Elternzeit Roadtrip Kanada: Reisebericht Teil 2

kanada mit kindern wohnmobil

Sechs Wochen unserer Elternzeit haben wir damit verbracht, einen Kanada Roadtrip zu machen. Roadtrip mit Kind und Wohnmobil. Unsere Erfahrung hinsichtlich Camping beschränkte sich bis dato auf Zelten (ohne Baby, versteht sich). Das kleine Familienabenteuer begann in Alberta, in den Nationalparks Banff und Jasper. Dies ist der zweite Teil meines Reiseberichts, in dem ich euch von unserer Reise durch British Columbia mit den Stationen Clearwater, Kamloops und Whistler erzähle. In Teil 3 wird es um Vancouver Island und Vancouver gehen. Ihr erhaltet hier Tipps für eure eigene Reise, eure Route und lest von meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken als Mama.

 

Dieser Beitrag ist Teil 2 eines dreiteiligen Erfahrungsberichts über unseren Roadtrip in Kanada in der Elternzeit. Teil 1 könnt ihr hier lesen. Seid ihr lediglich an Bildern unserer Reise interessiert, findet ihr diese hier.

 

ROADTRIP KANADA IN DER ELTERNZEIT


Für unseren Elternzeit Roadtrip haben wir uns Kanada ausgesucht – Alberta und British Columbia im Westen des Landes. Phantastische Natur, gute Infrastruktur und ausgezeichnete medizinische Versorgung waren einige der Kriterien, weshalb wir uns für dieses Reiseland entschieden haben.

Zunächst wollten wir mit Mietwagen reisen, haben uns aber früh in der Planungsphase für ein Wohnmobil entschieden. Die Vorteile einer Elternzeitreise im Wohnmobil lest ihr hier.

Aber jetzt zum eigentlichen Reisebericht Teil 2:


ROADTRIP KANADA ROUTE


CLEARWATER

In Jasper lagen die Temperaturen am Tage irgendwo zwischen 15 und 21 °C. Die Nächte waren empfindlich kühl. Es war fast die ganze Zeit über regnerisch. Alles in allem ein angenehmes Bergklima, ideal zum Wandern. In Clearwater dagegen war es drückend heiß bei deutlich über 30 °C. Die Luft stand. Den ganzen Tag brannte die Sonne vom Himmel und auch die Nächte waren tropisch warm.

Ab nun galt für den Rest unserer Reise aufgrund der Waldbrandgefahr striktes Lagerfeuerverbot.

Clearwater, vor den Toren des Wells Gray Provincial Parks gelegen, ist sehr abgelegen und wenig touristisch.

Der größte Teil von Wells Gray Provincial Park ist noch unerschlossen. Namenlose Berge liegen verborgen hinter Schotterstraßen. Ein Paradies für jene, die die Einsamkeit und das Ausgesetztsein in absolut unberührter Natur suchen.

Uns war es schlicht zu heiß. Mehr als 30 Grad Celsius, drückende Hitze, Staub überall und eine ganze Armee von Mücken ließen uns das kühle, verregnete Jasper schmerzlich vermissen.

Und was gibt es im Wells Gray Provincial Park? Wasserfälle. Viele Wasserfälle. Besucht haben wir nur Helmcken Falls, Dawson Falls und Spahat Falls.

Mein Mann war hier beim Rafting und Angeln. Dann haben wir noch unseren zweiten Schwarzbären gesehen, der die Straße vor uns überquerte. Und wir haben exzellent gegessen; im Hop N Hog Tap & Smokehouse, wo die Gäste auch mit Reservierung jeden Abend in einer langen Schlange geduldig warten, platziert zu werden.

Außerdem gibt es natürlich viele Wanderwege, wobei die meisten nur mit einem geländegängigen Fahrzeug — also einem Pick up Truck, wie ihn hier fast alle Einheimischen fahren — erreichbar sind. Der Wells Gray Provincial Park wirbt nicht umsonst mit dem Slogan „The Canada You Imagined“.

