt, wie ihr Struktur in euren Babyalltag bringt.

Alltag mit Neugeborenen

Die gute Nachricht vorweg: Neugeborene und Babys, die den dritten Lebensmonat noch nicht vollendet haben, bedürfen noch keiner festen Tagesabläufe. Es ist völlig in Ordnung, wenn ihr im Wochenbett und auch danach gemeinsam mit eurem Baby einfach so in den Tag hineinlebt. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder entscheidet das Baby jeden Morgen erneut, wie der Tag verlaufen wird, oder ihr bemüht euch, Routinen zu finden und damit eine Struktur vorzugeben. Doch diese frühe Phase nach der Geburt ist eine ganz besondere – und alles andere als alltäglich. Setzt euch nicht unter Druck. Ihr habt noch genügend Zeit, um herauszufinden, wie ihr euer gemeinsames Leben optimal organisieren werdet.

Obwohl ich ausgesprochen strukturiert und diszipliniert bin, fiel es mir nach der Geburt meiner Tochter überraschend schwer, neue Routinen zu entwickeln. Auch über die ersten drei Monate hinaus bin ich bei der Gestaltung des Tages im Wesentlichen meinem Baby gefolgt.

In den ersten Wochen müsst und dürft ihr zunächst einmal in der neuen Situation ankommen. Der postnatale Körper setzt Grenzen und stellt euch eventuell auch vor unerwartete Herausforderungen. Die Erledigung der neuen Aufgaben verläuft – logischerweise – noch nicht routiniert und ist deshalb zeitintensiv. Am Anfang dauert allein das Windeln wechseln scheinbar ewig. Später werdet ihr euer Kleines rasch mit erfahrenen Handgriffen wickeln, während ihr nebenbei noch Tee kocht. Gesteht euch die Zeit zu, die ihr ganz individuell braucht, um euch in diesem neuen, wunderbaren Alltag mit Baby zurechtzufinden.

 
 
alltag mit neugeborenen wochenbett
 
 

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ihr im Wochenbett nur mit Windeln wechseln, Stillen oder Fläschchen geben und schlafen beschäftigt seid.

 

Allerdings solltet ihr nicht vergessen, selbst gut zu essen – gerade dann, wenn ihr stillt, ist das nicht nur entscheidend für eure Kräfte, sondern auch für die Qualität der Muttermilch. Für die, die beim Kochen keine Unterstützung von Familie und Freund*innen bekommen, gibt es spezielle Angebote für Mamas im Wochenbett, wie etwa https://mothersfinest.org/.

Sinnvoll wäre allerdings, wenn euer Baby schon jetzt lernt, dass es einen Tag-Nacht-Rhythmus gibt. Das ist leicht umzusetzen: Tagsüber ist es etwas heller (etwas gedämmt sollte es im Zimmer sein; Neugeborene sind sehr lichtempfindlich), es gibt Aktivitäten, wie Kuscheln, Spaziergänge, Sitzen auf Terrasse oder Balkon, leises Musik hören etc.). Nachts ist es dunkel und es wird nur geschlafen, gewickelt und gestillt oder Fläschchen gegeben. Das nächtliche Wickeln sollte bei gedämmten Licht erfolgen. Versucht dabei auch, nicht mit eurem Baby zu sprechen – und wenn, dann nur wenig und sehr leise. Das fühlt sich für euch zwar seltsam an, ist aber eine Abgrenzung zum Windeln wechseln bei Tage und zeigt so nochmal den Unterschied zwischen Tag und Nacht.

 

To-Do-Liste für den Babyalltag

  1. Nehmt euch Zeit, lasst euch auf das neue Leben als Mama ein. Seid nachsichtig mit euch!

  2. Konzentriert euch auf das, was wirklich zählt: euer Baby und ihr selbst. Der Haushalt kann warten.

  3. Was euer Baby braucht: regelmäßig frische Windeln (alle zwei bis drei Stunden), Milch, Schlaf und natürlich ganz viel Kuscheln – am besten nackt auf eurer nackten Brust.

  4. Was ihr braucht: Schlaf und gutes Essen.

  5. Tag-Nacht-Rhythmus vermitteln.

 

 

E R G Ä N Z E N D E R B E I T R A G

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Warum Routinen für Babys wichtig sind

Für Babys ist das Leben außerhalb von Mamas Bauch völlig ungewohnt. Alles ist neu – jedes Geräusch, jeder Geruch, haptische Erfahrungen und visuelles Erleben. Letzteres verändert sich zudem durch das sich erst entwickelnde Sehvermögen ständig. Babys wissen nicht einmal, wo ihr kleiner Körper anfängt und endet. Alles, woran wir längst gewöhnt sind, ist für die Kleinsten eine permanente Reizüberflutung. In dieser Welt gibt Struktur Sicherheit.

