Kanada Roadtrip mit Kindern im Wohnmobil: Die 5 wichtigsten Tipps zur Reiseplanung

Kanada mit Kindern im Wohnmobil: Das klingt nach Abenteuer, Freiheit, Familienzeit. Ein gemeinsamer Roadtrip ist gleichzeitig eine Reise des Zusammenrückens, Einandernäherkommens. Der Alltag bleibt zu Hause. Endlich mal richtig abschalten, weit weg. Doch bevor es losgehen kann, steht erstmal die zeitintensive Planung an. Die großen Themen hier sind die Wahl der Route, das Mieten des Wohnmobils und die Frage, wie ihr es mit den Campingplätzen handhaben wollt. All das deckt dieser Beitrag ab, sodass ihr bestens informiert seid und in die Planung eures Kanada Roadtrips mit Kindern einsteigen könnt. Das Familienabenteuer wartet!

 
 

In diesem Beitrag geht es speziell um Tipps für euren Kanada Reise mit Kindern im Wohnmobil. Ganz allgemeine Tipps zur Reiseplanung eines Roadtrips mit Kindern findet ihr hier. Über die Vorzüge eines Roadtrips mit Kindern im Wohnmobil schreibe ich hier.

Kanada ist für viele ein Traumziel. Berge und Gletscher, Wälder und Prärielandschaften, Sumpfgebiete, Seen, Flüsse – und dazu schier endlose Kilometer Küstenlinie mit wunderbaren Sandstränden. Die Infrastruktur ist ideal für Roadtrips mit Wohnmobil. Und die Menschen hier sind unglaublich freundlich – vor allem, wenn man Kinder dabei hat. Es herrscht ganz allgemein eine angenehm positive Atmosphäre und man kommt schnell ins Gespräch; auf dem Spielplatz, im Supermarkt und auf dem Campingplatz sowieso. Und auf den Campingplätzen sind viele Familien mit Kindern unterwegs, sodass es hier viele Spielgefährt*innen gibt. Kanada ist das perfekte Ziel für Reisen mit Kindern!

kanada mit kindern tipps

Am Moraine Lake im Banff National Park kurz nach Sonnenaufgang.


1. BABY / KLEINKIND IM WOHNMOBIL ANSCHNALLEN


Bevor ihr tiefer in die Planung eures Kanada Roadtrips mit Kindern einsteigt, solltet ihr euch damit beschäftigen, wie ihr euer Kleines sicher im Wohnmobil in Kanada transportieren könnt. Gesetzliche Regelungen, Kindersitze und die im Fahrzeug für deren Befestigung zugelassene Plätze unterscheiden sich nämlich erheblich von hiesigen Gegebenheiten.

Obgleich wir glaubten, gut vorbereitet zu sein, wurde diese Thematik für uns zu einem unvorhergesehenen, ganz erheblichen Problem. Und zwar vor Ort, als wir in Kanada ankamen. Worüber ihr euch im Vorfeld Gedanken machen müsst, damit euch nicht dasselbe passiert, lest ihr hier.


2. ROUTE PLANEN


WIE VIEL ZEIT FÜR EINEN KANADA ROADTRIP EINPLANEN?

Im Netz liest liest man immer wieder Zeitangaben von zwei bis drei Wochen für einen Kanada Roadtrip. Gleichzeitig wird dann noch vorgeschlagen, dass das tägliche Fahrpensum 200 km nicht übersteigen solle. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung halte ich das für völlig unrealistisch.

Kanada ist nicht nur flächenmäßig gigantisch; die Entfernungen sind einfach viel größer als in Europa oder gar in Deutschland. Auf den Highways liegt die maximal erlaubte Geschwindigkeit bei 100 km/h. So schnell kann man mit einem Mietwagen fahren, nicht aber mit einem Wohnmobil. Wer mit seinem (temporären) Zuhause auf Rädern unterwegs ist, muss auf die Zeitangaben, die Navigationssysteme für Strecken angeben, nochmal etwa 20% aufschlagen.

