Elternzeit Reise Erfahrungen: Kanada mit Kindern

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Meinungen zum Thema Reisen in der Elternzeit gibt es viele. Erfahrungen kann man nur selbst sammeln. Genau das haben wir gemacht und davon berichte ich hier, um (hoffentlich) anderen Eltern bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Elternzeitreise zu helfen. Wann ist überhaupt die beste Zeit, um mit Baby zu reisen? Und wohin? Unsere Elternzeitreise war eine intensive Zeit. So anders, als der Alltag zu Hause. Wir konnten unterwegs viele wertvolle Erfahrungen sammeln, die mich als Mutter haben wachsen lassen. Ich bin mutiger geworden. Und ich bin dankbar dafür, dass wir als Familie die Möglichkeit hatten, all diese Erlebnisse zu haben. Unsere Erde ist unfassbar schön, voller (Natur-)Wunder und Magie, wenn man bereit ist, sich dem zu stellen – und es gibt so viel zu sehen!

 

ELTERNZEITREISE FAKTEN


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Unsere Elternzeit Reiseroute: Von Calgary in Alberta über die Canadian Rockies bis an die Westküste von Vancouver Island in British Columbia.

REISEZEITPUNKT

oder: Wann ist die beste Zeit, um mit Baby zu reisen?

Beim Antritt unserer Reise war unsere Tochter 12,5 und bei unserer Rückkehr 14 Monate alt. Offiziell war sie also kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind. Sie hatte einige Wochen zuvor begonnen, das Laufen zu erlernen und steckte noch mitten in der oralen Phase. Besonders in den ersten Wochen musste noch jeder Kiesel, jeder Zweig und alles andere, was sich in ihrer Reichweite finden ließ, in den Mund gesteckt werden. Für mich war das maximal anstrengend.

Rückblickend denke ich, dass die Lebensmonate fünf bis sieben für uns der optimale Reisezeitpunkt gewesen wären. Aber jedes Baby ist anders und eine große Elternzeitreise plant man lange, bevor man weiß, wann das eigene Baby was kann und inwiefern dies das Reisen beeinflussen oder gar beeinträchtigen wird. Irgendwas ist vermutlich immer – Beikoststart, Krabbeln, Laufen. Und jede Mama geht mit anderen Gegebenheiten anders um; was für die eine problematisch ist, meistert die andere mit Leichtigkeit und umgekehrt. Es ist absolut individuell.

 

REISEZIEL

Mein Mann hatte Kanada für unsere Elternzeitreise vorgeschlagen und es war die richtige Wahl. Wunderschöne Natur, sehr nette Menschen, kinderfreundlich, gute Infrastruktur, gemäßigtes Klima, westlicher Standard bzgl. der medizinischen Versorgung und perfekt geeignet für Roadtrips.

 

DIE BESTE REISEZEIT FÜR KANADA

Die beste Zeit für eine Reise nach Kanada hängt von euren Vorlieben ab. Kanada kann ganzjährig bereist werden. Allerdings spielt die Jahreszeit natürlich eine große Rolle bzgl. der möglichen Aktivitäten sowie der Reiseroute.

 

Frühling (März bis Juni)

  • zwischen Schneeschmelze und Blütenpracht

  • milde Temperaturen in den Küstenregionen von British Columbia oder Nova Scotia

  • entspannteres und günstigeres Reisen als im Sommer, da Nebensaison

  • Highlight: Jungtiere werden jetzt geboren und können beobachtet werden

  • Nachteil: Viele der berühmten blaugrünen Seen sind noch zugefroren, wodurch ihre tolle Farbe nicht zu sehen ist.

 

Sommer (Juni bis August)

  • Hauptsaison – oder anders gesagt: die teuerste Reisezeit

  • in manchen Regionen Kanadas kann es sehr heiß werden (über 30 °C) – etwa an der Ostküste, aber auch in Teilen von British Columbia. Informiert euch also vorher gut, falls ihr kühlere Temperaturen bevorzugt.