Mit etwa zehn Monaten erkennen Babys feste Abläufe ganz bewusst. Sie wissen, was als nächstes passiert und machen entsprechend gut mit. Kleinkinder fordern Routinen geradezu ein. Eine Struktur möglichst früh einzuführen erleichtert euch den Prozess, da ihr am Anfang noch nachjustieren könnt und mit eurem Baby ein eingespieltes Team seid, wenn eine gewisse Struktur unerlässlich wird.

Feste Uhrzeiten lassen sich mit Baby kaum etablieren – gerade was Schlaf und Nahrungsaufnahme anbelangt. Außerdem werden manche Ereignisse, wie Zahnen, Krankheiten oder eine Reise, euren Rhythmus durcheinanderbringen.

 

Versucht keinesfalls, eurem Baby vorzugeben, wann geschlafen oder gegessen wird. Das funktioniert nicht ohnehin nicht und führt nur zu Stress bei allen Beteiligten. Der Babyschlaf ändert sich im ersten Jahr ohnehin noch häufig: Der gesamte Schlafbedarf wird abnehmen und die Anzahl der Tagschläge reduziert sich entsprechend.

 

Routinen mit Baby: meine Erfahrungen

Als unsere Tochter drei Monate alt war, machten wir eine erste Reise. Währenddessen haben wir die eingespielten Routinen weitergeführt. Wieder zu Hause fanden wir mit Leichtigkeit in unseren Alltag zurück. Ein halbes Jahr später sind wir wieder verreist. Dieses Mal konnten wir unsere Routinen nicht beibehalten, weil die Situation es einfach nicht ermöglicht hat. In der Folge hatten wir nach unserer Rückkehr auch zu Hause Probleme, gerade hinsichtlich des Tagesschlafes. Das zog sich einige Wochen hin. Dann hat unsere Kleine wieder gezahnt und wir mussten unsere Routinen ändern und damit auch die komplette Struktur. Das war nicht leicht und ging auch nicht von einem Tag auf den anderen. Wir haben Verschiedenes ausprobiert, immer wieder nachjustiert, bis wir endlich eine gute und für uns passende Lösung gefunden haben.

 
 
alltag mit baby strukturieren
 
 

Alltag mit Baby 3 Monate

Langsam wird sich etwas etabliert haben, das die Bezeichnung Alltag verdient. Wenn ihr über ausreichend Kraft und Ressourcen verfügt, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, euch Gedanken über eine grundlegende Struktur zu machen, die ihr über einen längeren Zeitraum beibehalten könnt und wollt. Vielleicht habt ihr sogar schon einige Routinen entwickelt, die ihr nur noch in einen bewussten Ablaufplan integrieren müsst.

Im Netz sind immer wieder minutiöse Tagesabläufe mit Babys zu finden, à la “8:20 Baby wecken; 8:45 Fläschchen geben; 9:15 Zeit zum Spielen; 10:00 Windeln wechseln; 10:30 einkaufen gehen;…). Es ist mir absolut schleierhaft, wie so etwas durchzuhalten sein soll. Ab einem gewissen Alter werden Routinen und Struktur wichtig für Babys, aber dabei geht es weniger um genaue Uhrzeiten, sondern vielmehr um wiederkehrende Abläufe.

 

Alltag mit Baby strukturieren

Die wesentliche Grundlage für die Tagesstruktur sind die Schlafphasen eures Babys. Sämtliche Aktivitäten organisiert ihr zeitlich um den Babyschlaf drum herum. Je jünger das Baby, desto kürzer sind die Wachphasen. Entscheidend für einen geregelten Tagesablauf mit Baby ist, dass ihr eurem Kleinen rechtzeitig helft, in den Schlaf zu finden, bevor euer Baby übermüdet ist. Jüngere Babys zeigen noch keine Müdigkeitszeichen – oder erst dann, wenn sie schon übermüdet sind. Deshalb müsst ihr darauf achten, wie lange euer Baby wach ist und wann der nächste Schlaf ansteht. Andernfalls artet der Alltag für alle Beteiligten in puren Stress aus.