Um in einer so kurzen Zeit wie zwei Wochen mehrere verschiedene Orte zu sehen, müsstet ihr tatsächlich jeden oder mindestens jeden zweiten Tag fahren. Dagegen sprechen gleich mehrere Dinge:

  1. Das ist vermutlich nur für kinderlose Reisende umsetzbar.

  2. Es ist nicht erholsam und wer hetzt, kann nicht genießen.

  3. Ihr wollt nicht einen Großteil eurer Reise auf der Straße verbringen, sondern Land und Leute kennenlernen.

Wer nur zwei Wochen Zeit hat, sollte keinen Roadtrip durch Kanada machen, sondern sich lieber zwei nicht zu weit voneinander entfernte Orte aussuchen und diese in aller Ruhe erkunden. Hierfür wären beispielsweise die Nationalparks Banff und Jasper geeignet.

Um die Frage konkret zu beantworten: Ihr solltet mindestens vier Wochen für einen Kanada Roadtrip einplanen. Jeder Tag, jede Woche, die ihr noch dranhängen könnt, lohnt sich.

 

Der wichtigste Tipp für einen Roadtrip, bei dem ihr die vielseitigen Landschaften Kanadas entdecken könnt und es trotzdem eine entspannte, schöne Familienreise wird, ist: Nehmt euch Zeit. Plant keine zu langen Fahrtstrecken zwischen den einzelnen Stationen eures Roadtrips. Gerade mit kleinen Kindern ist das Fahren manchmal doch schwieriger und es kann immer etwas Unerwartetes passieren. Bleibt nicht überall nur ein oder zwei Tage, sondern auch mal vier oder fünf. Lasst Platz für Spontaneität. Wählt eher eine kürzere Route mit weniger Stationen – muss es eine Rundreise sein? Ein One-Way-Trip ist eventuell eine bessere Option. Allerdings schlagen die Vermieter der Wohnmobile in diesem Fall eine sogenannte Einwegmiete auf den Preis auf. Und Gabelflüge sind natürlich ebenfalls kostenintensiv.

 

KANADA ROADTRIP ROUTE WÄHLEN

Wie wählt ihr nun die Route für euren Roadtrip? Zunächst müsst ihr euch entscheiden, welchen Teil von Kanada ihr bereisen wollt. Es gibt einige Standardrouten für Roadtrips, die ihr an eure eigenen Vorlieben und Interessen anpassen könnt. Diese klassischen Routen befinden sich im Südwesten und -osten des Landes.

Besonders beliebt bei Reisenden ist der Südwesten mit British Columbia und den Nationalparks Banff und Jasper in Alberta. Ausgangspunkte sind hier wahlweise Vancouver oder Calgary.

Aber auch in Kanadas Osten gibt es wunderschöne Landschaften und tolle Routen. Mögliche Ausgangspunkte sind Montréal, Toronto oder Halifax. Landschaftliche Highlights sind der Kejimkujik National Park, der Algonquin Provincial Park und der Saint Lawrence River.

Übrigens gibt es in Kanada 37 Nationalparks und zehn National Park Reserves. Dazu kommen hunderte Provincial Parks. Um die Nationalparks zu besuchen, benötigt ihr einen entsprechenden Pass. Der Jahrespass lohnt sich bereits ab 7 Tagen. Alle Informationen dazu gibt es hier.

 

Die Provinzen Yukon und Northwest Territories sind für Outdoor-Affine natürlich auch besonders interessant. Allerdings ist die Infrastruktur hier weniger ausgebaut und deshalb nicht ganz so geeignet für Eltern, die mit kleinen Kindern reisen. Auch bei den klassischen Routen solltet ihr darauf gefasst sein, dass nicht überall ein Mobilfunknetz zur Verfügung steht. Internet ist Mangelware – WLAN gehört nicht zum Standardangebot der Campingplätze.

 

IST KANADA EIN TEURES REISELAND?

Kurze Antwort – ja.