 

WANDERUNG: TROPHY MEADOWS TRAIL

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Im Wildblumenwiesen-Paradies: Trophy Mountain Meadows

Einer der Trails führt hinauf zu den Trophy Mountain Meadows. Um den Ausgangspunkt zu erreichen, zu dem nur eine unbefestigte Straße führt, haben wir uns ein entsprechendes Gefährt ausgeliehen. Für Alpinwanderungen sind wir grundsätzlich zu haben. Hier hofften wir zudem darauf, der drückenden Hitze Clearwaters zu entkommen. Das funktionierte eher mäßig. Auch auf dem Berg waren die Temperaturen jenseits dessen, was wir als angenehm empfinden. Der auch in der Hochsaison kaum frequentierte Wanderweg führt zunächst durch tiefen Regenwald. Der von in den schönsten Farben leuchtenden Blüten gesäumte Pfad steigt stetig an, bis sich der Wald allmählich lichtet. Und dann sind sie plötzlich da: Wildblumenwiesen, so weit das Auge reicht. Dazu völlige Stille. Ein magischer Ort von atemberaubender Schönheit. Ursprüngliche Natur. Der Blick zurück lässt nicht minder staunen: Berghänge, mit Schneefeldern bedeckt. Dieser Anblick verschaffte einen Moment Abkühlung.

Übrigens waren wir noch nie an einem Ort, an dem die Dichte an Insekten so hoch ist. Mücken und Fliegen haben hier scheinbar ihr Nirvana gefunden.

 

Unterkunft: Clearwater Valley Resort; hier gab es wenige Besucher*innen wie uns, sondern hauptsächlich Dauercamper*innen oder Angestellte eines Unternehmens, das eine Pipeline von Edmonton nach Vancouver baut. Die Leute, die den Platz betreuen, waren sehr freundlich und hilfsbereit, aber aufgrund des Klientels kann ich ihn trotzdem nicht empfehlen. Wesentlich besser geeignet wäre der Campingplatz North Thompson River Provincial Park gewesen, der von BC Parks betrieben wird.

 

KAMLOOPS

Die Stadt ohne Flair war ein notwendiger Wegpunkt auf unserer Reise nach Westen. Sanfte Hügel und karge Vegetation kennzeichnen die Landschaft um Kamloops.

Der BC Wildlife Park lohnt einen Besuch — so bekamen wir doch noch zwei Grizzlybären zu Gesicht. Ausserdem lebt hier der einzige Spirit Bear (ein weißer Schwarzbär) weltweit in Gefangenschaft. Der versteckte sich nur leider gut vor uns.

Eine unerwartete Attraktion war der schönste Spielplatz, den wir je gesehen haben: ein großzügiges Areal in dem umzäunten Prince Charles Park mit einem Bereich für größere Kinder und einem für Kleinkinder. Dazu gibt es ein mindestens 30 m² großes Wasserbecken, das flach abfällt und an der tiefsten Stelle etwa kniehoch ist. Wir verbrachten hier Stunden.

 

Unterkunft: Kamloops RV Park; nicht empfehlenswerter Trailer Park mit vielen Dauercampern. Die Stellplätze sind dicht an dicht und lassen keine Privatsphäre zu.

 

WHISTLER

Whistler ist ein schönes Städtchen — man sieht schnell, dass es zu den 2% der teuersten Orte weltweit gehört. Nirgends haben wir auf dieser Reise für Lebensmittel mehr gezahlt, als hier. Dafür war der Campingplatz der günstigste, den wir je hatten. Die öffentlichen Busse können am Wochenende kostenfrei genutzt werden.

Die Ortschaft in den Coast Mountains ist relativ weitläufig im Vergleich zu Banff und Jasper, sehr touristisch mit guter Infrastruktur, hat aber dennoch Flair. Hübsche Geschäfte und Restaurants in verkehrsberuhigten Bereichen laden zum Schaufensterbummel und Verweilen ein. Trotz der vielen Besucher*innen wirkte es hier nicht völlig überlaufen, was sicher auch der guten Infrastruktur mit viel Platz für Fußgänger*innen zu danken ist. Wie schon in Banff und Jasper sind viele Gebäude architektonisch durch originelle Verbindungen aus Holz und Stein, aber auch Glas, interessant und ästhetisch ansprechend.

Nach Whistler kommen im Sommer weniger die, die kontemplative Naturerfahrung suchen, sondern jene, die den Adrenalinrausch finden wollen. Bungee Jumping, Mountain Biking, Down Hill — Hauptsache schnell irgendwo runter. Muss ja auch jemand mögen.

In der kalten Jahreszeit ist die Region Whistler Blackcomb eines der größten und renommiertesten Wintersportgebiete Nordamerikas.

 

WANDERUNG: TRAIN WRECK TRAIL

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Rast auf einem plattgedrückten Waggon.

Hier ist nicht so sehr der Weg das Ziel — obgleich der 2 km kurze Pfad durch den Wald im Tal wirklich angenehm zu begehen und ausgezeichnet geeignet für laufenlernende Kleinkinder ist.