  • ideale Zeit für

    • Roadtrips mit Wohnmobil

    • eine Reise in die Canadian Rockies zum Wandern, Mountainbike fahren und Kajaken (am besten in den Nationalparks Banff, Jasper und Yoho)

    • Strandurlaub auf Vancouver Island

 

Herbst (September bis November)

  • Indian Summer im Osten Kanadas: ein Farbenspektakel, das seinesgleichen sucht (Achtung: der Altweibersommer setzt je nach Jahr und Region zu einem anderen Zeitpunkt ein. Informiert euch im Vorfeld!)

  • in Churchill, Manitoba, können Eisbären beobachtet werden

  • je nach Region sind Roadtrips bis Oktober noch möglich

 

Winter (Dezember bis März)

  • Kanada ist ein Winterwunderland

  • Hochsaison in den Canadian Rockies und Coast Mountains; in anderen Teilen des Landes ist Nebensaison, die aber auch gut genutzt werden kann

  • Eiswandern, Eislaufen, Eisangeln, Fahrten mit dem Motor- oder Hundeschlitten, Ski- und Snowboardfahren

  • das Paradies für Wintersport schlechthin: Whistler in British Columbia

  • Baden in heißen Quellen im Kootenay National Park

 

Sechs Wochen haben wir in Kanada verbracht – mitten im Sommer. Im Nachhinein würde ich die Route um zwei Stationen einkürzen, um andernorts länger bleiben zu können. Optimal sind meines Erachtens acht bis 10 Wochen.

 

REISEART

Bereits früh in der Planungsphase haben wir uns für Elternzeit im Wohnmobil entschieden. Das war perfekt. Dennoch will ich nicht verschweigen, dass ich gelegentlich genervt davon war, täglich das Geschirr spülen und alles aufräumen zu müssen. Schon eine kurze Fahrt zum Supermarkt erfordert nämlich, dass das gesamte Inventar gut verstaut ist, damit es einem nicht auf den Kopf fällt oder anderweitig um die Ohren fliegt.

Für unsere Tochter war das Leben im Wohnmobil spannend und sie hat sich sofort heimisch gefühlt. Die Fahrerkabine war ihr liebster Indoor-Spielplatz. Das Fahren mochte sie allerdings ebenso wenig, wie konventionelles Autofahren. Mit ihr so lange im Wohnmobil unterwegs zu sein, war überhaupt kein Problem. Mein Eindruck ist sogar, dass ihr dieses Leben mehr zusagte, als der Alltag zu Hause, wenn Papa zur Arbeit geht und tagsüber nur Mama da ist. Auch die Flüge haben ihr nichts ausgemacht – dies war bei der Planung der Reise meine größte Sorge gewesen.

 

HIGHLIGHTS UNSERER ELTERNZEITREISE

  • Unsere Tochter beim Sammeln von Zweigen und Steinchen beobachten. Im Augenblick sein. Zusehen, wie die Kleine immer besser läuft.

  • Im The Real Canadian Superstore einkaufen.

  • Jeden Tag Zimtschnecken und Starbucks Iced Caramel Macchiato.

  • Hochalpinwanderungen zu Wildblumenwiesen.

  • Bären sehen.

  • Mit unserer Tochter am Pazifikstrand spazieren gehen.

 

HIGHLIGHTS FÜR UNSERE KLEINE

  • Selbst laufen im Wald und am Strand.

  • Zweige und Steine sammeln. (Irgendwann hat sie damit aufgehört, diese in den Mund zu stecken.)

  • Sand zwischen den Zehen spüren und im Pazifik plantschen.

  • Jedem vorbeifahrenden Fahrzeug auf den Campingplätzen zuwinken.

  • Andere Kinder beobachten.

  • Zum ersten Mal Spielplätze erkunden. (Kanadische Spielplätze sind phänomenal!)

  • Ununterbrochen Zeit mit Mama und Papa verbringen.


ERFAHRUNGEN UNSERER ELTERNZEITREISE


1. Eine Elternzeitreise im Wohnmobil ist kein Erholungsurlaub.

Geschirr spülen, Essen kochen, Wäsche waschen, Betten machen, putzen, aufräumen, Grey und Black Water ablassen, Frischwasser auffüllen und noch ein paar Handgriffe mehr – Arbeiten im Haushalts gibt es auch im Wohnmobil!