Lange Antwort – kommt auf Folgendes an:

  • Eine Reise mit frühzeitig (!) gebuchtem Wohnmobil ist günstiger als Hotels und Mietwagen. Frühzeitig gebucht heißt, mindestens neun bis 12 Monate vor Reiseantritt.

  • Meidet die Hauptsaison. Insbesondere die Sommermonate Juli und August sind deutlich teurer.

  • Wählt die Reiseregionen geschickt aus, wenn ihr sparen wollt. Nicht jede Provinz hat dasselbe Preisniveau. Das gilt nicht nur für die Unterkünfte, sondern auch für Lebensmittel und Benzin. Eine Ursache dafür liegt im Steuersystem; bestimmte Steuern gibt es nur in bestimmten Provinzen und die Steuersätze sind nicht überall gleich. Ein konkretes Beispiel: Alberta ist deutlich günstiger als British Columbia hinsichtlich Lebensmitteln und Benzin, weil in Alberta eine Steuer nicht erhoben wird, die es in British Columbia gibt. Aber auch in British Columbia ist es nicht überall gleich teuer. Im Osten der Provinz geht es noch; je weiter man nach Westen kommt, desto mehr steigen die Preise an. Am teuersten ist es auf Vancouver Island – das gilt nicht nur für Lebensmittel und Benzin. Hier gibt es Campingplätze, wo ein Stellplatz bis zu 200 $ pro Nacht kostet. Das ist fast das Zehnfache dessen, was andernorts üblich ist.


3. WOHNMOBIL IN KANADA MIETEN


Auf dem Cal Cheak Campground in Whistler.

WELCHEN FÜHRERSCHEIN BRAUCHT IHR FÜR EIN WOHNMOBIL IN KANADA?

In Kanada, wie auch in den USA, ist der deutsche Führerschein der Klasse B für alle Fahrzeuge gültig. Das gilt auch, wenn diese über 3,5 t wiegen.

Wir hatten zusätzlich einen Internationalen Führerschein mitgebracht, der allerdings vollkommen überflüssig war. Der reguläre deutsche Führerschein ist in jedem Fall ausreichend.

 

WAS KOSTET EIN WOHNMOBIL IN KANADA?

Die Preise für Wohnmobile sind in den letzten Jahren unverhältnismäßig stark angestiegen. Zudem macht der Buchungszeitpunkt einen großen Unterschied. Wer sich erst spät zu der Reise entschließt zahlt deutlich mehr als jene, die das Wohnmobil bereits neun bis 12 Monate im Voraus gebucht haben. Je eher, je günstiger. Auch der Reisezeitraum wirkt sich auf den Preis auf. Am teuersten ist die Hauptsaison in den Sommermonaten. Dann kommt es noch auf die Fahrzeugkategorie an: Von Truck Camper bis Luxuswohnmobil ist alles verfügbar. Durchschnittlich müsst ihr mit mindestens 150 € Mietgebühr pro Tag für ein Wohnmobil in Kanada rechnen.

Günstiger ist es, wenn ihr direkt beim Vermieter bucht und keine Reiseagentur beauftragt. Während unseres Roadtrips haben wir am häufigsten Wohnmobile von unserem eigenen Vermieter CanaDream gesehen, aber auch von Cruise America und Fraserway. Diese drei Anbieter sind die größten und beliebtesten mit den meisten Mietstationen.

Bei der Kalkulation ist nicht nur die Miete für das Wohnmobil zu beachten, sondern auch Benzinkosten und Gebühren für die Campingplätze. Verpflegung kommt natürlich auch noch hinzu.

 

WELCHE EXTRAS BENÖTIGE ICH BEI DER BUCHUNG DES WOHNMOBILS?

KILOMETERPAKETE

Pro Nacht habt ihr eine festgelegte Anzahl an Kilometern, die ihr fahren dürft. Benötigt ihr mehr Kilometer, müsst ihr diese bei Abgabe des Wohnmobils bezahlen. Die Vermieter der Wohnmobile bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Pakete mit zusätzlichen Kilometern an, die günstiger sind, als eine Nachzahlung es wäre.