Ein drei Monate altes Baby schläft etwa viermal am Tag für durchschnittlich 1,5 Stunden. Dazu kommt natürlich der Nachtschlaf.

Innerhalb von 24 Stunden braucht das Baby acht bis zehn frische Windeln.

Stillmahlzeiten erhalten Babys nach Bedarf (Cluster-Feeding).

 

Tagesablauf mit Baby: Beispiel

  • Milchmahlzeit (=Stillen oder Fläschchen geben)

  • Aufstehen

  • Routine Morgentoilette

    • Wärmestrahler am Wickeltisch einschalten

    • Baby komplett entkleiden

    • mit einem warmen und feuchten Waschlappen das Gesicht, hinter den Öhrchen, am Hals, in den Achseln, die Hautfalten an Ärmchen und Beinchen waschen

    • mit einem neuen warmen und feuchten Waschlappen den Windelbereich waschen

    • Brustmassage

    • frische Windel und frische Kleidung anziehen

  • Frühstück für Mama

  • Milchmahlzeit

  • Babyschlaf

  • Milchmahlzeit

  • 20 Minuten später Spielen in Bauchlage (Damit die Milch nicht gleich wieder ausgespuckt wird, ist der zeitliche Abstand zur Mahlzeit wichtig. Die Bauchlage ist essenziell für die Ausbildung der Schulter- und Nackenmuskulatur, die zum Halten des Köpfchens benötigt wird.)

  • Routine Spaziergang (Frische Luft ist nicht nur gut für euch als Mama, sondern auch, um Immunsystem und Stoffwechselfunktionen eures Babys zu trainieren. Etwa eine Stunde täglich solltet ihr mit eurem Kleinen spazierengehen.)

    • Windeln wechseln

    • je nach Jahreszeit weitere Kleidungsschichten anziehen

    • ggfs. Wind- und Wetterschutzcreme oder Sonnenschutzcreme auf das Gesicht auftragen

    • Mützchen oder Sonnenhut aufsetzen

    • in Babytrage setzen

  • Windeln wechseln

  • Milchmahlzeit

  • Babyschlaf

  • Milchmahlzeit

  • Spielen

  • Mittagessen für Mama

Das war der Vormittag. Der Nachmittag läuft genauso ab. Statt des zweiten Spaziergangs gibt es vielleicht eine andere Aktivität, wie einen Babymassage-Kurs, Babyschwimmen oder einen Eltern-Kind-Kurs, wie FendKid, PEKiP oder DELFI. Zwischendurch wird natürlich ganz viel gekuschelt; das versteht sich von selbst.

 

Alltag mit Baby 6 Monate

Inzwischen seid ihr wahrscheinlich echte Profis im Babyalltag und die Aufgaben gehen euch flink und leicht von der Hand.

Das Baby schläft nur noch dreimal am Tag für durchschnittlich 1,5 Stunden und entsprechend länger sind die Wachphasen.

Die WHO empfiehlt, bei Babys im Alter von sechs Monaten mit der Einführung der Beikost zu starten. Abhängig ist das davon, ob euer Baby bereits die Beikostreifezeichen zeigt. Diese zusätzlichen Mahlzeiten (Mus bzw. Brei oder Fingerfood bei Baby-led Weaning) sind neue Routinen, die in die Struktur eingegliedert werden müssen.

Inzwischen benötigt euer Baby nur noch fünf bis acht frische Windeln innerhalb von 24 Stunden.

Alltag mit Baby 1 Jahr

Je älter euer Baby wird, desto individueller und weniger vergleichbar werden Schlafenszeiten, die Gestaltung der Wachphasen und das Essverhalten.

Während Babys mit acht Monaten noch zweimal am Tag für durchschnittlich 1,5 Stunden schlafen, reduziert sich der Tagschlaf im 12. Monat auf eine Schlafphase. Dementsprechend verlängern sich die Wachphasen.

Mit einem Jahr findert häufig der Übergang von der Beikost zum Familienessen statt. Zusätzlich zu den drei Hauptmahlzeiten kann es am Vormittag und Nachmittag je eine Zwischenmahlzeit geben.

Fazit

  • Routinen schenken Babys in einer fremden, neuen Welt Sicherheit.

  • Der Anfang ist leicht: Tag-Nacht-Rhythmus vermitteln.

  • Euer Baby erkennt feste Abläufe wieder und weiß, was als nächstes kommt.

  • Je früher ihr eine Struktur etabliert, desto leichter habt ihr es später, wenn euer Kind Routinen benötigt.

 

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