2. Beim Mama sein geht es um Balance.

Nie zuvor wurde mir das so klar, wie auf dieser Reise. Wären wir nur zu zweit unterwegs gewesen, hätten wir so viel mehr gesehen, weitere und anspruchsvollere Wanderungen gemacht. Mit Kind geht das nicht mehr – da kann man froh sein, wenn man die Hälfte von dem “schafft”, was man sich vorgenommen hat. Auf eine vierstündige Wanderung mit der Kleinen in der Babytrage folgte dann Spielplatz am Nachmittag. Balance bedeutet für mich nicht nur, dass an alle Familienmitglieder gedacht ist und jede*r was von der Reise oder nur dem einzelnen Tag hat. Balance bedeutet für mich, dass es auch mir nur gut geht, wenn es meiner Kleinen gut geht. Ich kann keine Wanderung, keinen Ausflug genießen, wenn sie dabei unglücklich ist.

3. Das Aufgeben von Sicherheit führt zum Rückgang der Angst.

Seit der Geburt meiner Kleinen war ich eine überängstliche, sehr protektive Mutter. Protektiv bin ich noch immer, aber nicht mehr ganz so ängstlich. Die Sicherheit der eigenen Wohnung, meines Umfelds und eigentlich alles Bekannten haben wir mit dem Antreten unserer Reise aufgegeben. Besonders der Anfang war für mich und mein Sicherheitsbedürfnis richtig hart. Ohne es zunächst zu bemerken, bin ich daran gewachsen. Oder anders gesagt: Ich habe Sicherheit aufgegeben, dafür Angst verloren und sogar Vertrauen in diese Welt gewonnen. Das ist wohl meine größte Erkenntnis unserer Elternzeitreise: Es ist notwendig, etwas zu wagen – sonst macht das Leben Angst. Und dafür ist das Reisen sehr geeignet.

4. Reduktion beruhigt.

Wunderbar war, dass im Wohnmobil alles seinen festen Platz hatte und der Stauraum sinnvoll geschaffen war und genutzt werden konnte. Insofern war es leicht, Ordnung zu halten. Für mich hatte ich noch nie so wenig Kleidung eingepackt, wie auf dieser Reise. Selbst beim Backpacking in Neuseeland hatte ich mehr dabei. Besitz belastet. Physisch, wenn man seinen Krempel im Rucksack herumschleppen muss. Mental, wenn man beim Suchen nichts findet und beim Aufräumen nicht weiß, wohin mit dem ganzen Zeug. So war die Konzentration auf das Wesentliche äußerst angenehm. Zurück zu Hause erscheint die Dreizimmerwohnung geradezu lächerlich groß und die Einrichtung wahnsinnig unpraktisch. Überhaupt war die Heimkehr surreal. Es war mir leicht gefallen, mich an das Wohnmobil zu gewöhnen. Der Einfachheit und klaren Struktur dieses temporären Heims auf Rädern sei Dank. Überraschend schwer dagegen fiel es mir, mich wieder an die über 70 qm große Wohnung zu gewöhnen. Noch drängender als vorangegangene Reisen stelle ich mir nun die Frage: Was braucht man eigentlich wirklich?

5. Hauptsache, wir sind zusammen.

Am Anfang hatten wir in Kanada mit einem doch ganz erheblichen Problem zu kämpfen. Es war so dramatisch, dass wir den Abbruch der Reise diskutierten, noch bevor diese richtig begonnen hatte. Irgendwann sagte mein Mann zu mir, als ich dabei war, die Nerven wegzuschmeißen: “Hauptsache, wir sind zusammen. Wir drei. Das ist doch das wichtigste.” Wie Recht er damit hat.


EMPFEHLUNGEN FÜR ANDERE ELTERNZEITREISENDE


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Seid ihr in einem konventionellen Angestelltenverhältnis, werdet ihr nie wieder Zeit und Gelegenheit haben, als Familie gemeinsam eine so lange Reise zu machen. Ihr verzichtet unterwegs auf Sicherheit, verpasst möglicherweise irgendwelche Ereignisse zu Hause (Geburtstagsfeiern, Hochzeiten), ihr rückt alle wirklich eng zusammen und habt wenig bis keinen Freiraum für euch. Es wird anstrengend werden. Für uns hat es sich dennoch gelohnt. Wir sind um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher geworden und definitiv daran gewachsen.

 

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