Da wir das Wohnmobil für sechs Wochen gemietet hatten, haben wir ein Paket hinzugebucht, womit wir unbegrenzt viele Kilometer fahren konnten. Für uns hat sich das gelohnt. Bei der Abgabe unseres Wohnmobils trafen wir auf ein Paar, welches zwei 500-km-Pakete gebucht hatte, aber aufgrund eines Krankenhausaufenthalts diese nicht ausnutzen konnten. Sie wollten das Geld für die nicht benötigten Kilometer zurück, was abgelehnt wurde. Das war natürlich ein unvorhersehbares Ereignis; überlegt euch dennoch gut, was ihr hinzubucht und was nicht, da Erstattungen problematisch bzw. unmöglich sein können.

ZUSÄTZLICHE MIETGEGENSTÄNDE

Bei der Buchung könnt ihr abhängig vom Vermieter vieles hinzufügen, von denen einige Dinge mehr oder weniger sinnvoll sind. Hier ein paar Beispiele bzgl. unserer Erfahrungen:

  • Campingstühle: Haben wir hinzugebucht, aber kaum benötigt. Bei den “guten” Campingplätzen sind alle Stellplätze mit Picknickbänken ausgestattet. (Ausgenommen sind RV Parks oder Overflow-Stellplätze).

  • Nespresso-Kaffeemaschine: Wir hatten extra die Luxusvariante gewählt und konnten sie kaum verwenden. Der Strom aus dem Generator reicht nämlich nicht, um die Kaffeemaschine zum Laufen zu bringen. Dafür benötigt man einen Serviced-Stellplatz, also einen Platz mit Stromanschluss für das Wohnmobil. Aber da es in Kanada in jedem Dörfchen ein Starbucks gibt und in den Supermärkten Eiskaffee en masse, waren wir trotzdem gut versorgt.

  • Küchen- und Bettwäscheset sowie Handtücher: Haben wir hinzugebucht, hat sich gelohnt. Die Qualität war ausgezeichnet, alles war hygienisch sauber und gerade beim Küchenset war ich überrascht, dass wirklich alles dabei war, was das Herz einer Frau, die am Tag auch mal drei warme Mahlzeiten zubereitet, begehrt.

  • Nivellierblöcke: Diese Klötze geben Hilfestellung beim Parken des Wohnmobils auf unebenem Untergrund. Wir haben sie nicht genommen, aber haben uns gelegentlich gewünscht, es doch getan zu haben.

  • Toilettenpapier: Die Toilette im Wohnmobil benötigt spezielles Papier. Wir hatten nur eine Rolle und wollten Nachschub aus Kostengründen lieber selbst besorgen. Es hat uns viel Herumfragen gekostet, bis wir endlich herausfanden, wo wir dieses besondere Produkt kaufen können: Canadian Tire.

  • Kindersitz: Der Kindersitz an sich war völlig in Ordnung. Er war nur leider nicht kompatibel mit dem Wohnmobil, was nicht am Modell des Kindersitzes lag. Schon bei Punkt 1 dieses Beitrags habe ich darauf verwiesen, aber ich mache es gern nochmal: Kindersitz im Wohnmobil in Kanada.

SERVICELEISTUNGEN

  • Innen- und Außenreinigung, Entleerung der Tanks und Müllentsorgung: Haben wir hinzugebucht und waren am Tag der Abgabe wirklich froh, nicht auch noch putzen zu müssen.

  • Windschutzscheibenschutz: Eine Versicherung, die wir glücklicherweise nicht in Anspruch nehmen mussten, aber dennoch abgeschlossen haben.


4. CAMPINGPLÄTZE IN KANADA BUCHEN


kanada mit kindern blog

Unser erster Campingplatz im Bow Valley Provincial Park lag direkt am Bow River.

MÜSSEN CAMPINGPLÄTZE VORGEBUCHT WERDEN?