Ziel sind sieben 1956 entgleiste Waggons, die hierher geschleppt wurden, um die Zugstrecke so schnell wie möglich frei zu räumen. Die ausgeschlachteten Waggonhüllen sind Filmkulisse, BMX Bike Park und unfreiwillige Leinwand für Graffiti-Künstler*innen und solche, die es gerne wären.

 

WANDERUNG: MARMOT TRAIL

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Weiße Gipfel, weiße Wolken. Wo hören die Berge auf, wo fängt der Himmel an?

An einem sonnigen Freitagvormittag sind wir mit der Blackcomb Gondola auf den Blackcomb Mountain gefahren. Während es für uns aufwärts ging, beobachteten wir die Mountain Bike Fahrer*innen unter uns, die sich mutig steile Hänge hinunterstürzten.

An der Bergstation angelangt, war der Blick ins Tal und über das Meer aus mit Schnee und Eis bedeckten Gipfeln fantastisch. Doch es wurde noch besser.

Auf dem Berg gibt es dichtes Wegenetz für alle Schwierigkeitsgrade. Wir haben Alpine Loop und Overlord Trail kombiniert, um über den Marmot Trail (die namensgebenden possierlichen Murmeltiere haben wir dieses Mal leider nicht erspäht) zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen. Während die ersten beiden Wege noch stark frequentiert sind – vor allem von jenen, die Bewegung in ihrem Alltag offenbar eher tunlichst vermeiden –, begegnete uns auf dem Marmot Trail, der überraschenderweise deutlich länger ist, als die Karte vermuten lässt, nur ein Pärchen.

Alpine Loop und Overlord Trail sind breite Wege, fast kinderwagentauglich. Der Marmot Trail dagegen ist ein von dichtem Gebüsch gesäumter und teilweise überwucherter, an vielen Stellen steil ansteigender Single Trail. Auch hier blühten die wunderbarsten Wildblumen – wenn auch nicht in der Fülle und Farbenpracht, wie es auf dem Trophy Mountain der Fall gewesen ist. Eine lange Wegstrecke konnten wir den Blick auf weiße Gipfel und mächtige Gletscher genießen. Wie eigentlich jede Hochgebirgswanderung kann ich auch diese nur wärmstens empfehlen.

Im Ticketpreis der Gondel enthalten waren außer der Berg- und Talfahrt auf den bzw. vom Blackcomb Mountain noch die Peak 2 Peak Gondola, die die Berge Blackcomb und Whistler miteinander verbindet sowie die Talfahrt von Whistler Mountain zurück in den Ort. Die Bergfahrt auf Whistler Mountain ist in der Sommersaison nur Mountain Biker*innen vorbehalten.

Wir haben die Peak 2 Peak Gondola zwar genutzt, haben aber auf Whistler Mountain keine Wanderung mehr gemacht, obgleich dies möglich gewesen wäre. Die Gondelfahrt ist insofern außergewöhnlich, da hier die hochalpinen Regionen zweier Berge miteinander verbunden werden. Das Vergnügen dauerte zwar nur 11 Minuten, aber als eine, die mit Höhe gelegentlich Schwierigkeiten hat, war ich froh, als wir Whistler Mountain unversehrt erreicht hatten. Wer nicht wandert, kann hier dem Treiben am Start der Mountain Bike Strecke zusehen, das Restaurant mit Panoramaterrasse besuchen und Fotos vor den Olympischen Ringen, einem Relikt der Winterspiele 2010, machen.

 

Unterkunft: Cal Cheak Campground; wunderschöner kleiner Campingplatz, im Wald gelegen, sehr gepflegt und extrem günstig (15 $ pro Nacht. Andere Campingplätze hier kosten etwa 80 $.)

 

FAZIT


Clearwater mit Wells Gray Provincial Park lohnt sich eigentlich nur dann, wenn man mit Pick up Truck unterwegs ist und sich so über die unbefestigten Straßen zu einem echten Outdoor-Abenteuer aufmachen kann. Oder wenn man sich überdurchschnittlich für Wasserfälle begeistert. Die hochpreisige Region Whistler Blackcomb bietet schöne Wanderwege in hochalpinen Terrain, was allerdings kein Alleinstellungsmerkmal ist. Diese Stationen sind meines Erachtens keine, die unbedingt in einen Roadtrip durch Kanadas Westen eingebaut werden sollten.

 

W E I T E R E B E I T R Ä G E

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