Als wir unseren Kanada Roadtrip mit Baby planten, hatten wir zunächst gedacht, Campingplätze vorzubuchen, sei nicht notwendig. Das Vorbuchen nimmt dem Roadtrip einen Teil der Spontaneität. Und mit Kind war uns Flexibilität wichtig – wir wussten vorher, dass wir einen festgelegten Zeitplan nicht würden einhalten können.

Vielerorts ist Vorbuchen in den Sommermonaten und an Wochenenden in Westkanada notwendig, etwa in der Nähe der Ortschaften Banff und Jasper in Alberta, aber auch in Pacific Rim Long Beach auf Vancouver Island.

Letztlich kam es so, dass wir Campingplätze gebucht hatten, aber manche der Buchungen verfallen lassen mussten, da wir nicht so vorangekommen sind, wie wir es geplant hatten. In diesem Fall ist das Geld dann übrigens weg; in der Regel muss man im Voraus auch den gesamten Betrag entrichten und Erstattungen gibt es nicht. Demzufolge hatten wir andernorts dann ungeplante Übernachtungen und mussten uns kurzfristig einen Stellplatz für unser Wohnmobil suchen. Mal hatten wir Glück mit First-Come, First Served (siehe unten), mal mussten wir uns mit Overflow zufrieden geben und mal strandeten wir auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Overflow-Plätze sind auf dem Gelände von Campingplätzen, aber es handelt sich nicht um richtige Stellplätze, sondern eher um Parkplätze ohne Picknickbank oder Feuerstelle – mit kleinem Kind ebenso wenig ideal wie ein Supermarktparkplatz.

Deshalb meine Empfehlung: Bucht Campingplätze vor, wenn ihr einen Kanada Roadtrip mit Kindern in der Hauptsaison macht!

Übrigens gibt es keine Website, auf der zentral alle Campingplätze Kanadas gelistet sind. Solche Websites gibt es nicht einmal für die einzelnen Provinzen. Grund ist wohl, dass die Campingplätze verschiedenen Betreibern gehören und administriert werden – Privatunternehmen, Institutionen oder dem Staat.

WAS KOSTEN DIE CAMPINGPLÄTZE IN KANADA?

Das kommt auf das Gebiet und vor allem den Betreiber der Campingplätze an. Die Spanne reicht von 15 bis 200 $ pro Nacht für einen Stellplatz.

Hier kommt es auf Lage, Saison und Ausstattung des Campingplatzes (Sanitäranlagen: Toiletten, Duschen; Laundry gegen Gebühr; Pool; Kinderspielplatz; WLAN etc.) sowie des Stellplatzes an. Bei den Stellplätzen wird unterschieden zwischen

  • Unserviced: einfacher Stellplatz ohne Anschlüsse; nur sinnvoll für Wohnmobile mit Generator

  • Serviced: Stromanschluss, manchmal zusätzlicher Wasseranschluss

  • Full Hook-Up: Strom-, Frisch- und Abwasseranschlüsse

Eine zentrale Sani Dump Station zur Entsorgung des Schmutzwassers und Auffüllen des Frischwassertanks gibt es immer.

CAMPINGPLÄTZE IN NATIONAL UND PROVINCIAL PARKS

Die schönsten Campingplätze sind gleichzeitig die günstigsten. Ein Paradoxon? Zumindest leicht zu erklären; gemeint sind nämlich die Campingplätze in den National und Provincial Parks: ruhig gelegen (am Rande von Ortschaften oder mitten im Nirgendwo), sehr sauber und hervorragend gepflegt, naturbelassen mit vielen Bäumen und/oder Büschen, großzügige Stellplätzen mit garantierter Privatsphäre durch ausreichend Abstand zum Nachbarplatz und mit zugehöriger Feuerstelle sowie Picknickbank – und all das in phantastischer Landschaft, an Flüssen oder Seen, häufig genug mit Blick auf die Berge. Auch das Klientel hier ist angenehm: Reisende, die Naturerfahrung und Erholung suchen.

Die Preise für diese Campingplätze liegen etwa bei 15 bis 40 $ pro Nacht. Die meisten Stellplätze sind Unserviced, wobei sich dies langsam zu ändern scheint.

Alle größeren Campingplätze verfügen über einen Kinderspielplatz. Hier waren wir von der Qualität wirklich beeindruckt: ebenfalls sauber, gut in Stand gehalten, vielfältige Spielgeräte für kleine und große Kinder – und immer mit Babyschaukel.

Einen Laundry Room mit Waschmaschine und Trockner gibt es eher selten; Pool und Sauna unserer Erfahrung nach gar nicht. Dasselbe gilt für WLAN: in der Regel nicht vorhanden.

PRIVATE CAMPINGPLÄTZE

Wesentlich teurer (ab 50 $) sind privat betriebene Campingplätze. Diese sind direkt in den Ortschaften oder Städten zu finden. Gerne mal vermüllt, häufig nicht ruhig gelegen, wenig Platz zum Nachbarn und dann auch noch ohne natürlichen Sichtschutz. WLAN gibt es, aber meist nur am Verwaltungsgebäude.

In auch bei Kanadier*innen beliebten Urlaubsregionen auf Vancouver Island können die Preise bis auf absurde 200 $ pro Nacht ansteigen.

Nicht empfehlenswert sind RV Parks, die es in größeren Städten gibt: Dicht an dicht stehen die Wohnmobile und die Trailer der Dauercamper. Privatsphäre Fehlanzeige. Picknickbänke und Feuerstellen gibt es selten. Zudem sind hier die Dauercamper in der Überzahl, also Leute, die auf dem Campingplatz wohnen und in der Stadt arbeiten. Hier gibt es aber zumindest auf dem gesamten Platz WLAN.

WIE BUCHT MAN EINEN CAMPINGPLATZ IN KANADA?

Manche Campingplätze kann man ein ganzes Jahr im Voraus buchen, andere nur drei Monate im Voraus. Hier müsst ihr euch individuell informieren.

Private Campingplätze sind häufig nur telefonisch erreichbar oder mit Glück per E-Mail.

Einen besonderen Fokus auf Familien legen die Campingplätze von KOA. Die meisten sind in den USA, einige aber auch in Kanada. Im Angebot gibt es unter anderem Pools, Sportplätze und verschiedene Aktivitäten für Kinder.

Campingplätze in den Nationalparks müssen über Parks Canada gebucht werden.

Campingplätze in den Provincial Parks sind über die entsprechende staatliche Administration zu buchen:

Bei der Online-Buchung fällt eine kleine Reservierungsgebühr an.

 

Nicht alle Campingplätze können vorgebucht werden; es gibt sogenannte First-Come, First-Served Campgrounds. Wie der Name schon sagt, erhält derjenige den Stellplatz, der zuerst kommt. Hier gibt es keine Rezeption. Der Check-in läuft via Self Registration. Ihr solltet diese Campingplätze spätestens um 16 Uhr anfahren, um noch einen Platz zu bekommen! Das Prozedere ist wie folgt:

  1. Ihr fahrt direkt auf den Campingplatz und sucht euch einen freien Stellplatz. Wenn ihr einen gefunden habt, stellt ihr das Wohnmobil dort ab.

  2. Nun geht ihr zu Fuß zurück zur Einfahrt. (Bargeld und Stift nicht vergessen!) Hier befindet sich ein Infoboard mit Informationen zum Campingplatz, der Umgebung und zum Check-in-Prozess sowie den erforderlichen Formularen.

  3. Füllt den Anmeldeschein mit Name, Anzahl der Personen, Ankunfts- und Abreisetag, Anzahl geplanter Übernachtungen, hinterlegte Gebühr, Stellplatznummer und Kfz-Kennzeichen aus.

  4. Steckt den ausgefüllten Anmeldeschein gemeinsam mit dem Gesamtbetrag für eure geplanten Übernachtungen in das bereitgestellte Kuvert (= hinterlegte Gebühr; die Kosten pro Nacht entnehmt ihr dem Infoboard). Achtung: Zahlt passend; es gibt kein Wechselgeld!

  5. Werft den Umschlag in den Briefkasten bzw. die dafür vorgesehene Box.

  6. Entweder gibt es am Anmeldeschein zwei Abschnitte, die ihr voneinander trennen müsst. Den ersten habt ihr bereits mit dem Geld in den Briefkasten geworfen. Den anderen nehmt ihr mit. Oder es gibt ein weiteres Formular, welches ihr an euch nehmt. Entsprechend ausgefüllt, befestigt ihr diesen Zettel an dem Holzpfahl mit der Nummer direkt an eurem Stellplatz. Ein Ranger wird abends kommen und kontrollieren, ob alles seine Richtigkeit hat.

 

WANN ÖFFNEN DIE CAMPINGPLÄTZE IN KANADA?

Die meisten Campingplätze in Kanada sind nur in den Sommermonaten geöffnet. Je nach Campingplatz und Region beginnt die Öffnungszeit zwischen Anfang Mai und Mitte Juni. Die Schließzeit variiert von Anfang Semptember bis Mitte Oktober.

Natürlich gibt es auch Campingplätze, die während der Nebensaison () geöffnet haben. Teilschließungen von großen Campingplätzen sind auch möglich; in diesem Fall stehen nur ein paar Stellplätze zur Verfügung, während die restlichen gesperrt sind.

Im Winter dagegen kann dazu kommen, dass die noch geöffneten Campingplätze schließen müssen, da sie eingeschneit sind.

Informiert euch im Vorfeld!

KANN MAN IN KANADA FREI CAMPEN?

Verboten ist Wildcampen grundsätzlich in National Parks sowie in Provincial Parks. Auch auf vielen öffentlichen Parkplätzen (innerstädtisch wie auch auf dem Land) gilt ein sogenanntes Nachtparkverbot, worauf entsprechende Schilder hinweisen. Demzufolge ist das Campen hier ebenfalls verboten.

Viele Reisende nutzen die Parkplätze von Supermärkten oder Einkaufszentren als Stellplatz für ihr Wohnmobil. Das ist in der Regel problemlos möglich; allerdings solltet ihr zuvor bei den Verantwortlichen (Informationsschalter oder Wachpersonal) um Erlaubnis bitten. Häufig kann es sein, dass euch dann ein bestimmter Bereich des Parkplatzes zugewiesen wird, der als Nachtparkplatz genutzt wird.


5. REIST INDIVIDUELL!


Honeymoon Lake Campground am Icefields Parkway im Jasper National Park.

Unser Kanada Roadtrip war die erste Reise, für deren Planung wir eine Agentur zu Hilfe genommen hatten. Alle Reisen hatte ich zuvor in Eigenregie organisiert: Skandinavien, Neuseeland, New York, Madagaskar, Israel und Baltikum, um nur wenige zu nennen. Nun waren wir das erste Mal mit Kind außerhalb Deutschlands unterwegs und das erste Mal nach der Pandemie. Deshalb dachten wir, Spezialisten hinzuzuziehen, wäre eine gute Idee. War es nicht. Letztlich habe ich doch das meiste selbst gemacht, der Informationsfluss war grauenhaft und vieles ging katastrophal schief. Außerdem stellten wir fest, dass es erheblich teurer ist – gerade bei der Miete für das Wohnmobil für sechs Wochen hat sich das bemerkbar gemacht. Individualreisen sparen Geld und Nerven.

 

W E I T E R E B E I T R Ä G E

Kanada mit Kleinkind

Zurück
Zurück

Kanada Roadtrip mit Kindern: Die schönsten Routen

Weiter
Weiter

Kindersitz im Wohnmobil in Kanada: Das müsst ihr vor eurem Kanada Roadtrip mit Kindern wissen